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An Aschermittwoch ist die letzte Schicht

An Aschermittwoch ist die letzte Schicht

Nach vielen arbeitsreichen Jahren kehrt Martina Schuff dem Restaurant im Dudweiler Bürgerhaus den Rücken.

"Das ist aber schade, dann geht ja in Dudweiler noch etwas verloren." Diesen Satz hörte Martina Schuff in den vergangenen Wochen öfter. Denn die Inhaberin des Restaurants im Bürgerhaus hat sich dazu entschlossen, ihre Gastronomie im Herzen des Stadtbezirks dichtzumachen. "Am 1. März ist der letzte Arbeitstag", sagt die Mittfünfzigerin. Ziemlich genau zehn Jahre lang hat sie das Restaurant dann betrieben, ein eher trauriges Jubiläum also.

Insgesamt knapp 21 Jahre hat sie mit kurzer Unterbrechung darin gearbeitet, war bereits bei den Vorgänger-Pächtern, den Familien Schmücker und Lauer. "Ich gehöre also fast zum Inventar", sagt sie und lacht. Erst als Servicekraft angestellt, wechselte sie, nachdem sie das Restaurant vom Gebäudemanagement der Landeshauptstadt Saarbrücken (GMS) pachtete, in die Küche. Heute würde sie sich auf eine Pacht jedoch nicht mehr einlassen, dafür seien die allgemeinen Probleme für die alteingesessenen Gastrobetriebe zu groß.

Gerade seit dem zurückliegenden Sommer sei ein merklicher Einbruch der Gästezahlen zu verzeichnen. Bei einer Stadtteil-Begehung mit Oberbürgermeisterin Charlotte Britz habe es eine unglückliche Formulierung gegeben, nachdem ein Pächterwechsel anstehen würde. Dies sei zu dem Zeitpunkt aber falsch gewesen, habe jedoch den Effekt gehabt, dass zuletzt deutlich weniger Gäste gekommen seien. Zum ersten Mal über eine Schließung habe sie tatsächlich vor etwa zwei Jahren nachgedacht, als sie gesundheitlich angeschlagen war. Damals habe sie ihrer Familie mitgeteilt, dass sie noch zwei Karnevalssessionen machen wolle.

Ein weiteres großes Problem sei die fehlende Laufkundschaft, von der eine Gastronomie ja eigentlich immer abhängig ist. So habe man die günstig gelegene Terrasse eigentlich nie zum Laufen gebracht. Es habe sogar mehr Besucher von außerhalb Dudweilers ins Restaurant gezogen, aus Saarbrücken selbst zum Beispiel. Wobei der Trend wieder dahin gehe, dass man mit Freunden zu Hause kocht oder in Saarbrücken an den St. Johanner Markt geht. Auch das altbekannte Problem, dass sich spätestens mit der Währungsumstellung zum Euro bemerkbar machte, komme hinzu: "Die Leute geben das Geld halt nur einmal aus".

Nun endet die Ära Schuff also am Mittwoch, 1. März, mit dem Heringsessen für die Grüne Nelke. Der Karnevalsverein gehörte über all die Jahre zu den treuen Stammkunden. Die Nelken-Singers haben hier immer geprobt, auch weitere Vereine und Parteien kamen regelmäßig. Die Zeit, in der Martina Schuff jährlich einen Orden der Karnevalisten bekam, wird nun auch enden. Sie selbst wird sich jedoch nur ein paar Wochen zur Ruhe setzen, möchte weiter in der Gastronomie arbeiten.

Das Restaurant im Bürgerhaus war ein klassischer Familienbetrieb, in dem neben Martina und ihrem Mann Siegfried noch deren Töchter Christiane Schuff und Jennifer Thum mit Tochter Angie und die Söhne Christian und Kai mit Freundin Nadine mitarbeiteten. "Ich danke unserer Stammkundschaft, meinem Team und meiner Familie, die mir in den vergangenen zehn Jahren treu zur Seite gestanden haben", sagt Martina Schuff zum Abschluss.

Ein neuer Pächter, der das Catering für Veranstaltungen übernimmt, ist mittlerweile gefunden (Bericht folgt).