Druck aus Wirtschaft, Politik wegen Erweiterung von Woll in Gersweiler

Kostenpflichtiger Inhalt: Klimaschutz : „Verfahren nicht weiter in die Länge ziehen“

Verein „Wirtschaftsregion Saarbrücken“, SPD und Linke machen Druck in Sachen Erweiterung der Firma Woll in Gersweiler.

4000 Bäume könnten zum Problem werden, nämlich dann, wenn sie nicht gefällt werden. Davor warnt Uwe Johmann. Er ist  Präsident des Kuratoriums des Vereins Wirtschaftsregion Saarbrücken und Firmenvorstand der Sparkasse Saarbrücken. Die rund 4000  Bäume stehen in Gersweiler in der Nähe der lothringischen Grenze. Dort will die Maschinenbaufirma Woll erweitern. Eine Initiative kämpft dagegen. Dieser Kampf, schreibt der Wirtschaftsverein, könne nicht nur das Überleben der Firma Woll gefährden, sondern der ganzen Region schaden. Deshalb fordert der Verein, „dass das eingeleitete Planverfahren im Zuge des Erweiterungsprozesses der Firma Woll zügig zum Abschluss gebracht wird im Interesse des Unternehmens und seiner Mitarbeiter und im Interesse der gesamten Region Saarbrücken“.

„Überregionale Investoren analysieren, bevor sie investieren, die örtlichen Gegebenheiten. Sie befassen sich nicht nur mit Absatzmärkten, sondern auch damit, wie mit Unternehmen vor Ort umgegangen wird. Hierzu gehört: Ist es eine arbeitgeberfreundliche Region, erfolgen Entscheidungsprozesse schnell und unkompliziert? Solche Fälle, wie bei der Firma Woll schrecken ab und bringen einen volkswirtschaftlichen Schaden mit sich. Investoren, die Arbeitsplätze und somit Wohlstand schaffen, brauchen wir im Regionalverband und in der Landeshauptstadt dringend“, erklärt Johmann.

Es gehe nicht darum, „Quadratmeterzahlen der für die Erweiterung benötigten Waldfläche oder deren Funktion für die Öko-Bilanz in Abrede zu stellen“, teilt der Verein mit. Klimaschutz sei „Bestandteil der Zukunftsfähigkeit unserer Gesellschaft und ist deshalb für uns ein zentrales Thema“, versichert er. Zu einer nachhaltigen Entwicklung gehören aus Sicht der Vereins, aber „neben einer ökologischen eben auch eine soziale und eine wirtschaftliche Komponente“.

Das deutsche Planungsrecht sei „sehr gründlich“. Da sei klar geregelt: „Wald, der an einer Stelle entfernt wird, ist an anderer Stelle aufzuforsten.“ „Wenn nunmehr Einzelne versuchen, die gegenwärtige weltweite Klimadiskussion dazu zu benutzen, um ein seit 50 Jahren bestehendes Familienunternehmen in seinem Bestand zu gefährden, konterkariert dies alle Anstrengungen, unserer Region im nationalen und internationalen Wettbewerb eine Zukunft zu geben“, warnt der Verein.

Wenn das Woll-Erweiterungsvorhaben verhindert werde, müsse das Unternehmen „eine utopisch hohe Millionensumme in die Hand nehmen, um seinen Standort zu verlagern und sich in eine höchst ungewisse Zukunft begeben“, sagt „Wirtschaftsregion Saarbrücken“-Mitglied Dirk Frank. Es gehe nicht um ein Unternehmen oder die Waldfläche, „sondern um mehr als 250 Beschäftigte und deren Familien“.

Auch die Stadtratsfraktionen von SPD und Linken machen Druck auf die Stadtverwaltung und die Stadtratskoalition aus CDU, