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Der Bahnhof Sulzbach
Die wechselvolle Geschichte an den Gleisen

Der Sulzbacher Bahnhof im Jahre 2017.
Der Sulzbacher Bahnhof im Jahre 2017. FOTO: Thomas Seeber
Sulzbach. Bis zur Fertigstellung des barrierefreien Umbaus dauert es noch. Doch auch in den vergangenen Jahren wurde hier wiederholt gebaut.

Der rasche Aufstieg des Bergbaues hatte Ende des 18. Jahrhunderts für ein ebenso rasches Anwachsen der Bevölkerung im Saarland geführt. So wurde dann mit der Eröffnung der Eisenbahnlinie am 16. November 1852 Sulzbach an die französische Ostbahn auf der einen Seite in Richtung Paris und auf der anderen Seite über Bexbach mit der Ludwigsbahn Richtung Rhein angeschlossen. Der erste Sulzbacher Bahnhof wurde gebaut. Es war ein kleines Fachwerkgebäude. Der Zugang zu den Gleisen erfolgte durch das Gebäude, je nach Fahrtziel mussten die Reisenden damals über die Gleise gehen, um ihren Zug zu erreichen. Mit dem Bau der Eisenbahnschächte Mellin 1852 und der Gründung einer neuen Glashütte 1858 sowie dem Entstehen kleinerer Werke verzeichnete Sulzbach ein sprunghaftes Ansteigen der Einwohnerzahl. Durch den Bau der Rhein-Nahebahn von Neunkirchen nach Bingerbrück wurde Sulzbach 1860 dann an das europäische Eisenbahnnetz angeschlossen.


Wegen des immer stärker werdenden Personenverkehrs und der raschen Zugfolge musste 1909 der Zugang zu den Bahnsteigen durch einen Tunnel ersetzt werden. Man baute den Bahnsteigtunnel damals neben das Empfangsgebäude (etwa 40 Meter von der Fahrkartenausgabe entfernt). Die Reisenden aus Sulzbach mussten an der Bahnsteigunterführung vorbei zum Empfangsgebäude gehen, um ihre Fahrkarten zu lösen.

Auch die Diensträume und die Räume für den öffentlichen Verkehr in dem alten Empfangsgebäude genügten den Anforderungen nicht mehr, sie waren zum Teil auch unzweckmäßig angeordnet, außerdem machte der Hausschwamm immer mehr Probleme. Der Zahn der Zeit hatte das Holzwerk stark in Mitleidenschaft gezogen. Immer lauter wurde der Wunsch nach einem neuen Bahnhofsgebäude.

Im Jahre 1937 entschloss sich die Reichsbahndirektion Saarbrücken dann, hier grundlegend Wandel zu schaffen. Das über 70 Jahre alte Gebäude musste abgerissen werden. Vom alten Empfangsgebäude blieb nur noch die Bahnsteigunterführung bestehen. Das neue Empfangsgebäude wurde vor dieser Unterführung errichtet. Die Eingangshalle steht in der Achse des Tunnels. So wurde ein bequemer und sicherer Zugang zu den Bahnsteigen erreicht.

Das heutige Bahnhofsgebäude hat im Erdgeschoss, das ebenerdig mit dem Bahnhofsvorplatz gebaut wurde, eine 150 Quadratmeter große Eingangshalle. Auf der rechten Seite gab es seinerzeit drei – mit großen Spiegelglasscheiben versehene - Fahrkartenschalter.



Der nach der Bahnseite gelegene Stellwerksvorbau ermöglicht dem Fahrdienstleiter wegen der großen Aussichtsfenster die Übersicht über die Signale und Weichen. Das Drucktastenstellwerk Dr S 59, Bauart Siemens, in dem auch die Weichen und Signale von Friedrichsthal angesteuert werden, ist seit ein paar Jahren an die Fernsteuerung Neunkirchen (Stellwerk Nof) angeschlossen. Heute ist nur noch im Störungsfall ein Fahrdienstleiter für Sulzbach vorgesehen.

Die Inbetriebnahme des ganzen Gebäudes erfolgte am 23. Juni 1939.

