Die Tage der Klärgrube sind gezählt

Die Tage der Klärgrube sind gezählt

Die Leerung von Hausklärgruben ist relativ aufwendig und teuer. Daher wird der ZKE in absehbarer Zeit möglichst alle Haushalte an die bereits bestehenden Abwasserkanäle anschließen.

Die Sonne strahlt, und eigentlich könnte es ein schöner Tag werden. Doch irgendetwas stinkt beim Ortstermin in der Straße "Am Hang" in Dudweiler an diesem Morgen gewaltig zum Himmel. Es ist ein dumpfes Duftgemisch, das unaufhaltsam und unangenehm in die Nase steigt. Vor einem Anwesen parkt bereits der tonnenschwere Lkw einer Spezialfirma. Schnell wird nun klar: Hier soll eine Klärgrube entleert und anschließend für immer kurzgeschlossen werden.

Jetzt ist Sascha Jung am Zug: "Ich mache diesen Job schon seit fünf Jahren", erklärt der Entsorgungsfachmann, während er die ersten Teile des langen Saugschlauchs zurechtzieht. Anfangs habe der Job ihn Überwindung gekostet, man müsse "schmerzfrei sein", doch man gewöhne sich an alles. Und auch so manche Kuriositäten habe er bei seinen Abfuhr-Touren in großen Teilen des Saarlandes schon aus den Gruben gesaugt: "Es kommt immer mal vor, dass da zum Beispiel ein Nager, der sich durch die Rohre verirrt hat, tot in der Grube ist", erklärt Jung. Doch für die starke Pumpe des Tankfahrzeugs ist das kein Problem. Durch den zehn Zentimeter dicken Schlauch saugt sie bis zu 100 Liter Fäkalschlamm pro Minute ab. Und das mit einem Unterdruck von 0,5 Bar.

"In das Tankfahrzeug passen bis zu zehn Kubikmeter Abwässer. Die durchschnittliche Klärgrube eines Einfamilienhauses fasst aber rund zwei Kubikmeter. Da dauert die Entleerung rund 20 Minuten", erklärt Sascha Jung. "Alles wird anschließend fachgerecht in einer nahegelegenen Kläranlage entsorgt. Dabei werden die Feststoffe vom Wasser getrennt; das Wasser wird gefiltert und in den Wasserkreislauf zurückgeführt". Mittlerweile ist auch das Absaugrohr vom Fahrzeug bis wenige Meter tief in die Grube verlegt. Dann wirft Sascha Jung die Pumpe an. Unter tosendem Lärm kommt nun rund um den Schlauch langsam Bewegung in die dunkle Suppe. So wird nun auch der beißende Gestank stärker. Der Entsorgungsexperte spült immer wieder mit einem Wasserschlauch nach, und die Grube leert sich kontinuierlich: "Normalerweise werden Gruben einmal pro Jahr geleert." Hier "Am Hang" ist es die letzte Leerung. Für immer.

Denn die ganze Woche hat eine Baufirma bereits auf die sogenannte "Kurzschließung" und die Sanierung des veralteten Abwassersystems hingearbeitet. Je nach Entfernung der Anlage vom Haus kann diese Maßnahme schnell ein paar Tausend Euro kosten. Doch sie ist notwendig. Denn die Leerung einzelner Klärgruben ist für den Ver- beziehungsweise Entsorger, in Dudweiler ist dies der Zentrale Kommunale Entsorgungsbetrieb (ZKE), verhältnismäßig aufwendig und teuer. Deshalb möchte der ZKE möglichst rasch die verbliebenen Anwesen mit Klärgruben an die zentralen Abwasserkanäle anschließen.

Die Klärgrube wird damit zum Abwasser-Auslaufmodell. So wurden im Jahr 2015 in Dudweiler 112 und in Herrensohr fünf Klärgruben kurzgeschlossen. Geplant sind über 70 weitere Kurzschließungen in diesen beiden Stadtteilen.

Doch was wird dann aus Sascha Jung, wenn es immer weniger Klärgruben zum Entleeren gibt? "Es ist ein aussterbender Beruf. Unsere Firma hat sich aber in der vergangenen Zeit neue Geschäftsfelder erschlossen und zum Beispiel auf die Entsorgung von Abfallstoffen aus Fettabscheidern spezialisiert, wie es sie in Großküchen gibt", ist der Entsorgungsexperte optimistisch.

Und was machen Hauseigentümer anschließend mit ihrer gereinigten und kurzgeschlossenen Klärgrube? "Oft bietet sich die stillgelegte Hausklärgrube beispielsweise als Regenwasserzisterne an", sagt Abwasser-Expertin Iris Conrath vom ZKE: "Das von den Dachflächen ablaufende Niederschlagswasser kann dann dort gesammelt und zur Gartenbewässerung verwendet werden."

Weitere Informationen gibt zur Klärgruben-Kurzschließung gibt es bei Iris Conrath, Telefon (06 81) 9 05 72 06.