Aus der Grube in die Straßenbahn

Philipp Kuntz verließ den Bergbau mit 29 Jahren und schaffte bei den Verkehrsbetrieben den Neuanfang.

"Es war schon eine Umstellung, als ich den ganzen Tag die Sonne sah", beschreibt der 86-jährige Philipp Kuntz wie das war, als er mit 29 Jahren umschulte: von der Lokomotive unter Tage im Bergwerk Jägersfreude auf die Straßenbahn. Ein altes Foto zeigt ihn bei der Umschulung mit vier Schaffnerinnen. Die vier Männer auf dem Bild kamen alle aus der Grube. "Es war doch damals schon klar, dass der Bergbau zurückgeht", sagt er.

Als junger Man habe er sich eben umsehen müssen. Und Menschen zu befördern anstatt Kohle - das sei kein Problem gewesen. Viele Jahre steuerte er die Bahn, fuhr mit Schaffner von Schafbrücke nach Luisenthal, vom Rastpfuhl nach St. Arnual oder von der Innenstadt zum Rotenbühl. Hüttenleute und Bergleute waren stark vertreten unter den Fahrgästen. Viele wussten, dass er mal Bergmann war und grüßten mit "Glück Auf!".

"Dann kam das Grubenunglück in Luisenthal. Dort sind Kameraden aus Jägersfreude ums Leben gekommen. Ich war niedergeschlagen, aber auch froh, mich umentschieden zu haben", sagt er heute als jeweils zweifacher Vater, Opa und Uropa.

Umstellen musste er sich dann noch einmal. Als die Straßenbahn aus dem Stadtbild verschwand, wurde er Busfahrer. "Ohne Schaffner war ich da auf mich gestellt und kannte mich zum Teil nicht aus in den Straßen. Dann hab ich die Fahrgäste gefragt, wie ich fahren soll", erzählt er. Aber die wussten es auch nicht immer richtig, und so drehte er den Bus mehr als einmal in Wendehämmern oder Einfahrten. Angekommen sind sie immer, die Busse, die er 25 Jahre lang steuerte.

Bereut hat Kurz den Job nie: "Es war familiär bei der Stadtbahn, viel umgänglicher als im Knochenjob auf der Grube." Privat engagierte er sich bei den Gartenbauern in Herrensohr, viele Jahre war er deren Vorsitzender. Auch die Naturfreunde und die Arbeiterwohlfahrt hatten es ihm angetan. Heute genießt er die Zeit in seinem Haus mit Ehefrau Gisela. Seit 64 Jahren sind die beiden verheiratet, die eiserne Hochzeit wird noch in diesem Jahr gefeiert.

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28 Saarbahnen und 128 unternehmenseigene Busse sind täglich im Einsatz. 485 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind bei der Saarbahn GmbH und Saarbahn Netz GmbH beschäftigt. Rund 300 bei der Saarbahn beschäftigte Fahrerinnen und Fahrer steuern täglich 1300 Haltestellen an. www.saarbahn.de/125_jahre/historie_1892_2017

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