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Terror-Pflanze
Diese Pflanze ist der blanke Horror

Riesen-Bärenklau im Garten von Gertrud Wilhelm.
Riesen-Bärenklau im Garten von Gertrud Wilhelm. FOTO: Almut Kubitzek-Pelka
Jägersfreude. Der Riesen-Bärenklau macht einer Frau in Jägersfreude arg zu schaffen. Nun hofft sie auf Hilfe aus dem Saarbrücker Rathaus. Von Stefan Bohlander

Gertrud Wilhelm geht auf die Pflanze in  ihrem Garten zu. Das Atmen fällt ihr schwer, sie dreht um, ist verzweifelt. „Es muss etwas passieren, egal wie“, sagt sie und fügt hinzu: „Ich stand auf der Kippe.“ Vor etwas mehr als anderthalb Jahren meldete sich die Jägersfreuderin schon einmal bei der Saarbrücker Zeitung. Seinerzeit war es das gleiche Problem, wie es immer noch ist: Die Herkulesstaude, bekannter vielleicht als Riesen-Bärenklau.


 Das aggressive und problematische Gewächs, das bis zu drei Meter hoch wachsen kann und in voller Blüte ein wenig an die Fette Henne erinnert, breitete sich in ihrem Garten direkt am Sulzbach in Jägersfreude aus. Bei der Gartenarbeit zog sie sich Verletzungen zu: Verbrennungen mit Knoten, Blasenbildung und natürlich Schmerzen. Gartenarbeit war auch im Hochsommer nur mit langen Ärmeln möglich. Auf eine Anfrage von ihr räumte die Stadtverwaltung seinerzeit ein, dass „eine vom Amt für Stadtgrün und Friedhöfe mit der Beseitigung beauftragte Firma offensichtlich die Pflanzenabfälle nicht ordnungsgemäß entsorgt hat“. Denn diese müssten eigentlich extra entsorgt und verbrannt werden. So landete die Pflanze vom Ufer wohl in ihrem Garten.

Ende Mai dann der Schock: Wilhelm kam erneut mit dem Riesen-Bärenklau in Berührung. Zuerst merkte sie es nicht. Sie befand sich bei ihrer Schwester in Hüttigweiler, als ihr Oberarm knallrot wurde. Ihre Nichte schaltete schnell und brachte sie ins Krankenhaus – während Wilhelm die Fahrt im sehr kranken Zustand verbrachte, wie sie erzählt. Mit 39,5 Grad Fieber und einem schwarzen Streifen am inneren Oberarm wurde sie eingeliefert – Verdacht auf Blutvergiftung. Von mehreren Ärzten wurde sie behandelt und auch nach dem Riesen-Bärenklau gefragt. Sieben Tage musste sie im Krankenhaus bleiben, drei Tage lang durfte sie nichts essen. Der Arm konnte gerade noch vor der Amputation gerettet werden.



Mehrere Tage lang war sie danach zu Hause. Dann folgten ein Spaziergang, Atemnot und während eines eigentlich als entspannenden Camping-Wochenendes geplanten Kurztrips in Weierweiler ein weiterer Aufenthalt in einem Krankenhaus – diesmal in Saarlouis. Den Großteil des Monats Juli verbrachte sie dort.  Nach unserem Gespräch Anfang August fuhr sie direkt in Kur. Von der Stadt ist sie maßlos enttäuscht, da sie ihrer Meinung nach nicht der ordentlichen Entsorgung der Problem-Pflanze nachkommt.

Die Anfrage der SZ beim Bürgerreferenten, ob denn mal eine gemeinsame Begehung möglich sei, verwies dieser an die Pressestelle der Landeshauptstadt. Eine Anfrage dort Anfang Juli blieb bis heute unbeantwortet. Gertrud Wilhelm selbst traf Oberbürgermeisterin Charlotte Britz bei der Kirmes in Jägersfreude. Sie versprach Hilfe.

Tatsächlich laufen im Hintergrund einige Klärungen, wie Almut Kubitzek-Pelka erklärte. Die Vorsitzende des SPD-Ortsvereins Jägersfreude nahm an einer Begehung teil, die Gertrud Wilhelm vor wenigen Tagen initiierte. Kubitzek-Pelka erläuterte, dass die Pflanze solche Reaktionen wie bei Gertrud Wilhelm hervorrufen könne, aber nicht müsse. Dies soll natürlich nicht beschwichtigend sein, denn: „Leider hat man die Wurzeln nicht entsorgt.“ So komme der Riesen-Bärenklau wieder, „das ist der Murks“.

Wilhelm selbst geht es weniger darum, ihre eigenen Schmerzen öffentlich zu machen, wie sie erklärt. Vielmehr weist sie darauf hin, dass der Riesen-Bärenklau sich invasiv über eine lange Strecke am Ufer des Sulzbachs ausgeweitet hat – unter anderem in unmittelbarer Nähe zum Skatepark am Ende der Blechhammerstraße, in der auch sie wohnt. An der dortigen Fußgängerbrücke können spielende Kinder leicht über den Zaun klettern und ans Ufer gelangen – und mit der Pflanze in Berührung kommen. Wilhelm, die ihren rechten Arm derzeit nur eingeschränkt bewegen kann, sagt gegen Ende unseres Gesprächs: „Ohne Schmerzmittel geht es derzeit nicht.“