Das Ende der Brezelbäckerei

Vor 80 Jahren ging die Brezelbäckerei Keller in Dudweiler in Betrieb. Doch das weithin bekannte Unternehmen wird Ende des Jahres seine Pforten schließen. Der Besitzer nennt hierfür die gestiegenen Kosten.

Man erkennt deutlich, dass Carmelo Fazio (52) die Nüchternheit in diesen Tagen schwerfällt. Fazio ist Inhaber und Geschäftsführer der Brezelbäckerei Keller - zumindest noch bis Ende des Jahres, denn dann macht die traditionsreiche Bäckerei in Dudweiler zu. "Eine alte Tradition schließt ihre Pforten", bringt er es nüchtern auf den Punkt. "Am 31. Dezember, wenn ich um 13 Uhr hier abschließe, wird sicherlich die ein oder andere Träne fließen", gibt er offen zu. 27 Jahre hat er hier gearbeitet.

Es sei auf keinen Fall die lange Autofahrt von Merzig nach Dudweiler , wie er lachend erzählt. Vielmehr sei das unabdingbare Ende den ständig steigenden Energiekosten sowie generell den Kosten, Discountern und dem harten Wettbewerb zuzuschreiben. Die Alternative wäre gewesen, die Preise zu erhöhen oder die Qualität zu mindern. "Das wollte ich natürlich nicht", sagt er.

1991 übernahm er den Laden in der Kantstraße. Da hatte die Brezelbäckerei bereits eine 55-jährige Geschichte hinter sich. Die Eltern von Gerhard Keller gründeten das Geschäft 1936, seinerzeit noch am Bahnhof. 1947 zog man in die heutigen Räumlichkeiten, Gerhard Keller übernahm das Geschäft in den Folgejahren. 1988 startete Carmelo Fazio als Geselle in dem Familienbetrieb, nur ein Jahr später starb Gerhard Keller und Carmelo Fazio übernahm 1991 die Brezelbäckerei. Seit 1995 ist er Meister, hat drei Diplome: Betriebswirtschaft, EDV und Qualitätsmanagement . Im letztgenannten Bereich könne er sich vorstellen, in Zukunft zu arbeiten.

Was er richtig vermissen wird, sind die Kunden . Zu einigen habe er ein beinahe schon freundschaftliches Verhältnis aufgebaut. Seit die Nachricht sich herumgesprochen hat, werde er natürlich oft darauf angesprochen, ausschließlich mit einem Bedauern. Sogar Leute, die gerade krank zu Hause sind, möchten sich von ihm verabschieden, weil sie ihn nicht mehr sehen werden. "Ich bin überwältigt und sprachlos von dieser Anteilnahme", sagt der Mann und bedankt sich bei all den Kunden , die ihm die Treue gehalten haben.

Zu den Kunden der Brezelbäckerei Keller gehörten nicht nur Leute aus der Nähe. Auch größere Unternehmen wie Catering-Services, die IHK, Sparkassen, der Regionalverband oder der Landtag kosteten regelmäßig die Laugenteile. Eine Ehre für ihn sei die Lieferung für Familienfeiern wie Hochzeiten, Trauerfeiern oder Taufen gewesen. "Teilweise kommen diese Kinder und deren Kinder auch heute noch bei uns kaufen", so Fazio. Zu den Spezialitäten gehörten neben den Brezeln auch Laugenstangen, Lyoner-Taler oder Teile mit Lachs, Schafskäse oder nach Art Toast Hawaii.

Seit Tagen wird nur noch auf Bestellung gebacken. Seit etwa drei Monaten ist Carmelo Fazio in der Produktion komplett allein. Seine Mitarbeiter hatte er frühzeitig informiert, als er im Frühjahr den Entschluss zum Aufhören fasste. Diese mussten sich ja nach etwas Neuem umschauen. Seine drei Fahrer sind noch bis Ende des Jahres da. "Meine Frau hat mich tatkräftig unterstützt und mir den Rücken freigehalten", sagt er stolz. Nach der letzten Schicht gilt es dann, die Backstube auszuräumen. Manches werde verkauft, anderes verschrottet. Bei allem Schmerz will Fazio nicht verzagen: "Das ist mein Baby, mein Kind. Das muss man irgendwann ja mal loslassen"