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"Bürokratischer Zentralismus, der Bürgernähe ins Gegenteil verkehrt"

"Bürokratischer Zentralismus, der Bürgernähe ins Gegenteil verkehrt"

Dudweiler. Jörg Sämann (Foto: SPD), der Dudweiler Bezirksbeigeordnete (SPD), kann die Argumente, mit denen jetzt wieder gegen die Dudweiler Bezirksverwaltung geschossen wird, nicht mehr hören. "Sie sind altbekannt, ausgelutscht und werden durch ständige Wiederholung auch nicht besser", sagt er

Dudweiler. Jörg Sämann (Foto: SPD), der Dudweiler Bezirksbeigeordnete (SPD), kann die Argumente, mit denen jetzt wieder gegen die Dudweiler Bezirksverwaltung geschossen wird, nicht mehr hören. "Sie sind altbekannt, ausgelutscht und werden durch ständige Wiederholung auch nicht besser", sagt er. Ärgerlich sei vor allem, dass die Saarbrücker Oberbürgermeisterin Charlotte Britz (Foto: Becker & Bredel) nicht müde werde zu behaupten, lediglich "bestimmte Kreise" würden das Thema emotionalisieren. Damit unterstelle sie, dass große Teile der Dudweiler Bevölkerung mit der Abschaffung der Bezirksverwaltung leben könnten. Sämann stellt klar: "Das ist aber nicht so." Und er erinnert an die Gründung der Bürgerinitiative Dudweiler (BID). Die BID habe einige Protestaktionen gestartet und dabei Hunderte von Menschen auf die Beine gebracht. Außerdem habe die Initiative über 5000 Unterschriften gesammelt. Nach Lesart von Charlotte Britz müssten das alles Menschen sein, die nicht mitbekommen, dass die Welt sich verändert. Es sei einfach so, dass die Sonderstellung von Dudweiler der Oberbürgermeisterin und ihrer Verwaltung schon seit Jahren ein Dorn im Auge sei. Wenn es um die Strukturen von Dudweiler gehe, dann sollte auch Britz in der Lage sein zu erkennen, dass diese funktionierten, sich bewährt hätten und dem Wohle der Bürger dienten. Das habe im Übrigen auch das Hesse-Gutachten bestätigt. Es habe der Bezirksverwaltung sogar Vorbildcharakter bescheinigt. Auch in den anderen Stadtbezirken würden sich die Bezirksbürgermeister über etwas mehr "Verfügungsmasse" freuen, um damit schneller und effektiver auf berechtigte Anliegen der Bürger reagieren zu können. Aber genau das scheine die Saarbrücker Verwaltungsspitze nicht zu wollen. Augenscheinlich verfolge man in der Kernstadt einen "bürokratischen Zentralismus, der die vielzitierte Bürgernähe in ihr Gegenteil verkehrt". Der Bezirksbeigeordnete betont: "Dieser Zentralismus zwingt den Menschen in unserer Stadt unnötige Wege auf und erschwert bürgerfreundliches Verwaltungshandeln." Und zu den von der Saarbrücker Verwaltung genannten 400 000 Euro im Jahr, die der Sonderstatus angeblich kostet, stellt Sämann fest: "Das sind an den Haaren herbeigezogene Zahlen." Und er fragt: "Wo sollen denn acht Stellen eingespart werden?" Die Arbeit jedenfalls müsse gemacht werden. Und ob sie mal eben, quasi nebenbei, von den Mitarbeitern der Saarbrücker Verwaltung erledigt werden könnte, bezweifele er doch stark. Und: Die angeblichen Kosten von 400 000 Euro für die Bezirksverwaltung in Relation gesetzt zu den 750 Millionen Euro Schulden der Stadt Saarbrücken bedeuteten einen Anteil von 0,053 Prozent. Wer glaube, damit die Landeshauptstadt retten zu können, dem sei wahrlich nicht mehr zu helfen. Sämann: "Angesichts des demografischen Wandels ist es geradezu fahrlässig, Dienstleistungen der Verwaltung zu zentralisieren und billigend in Kauf zu nehmen, dass ganze Bevölkerungsteile, beispielsweise in ihrer Mobilität eingeschränkte Menschen, von Verwaltungsleistungen ausgeschlossen werden." ll