Discounter zieht um

Nun ist die Katze endlich aus dem Sack: Netto kehrt der Liesbet-Dill-Straße den Rücken und lässt sich in der Beethovenstraße nieder. Dort sollen überdies 96 Appartements für Studenten errichtet werden.

Nach langem Hin und Her, nach einer Hängepartie über Jahre hinweg ist es jetzt offiziell: Der Netto-Markt in der Liesbet-Dill-Straße in Dudweiler-Süd wird seinen Standort verlagern. Und zwar in die Beethovenstraße einige Meter weiter. Damit entfällt am jetzigen Standort der sogenannte ,,Frequenzbringer" für die umliegenden Einzelhandelsgeschäfte und Dienstleister. Im Gespräch mit Daniel Altemeyer-Bartscher vom Stadtplanungsamt erfährt man mehr zu dem, was jetzt geschieht. Der stellvertretende Amtsleiter im Rathaus St. Johann schickt voran, dass Netto solange am alten Standort bleiben werde, bis die neue Immobilie steht.

Auf dem Grundstück wiederum, das der Discounter anpeilt, soll die alte Immobilie, in der bis vor wenigen Jahren das Unternehmen Stoss-Medica residierte, abgerissen werden. Das erklärte auf Nachfrage Hans-Peter Schubert, Chef der St. Ingberter Firma Perfecta - Bauträger- und Baubetreuungsgesellschaft mbH. Für Netto ist Perfecta als Projektentwickler tätig. Was die Größe des Netto-Marktes am neuen Standort angeht, sollen rund 1200 Quadratmeter Nutzfläche zur Verfügung stehen - mit einem erheblich erweiterten Sortiment, vergleichbar mit der Filiale am Meerwiesertalweg. Darüber hinaus sollen auf dem Grundstück 96 Appartements für Studenten errichtet werden. Was die Parkplätze angeht, so sind im Außenbereich 53 angepeilt, eine noch zu bauende Tiefgarage wiederum soll Platz für 40 bis 45 Fahrzeuge bieten.

Bis vor kurzem hatte die Lebensmittelversorgung in der Liesbet-Dill-Straße für die Stadtverwaltung absolute Priorität. So also sperrte sie sich gegen die Umzugsabsichten. Dagegen jedoch legte Netto Widerspruch beim Stadtrechtsausschuss ein und blitzte ab, weil der Bebauungsplan dieses Vorhaben ausschloss.

Allmählich aber erkannte die Verwaltung, dass im schlimmsten Fall, also beim kompletten Netto-Rückzug, Dudweiler-Süd auf Lebensmittelversorgung verzichten müsste, und freundete sich mit Plan B, also mit dem Standort Beethovenstraße, an. In etwa nach dem Motto: lieber den Spatz in der Hand, als die Taube auf dem Dach. Hierzu jedoch muss der bestehende Bebauungsplan abgeändert werden.

Und so kommt nun all das ins Rollen, was zur Umsiedlung nötig ist: Anhörung der Gremien, Offenlegung, Bürgerbeteiligung - bis hin zum Stadtratsbeschluss, der das Vorhaben besiegelt. Laut Daniel Altemeyer-Bartscher ist die Verwaltung jetzt ,,mit Hochdruck" dabei, die Angelegenheit voranzutreiben. Wobei man sich auch schon mit der verkehrlichen Situation beschäftigt habe. Gedacht sei an eine Querungshilfe über die Fahrbahn, weil man davon ausgehen könne, dass so mancher Kunde nicht unbedingt die nahe Unterführung nutzt: ,,Fußgänger gehen den direkten Weg." . Und was ist aus den Verhandlungen der Stadt mit dem Hauseigentümer in der Liesbet-Dill-Straße geworden, mit dessen Zutun ein anderer Anbieter ins Netto-Gebäude hätte einziehen können? ,,Interessensbekundungen" habe es da schon gegeben, sagt Altemeyer-Bartscher, unterm Strich jedoch sei dies als ,,nicht belastbar" einzustufen. Mit den Worten ,,uns rennt die Zeit davon" verdeutlicht er, dass man das Unternehmen Netto nicht ewig habe vertrösten können.

Was sich im Übrigen nach dem Netto-Umzug in der Liesbet-Dill-Straße tun wird, ist völlig unklar. Die Pläne des Hauseigentümers sind der Öffentlichkeit nicht bekannt.

Der Netto-Markt in der Liesbet-Dill-Straße wird in absehbarer Zeit schließen. Foto: Seeber Foto: Seeber

Wie dem auch sei: Nicht ganz unrealistisch ist, dass Netto in etwa zwei Jahren seine neue Filiale eröffnen wird.