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Arno Strobel zu Gast in Dudweiler
Vom Thriller zum rustikalen Gedicht

Autor Arno Strobel in Dudweiler
Autor Arno Strobel in Dudweiler FOTO: Thomas Seeber
Dudweiler. Im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Stadtteil-Tournee“ stellte Autor Arno Strobel sich und sein Werk im Lesetreff vor. Von Anja Kernig

Willkommen im Klischee? Irgendwie schon. Vorn am Tisch („es ist ungemütlich hinter dem Schreibtisch, ich sitze lieber drauf“) lümmelt der Autor, ein ungemein charmant plaudernder, nur unwesentlich in die Jahre gekommener Lausbub, dem knapp 30 Frauen mehr oder weniger fasziniert an den Lippen hängen. „Drei Quotenmänner“ haben sich unter die weibliche Zuhörerschaft gemischt, nimmt Stargast Arno Strobel grinsend zur Kenntnis. „Gezwungener Maßen freiwillig“ sei er hier, frotzelt einer der Herrn auf Nachfrage zurück. So oder so - bereut haben dürfte diesen Termin im Bürgerhaus wohl trotzdem keiner. Denn Strobel verstand es in bester Entertainer-Manier, anderthalb Stunden auf gefühlt die Hälfte schrumpfen zu lassen.


Das triste klassensaalartige Ambiente fand Strobel toll, „schön kuschelig, fast familiär“. Wobei: „Wenn es immer so wäre, würde ich mir Gedanken machen.“ Muss er aber nicht. Schließlich läuft es für den 56-jährigen Bestsellerautor blendend. Was wenig mit Glück, dafür aber viel mit Fleiß und Disziplin zu tun hat. Etwa vier Monate braucht er pro Buch. Anfangs arbeitet er drei bis vier Stunden täglich, gegen Ende hin dann schon bis zu 17 Stunden. Im Januar erscheint der dritte und letzte Teil seiner Max-Bischoff-Reihe, dann kehrt er zurück zu seinen „stand-alone Thrillern“. Der nächste, so viel sei schon verraten, spielt auf der Zugspitze in einem verlassenen Hotel. Dazu erscheinen 2018 zwei Jugendbücher von ihm, die sich an die scheue Zielgruppe der jungen männlichen Leser wendet. Sogar den Sprung ins Fernsehen schafft der Mann, der mit seiner Familie bei Trier lebt, nun endlich: Sat1 plant, Strobels Verkaufsschlager „Der Sarg“ zu verfilmen. Darin thematisierte der spät berufene Schriftsteller seine eigene Urangst, lebendig begraben zu werden.

Dass Schreiben zwar keine brotlose Kunst, aber zunehmend ein sehr unromantischer Vorgang ist, erfuhr man an diesem Abend ebenfalls aus erster Hand. Nix da mit Yacht vor Nizza, Wasserskifahren und abends ins Casino, wie Strobel witzelte. Der Druck in der Branche sei immens, von den Verlagen wird er per vertraglichen Vereinbarungen an die Autoren weitergegeben. Dazu kämen die illegalen Downloads der Bücher und Hörbücher im Internet: „Auf ein gekauftes Buch fallen zehn geklaute.“ Also bleibt ihm und den Kollegen nur eines übrig: „Wir müssen Masse machen, Menge produzieren.“ Geht im Laden ein Strobel-Krimi über den Verkaufstresen, kommen bei ihm zehn Prozent des Netto-Preises an. Millionär werde man da eher nicht, auch nicht als Bestsellergarant. Kostproben seines Könnens lieferte Arno Strobel mit Ausschnitten aus dem 2. Teil seiner „Im Kopf des Mörders“-Triologie. Dessen Protagonisten, Oberkommissar Bischoff, habe er bewusst als Gegenteil zu den herkömmlichen Ermittlern – Ü50, geschieden, depressiv und alkoholabhängig – angelegt. In „Kalter Angst“ bekommt es der 32-Jährige Polizeifrischling mit einem fliegenmaskigen Serienmörder zu tun, der immer einen Überlebenden und die Botschaft „Erzähl es den anderen“ am Tatort zurücklässt. Dass er auch anders kann, bewies Strobel mit einem rustikalen Weihnachtsgedicht und einer Kurzgeschichte. Schwülstige Liebesromane wird man von ihm im Übrigen nie zu lesen bekommen, eher schon eine Komödie. Denn Humor hat der Mann. Wie argumentierte Strobel so schön, als er, kaum hatten die Zuhörer Feuer gefangen, seinen Vortrag auch schon wieder beendete: „Nein, ich kann nicht weiter lesen, das wird so spannend, das halten sie nicht aus.“ Halten wir wohl!