Das Feuer der Begeisterung

Integrationserfahren – das ist die Turmschule in Dudweiler. Wie man Kinder aus 23 Nationen fördert und fordert, haben wir dort erfahren. Ein Sachstandsbericht.

Wer wissen möchte, was Beruf mit Berufung zu tun hat, kann die Turmschule in Dudweiler in den Fokus nehmen. 24 Lehrkräfte, knapp 270 Kinder, 23 Nationen - funktioniert so etwas? Isoliert betrachtet sagen solche Eckdaten nichts darüber aus, ob Integration an einer Grundschule gelingt oder nicht. Wer jedoch mit denen redet, die damit betraut sind, spürt nicht nur einen Funken Hoffnung, sondern ein loderndes Feuer der Begeisterung. Schulleiterin Natalie Koch und Karin Barthel, die Förderschul-Lehrerin ,,Lernen und Emotionale Entwicklung", sind überzeugt, dass in ihrem Umfeld sehr viel gelingt.

Dass die Lehrkräfte mittlerweile nicht nur in Sachen Inklusion agieren, sondern auch Jungen und Mädchen aus den Krisengebieten der Welt unterrichten - dem Turmschul-Team ist angesichts solcher Herausforderungen gar nicht bange: ,,Wir sind vorbereitet", sagt Natalie Koch und lächelt.

Sie schickt voran, dass die Kinder geflüchteter Familien ab dem ersten Tag ihrer Ankunft in der neuen Heimat schulpflichtig sind. Es würden Lernstandsdiagnosen erarbeitet, um zu ergründen, auf welchem Level das Kind sich befindet. Ihrem Alter entsprechend würden die Neulinge in der jeweiligen Klassenstufe untergebracht, selbst wenn sie noch nie eine Schule besuchten. Das sei wichtig, weil sich so soziale Kontakte zwischen Gleichaltrigen entwickeln könnten. Andere Aufgaben, andere Lernmaterialien - jedes Kind arbeite in seinem eigenen Rhythmus und Tempo, um es nicht zu überfordern und abzuhängen. Ein sprechender Stift, den uns Karin Barthel zeigt, leistet beim Erlernen der deutschen Sprache gute Dienste. Denn wenn ein Kind in seinem bebilderten Buch mit dem Stift etwa auf einen Ball tippt, dann kann es gleich das Wort mithören.

,,Wir haben ein tolles Netzwerk", erklären die Pädagoginnen Barthel und Koch im Namen des Kollegiums. Deutsche Eltern, Ehrenamtliche des Kinderschutzbundes als Lesepaten und andere mehr. Ebenso syrische Eltern, die schon länger da sind, unterstützten die Schule nach Kräften, sie seien auch bei Elterngesprächen mit dabei.

Auch die Schülerinnen und Schüler seien eine große Hilfe und mit Eifer dabei. Ein ,,herzzerreißendes Beispiel" für das, was sich zwischen den Kleinen abspielt, nennt Natalie Koch: Als im Januar zwei Flüchtlingskinder ankamen, die nichts, aber auch gar nichts hatten, ergriffen die Kleinen ganz allein die Initiative und schleppten alles herbei: Bleistifte, Hefte, Brotdosen, Kleidung, Spielsachen und vieles andere mehr. Sie nehmen die Neulinge an der Hand, kümmern sich um sie und zeigen ihnen so, dass sie ein Teil des Ganzen sind.

Dass Kinder vieler Nationalitäten für die Turmschule kein unlösbares Problem darstellen, betont die Schulleiterin überdies. Seit vielen Jahren habe man es mit Zuwanderung zu tun, aus der Türkei, aus Italien, woher auch immer. Man sei vorbereitet und wisse, wie man den Kindern nicht allein nur unsere Sprache beibringt. In kleinen Gruppen sei individuelle Förderung möglich. Vor allem durch das hoch motivierte und engagierte Team von Pädagogen, die weder Mühen noch Arbeit scheuten.

Nur drei Beispiele fürs Gelingen im Telegrammstil: Heva aus Syrien, zweites Schuljahr (Lehrerin Kathrin Müller), seit April 2014 in Dudweiler : spricht sehr gut Deutsch, dolmetscht auch, wenn Not am Mann ist, hat viele Freundinnen und ist sehr strebsam. Bibars, Syrer, seit Sommer 2014 in Deutschland (Lehrerin Silke Weiten, zuvor Melanie Lück), spricht nahezu akzentfrei Deutsch, ein ,,super fitter Junge", wie es heißt. Tasnim, seit Juli 2015 in Dudweiler , direkt in Klasse 4 eingeschult (Lehrerin Lena Flohr), wurde zunächst differenziert unterichtet und nimmt mittlerweile am Regelunterricht teil; ein fleißiges Mädchen, auf das auch alle stolz sind. ,,Solche Beispiele sind es, die uns emotional sehr berühren", sagt die Schulleiterin. Und freut sich mit ihrem Kollegium auf jeden neuen Turmschul-Tag.