| 22:43 Uhr

Feierliche Verabschiedung
Vergnügte Abschiedsparty für „unsere Marie“

Marie-Luise Jaske-Steinkamp inmitten von Kindergartenkindern bei deren Abschiedsbeitrag.
Marie-Luise Jaske-Steinkamp inmitten von Kindergartenkindern bei deren Abschiedsbeitrag. FOTO: Petra Pabst
Dudweiler. Marie-Luise Jaske-Steinkamp wird von Gemeinde und Weggefährten als evangelische Pfarrerin offiziell verabschiedet. Von Petra Pabst

„Alles hat seine Zeit“ – unter diesem Motto, den Lieblingszeilen von Pfarrerin Marie-Luise Jaske-Steinkamp aus der Bibel, stand der Gottesdienst zur Entpflichtung und Verabschiedung der beliebten Seelsorgerin. Helfer hatten am zurückliegenden Sonntag hierfür noch zahlreich Bänke und zusätzliche Sitzgelegenheiten in der Heilig-Geist-Kirche aufgestellt. Dennoch war bereits lange vor Beginn der Veranstaltung auch der letzte Sitzplatz besetzt, und nicht Wenige mussten sich in der Kirche mit Stehplätzen zufrieden geben. Weit über 500 Gemeindemitglieder vom Säugling bis zu hoch Betagten waren gekommen und nahmen zum Teil unter Tränen Abschied von ihrer Pfarrerin, die sie mehr als drei Jahrzehnte betreut hatte.


Die weiteste Anreise hatten dabei wohl Maria und Jozef Ceslar aus der Partnergemeinde Ustron in Polen auf sich genommen. Zum letzten Mal betrat Jaske-Steinkamp am Sonntag die Kanzel und richtete eine letzte Predigt an ihre Gemeinde. „Alles hat seine Zeit. Diese tröstenden Zeilen habe ich in vielen Lebenssituationen, bei rund 1600 Beerdigungen und anderen seelsorgerischen Tätigkeiten und nicht selten auch für mich selbst verwendet und gebraucht“, erklärte sie. Und nun sei die Zeit, loszulassen und einen neuen Lebensabschnitt zu beginnen. „Dudweiler war 31 Jahre meine Heimat. Durch meinen Beruf, den ich sehr geliebt habe, kam das Familienleben leider oft zu kurz. Das möchte ich künftig ändern. Das Leben findet nicht in der Vergangenheit oder in der Zukunft statt“, mahnte sie, „sondern auf dem Schnittpunkt dazwischen, im Hier und Jetzt. Verschiebt das Leben nicht auf die Zukunft und lebt nicht in der Vergangenheit. Wartet nicht ab, sondern handelt, betet und tut Gerechtes in der Gegenwart“. Und: „Die Kirche hat sich in all den Jahren immer eingemischt, mischt euch weiterhin ein, nehmt Stellung und mischt mit, das wünsche ich mir.“ Trotz des proppenvollen Gotteshauses war es während der Wortbeiträge meist mucksmäuschenstill, nur hier und da unterbrochen von leisem Naseschnäuzen. Aber es gab auch Gelächter und Applaus. Zum Beispiel bei der Präsentation der Geschenke von Superintendent Markus Karsch. Er schenkte symbolisch „eine Tüte Zeit“. Aus einer braunen Papiertüte nahm er ein Blatt Papier mit Terminen und ein Foto eines Handys und zerriss beides mit den Worten: „Das brauchst du künftig nicht mehr. Du musst nicht mehr ständig erreichbar sein.“ Statt dessen blieben in der Tüte Kaffee und Tee der Sorte „Ewiges Leben“ sowie andere Dinge, für die sie sich künftig Zeit zum Genießen nehmen dürfe. Auch ein Nagel war dabei, an den sie ihren Talar hängen sollte.

Es ging in seinen Worten ums Loslassen, und so ließ er symbolisch einen blauen Luftballon an die Decke des Gotteshauses steigen. Nach der anschließenden feierlichen Dienst-Entpflichtung und dem Empfang des Segens zog Marie-Luise Jaske-Steinkamp lächelnd ihren Talar aus. Passend dazu sang der Kirchenchor „Ich bin vergnügt, erlöst, befreit“.



Im Anschluss an den Gottesdienst nutzten noch Wegbegleiter, wie die Kindergartenkinder, die katholische Gemeindereferentin Ute Gress, Bezirksbürgermeister Reiner Schwarz und viele andere mehr die Gelegenheit, Abschiedsworte an „ihre Marie“ zu richten und Geschenke zu überreichen. So verwandelte sich der Altar mehr und mehr in einen großen Gabentisch. Zahllose Umarmungen und vor allem das Wort „Danke“ dominierten dabei.

Für eine würdevolle und feierlich-musikalische Umrahmung der Abschiedsfeier in der Kirche mit stimmungsvollen Beiträgen sorgten der Posaunenchor der evangelischen Kirchengemeinde sowie der Kirchenchor, der Männerchor „Harmonie“ und die Elternband der Gemeinde-Kita.