Dann der Zweite Weltkrieg: Der Gleisabschnitt zwischen Saarbrücken und Homburg über St. Ingbert war so stark zerstört, dass ein schneller Wiederaufbau unmöglich war. Daher richteten die Amerikaner die weniger in Mitleidenschaft gezogene Sulzbachtalbahn her, um über Neunkirchen und Bexbach dann Homburg zu erreichen. Damit war die Verbindung von Frankreich in die Pfalz, von Thionville über Hargarten-Falk - Saarbrücken-Schleifmühle (so konnte der zerstörte Saarbrücker Hauptbahnhof umfahren werden) - Neunkirchen - Homburg - Altenglan - Bad Münster am Stein - Mainz durchgehend befahrbar. Die ersten planmäßigen Personenzüge zwischen Neunkirchen und Türkismühle verkehrten erst wieder ab 31. Mai 1945. Ab 25. Juni 1945 verkehrten je vier Zugpaare zwischen Saarbrücken - Sulzbach - Neunkirchen bis Türkismühle und Saarbrücken - Wemmetsweiler bis Neunkirchen (Fischbachbahn).

Mit dem Siegeszug des Autos hat die Bedeutung des Bahnhofs in Sulzbach seit Anfang der 1950er Jahre immer mehr abgenommen. Die damalige Bundesbahn musste aus wirtschaftlichen Gründen die Reisegepäck- und die Expressgutabfertigung schließen, auch die Besetzung einer Fahrkartenausgabe rechnete sich nicht mehr, sie wurde geschlossen und durch Automaten ersetzt.

Zwischenzeitlich hat sich das Empfinden für einen funktionierenden öffentlichen Personennahverkehr wieder gewandelt. Durchschnittlich 528 Reisende stiegen 1999 täglich in Sulzbach ein und aus; täglich werden es mehr, die sich für die Bahn entscheiden.

Auf der Sulzbachstrecke konnte die Höchstgeschwindigkeit von 60 auf 90 km/h gesteigert werden, auf der Fischbachstrecke von 60 auf 80 km/h. Diese Erhöhungen der Geschwindigkeit wurden durch den Einbau von Schienenauszugsvorrichtungen in den Grubensenkungsgebieten erreicht. 1966 wurden die Bahnsteigsperren in Sulzbach nur noch übergangsweise besetzt. Lediglich in den großen Bahnhöfen wie Saarbrücken und Neunkirchen wollte man auf die Bahnsteigsperren nicht verzichten. Die im Jahre 1967 begonnene Elektrifizierung der 33 Kilometer langen Strecke Saarbrücken - Sulzbach ‑ St. Wendel wurde trotz großer Schwierigkeiten durch bergbauliche Einwirkungen nach knapp einjähriger Bauzeit am 21. Mai 1968 planmäßig zum Sommerfahrplan fertiggestellt. Die Baukosten beliefen sich auf 8,2 Millionen DM. Mit Einführung der CityBahn im Jahre 1989 wurde die Strecke Saarbrücken – St.Wendel/Türkismühle stündlich bedient und zwar von 4.30 bis 1 Uhr nachts; und das nicht nur Montag bis Freitag, sondern auch am Wochenende.

Seit Fahrplanwechsel September 1999 hält alle halbe Stunde eine Regionalbahn in Sulzbach. Früher hielten auch alle zwei Stunden Regionalexpress-Züge (RE) der Linie Saarbrücken – Mainz in Sulzbach. Diese voll klimatisierten Züge des Nahverkehrs fuhren von Saarbrücken über den Frankfurter Flughafenbahnhof zum Hauptbahnhof. Diese RE-Züge Richtung Mainz halten seit Fahrplanwechsel Dezember 2015 nicht mehr in Sulzbach.

Der Autor Horst Rohrbacher war von September 1970 bis Dezember 2017 bei der Bahn beschäftigt. Seit 1999 war er Assistent des jeweiligen Konzernbevollmächtigten für die Länder Rheinland-Pfalz und Saarland. Rohrbacher hat sich bereits mit sehr vielen geschichtlichen Entwicklungen von Bahnhöfen im Saarland beschäftigt, zum Beispiel dem Saarbrücker Hauptbahnhof.