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Für Parkinson-Patienten
Beim gemeinsamen Training Halt finden

Walter Keßler leitet die Aquajogginggruppe im Dudweiler Hallenbad.
Walter Keßler leitet die Aquajogginggruppe im Dudweiler Hallenbad. FOTO: Thomas Seeber
Dudweiler. Im Dudobad sind an Parkinson Erkrankte in die Aquajogging-Kurse gut integriert. Sportlicher Beitrag zur Inklusion. Von Stefan Bohlander

„Dürfen die das überhaupt machen?“, war die Frage, die sich Walter Keßler am Anfang stellte. Im Auftrag der Landeshauptstadt Saarbrücken fungiert der Seniorenbeauftragte des Landessportverbandes als Übungsleiter bei verschiedenen Aquajogging-Kursen in der Umgebung. So leitet er seit zehn Jahren einen Kurs im Blau in St. Ingbert, einen im Fechinger Bad und seit fünf Jahren den Kurs im Dudobad. Jeden Mittwoch, 9.30 und 10.45 Uhr, treffen sich im Sprungbecken rund 20 Personen.


Die eingangs erwähnte Frage stellte sich Keßler, nachdem einige an Parkinson Erkrankte Interesse an einer Teilnahme am Aquajogging bekundet hätten. Bei einem Gespräch mit der Selbsthilfegruppe des Dudweiler DRK teilten ihm die ärztlichen Betreuer dort mit, dass dies tatsächlich eine sehr gute sportliche Betätigung sein könnte. Eine Vergewisserung beim Chefarzt der SHG-Kliniken, Matthias Strittmatter, bestätigte dies. Da Keßler nach dem Gedanken der Inklusion handelt, wollte er aber keine Extra-Gruppe. So schwimmt man einfach gemeinsam.

Ein Erkrankter, der von Anfang an dabei ist, ist Lothar. Der Mann aus Dudweiler ist seit rund einem halben Jahr am Start und lobt das Aquajogging: „Das ist ein großer Gewinn für uns.“ Vor vier Jahren wurde Parkinson bei ihm diagnostiziert. Das sei schon ein großer Einschnitt in seinem Leben gewesen, sagt er. Seitdem nimmt er regelmäßig an Rehasport beim DRK teil, absolviert zudem Logopädie- und Ergotherapie-Kurse. Mittlerweile sei der wöchentliche Kurs ein unverzichtbarer Teil seines Lebens, den er weitermachen möchte, „solange der Gürtel mich noch hält.“

Besagter Gürtel ist ein beliebtes Accessoire bei der Aquafitness. Das oftmals blaue Sportgerät gibt dem Körper Auftrieb, so dass man nicht untergehen kann. Weitere Hilfsmittel wie Schwimmnudeln, -hanteln oder -stäbe werden ebenfalls eingesetzt. Damit werden verschiedene Übungen umgesetzt, um beispielsweise einzelne Muskelgruppen zu trainieren. Walter Keßler als Übungsleiter gibt Kommandos wie „Gerade laufen“ oder „Es darf jetzt geschwenkt werden“, wenn die Richtung geändert werden soll.

Für die an Parkinson Erkrankten gibt es eine eigene Aufsichtsperson. Bei unserem Besuch ist dies Ursula. „Die Koordination wird ständig überwacht“, erklärt die gelernte Krankenschwester.



So schwimmt sie in der Gruppe mit und schaut, dass sich die Teilnehmer nicht überanstrengen, wenn sie die Arme in die Luft heben oder die kurzen Schwimmnudeln über Wasser schwenken. Keßler selbst hat Aquafitness übrigens vor rund zehn Jahren bei einem Urlaub kennen- und schätzen gelernt. Nach der Übung in Dudweiler muss der rüstige Übungsleiter sich sputen: „Direkt im Anschluss trainiere ich in Fechingen.“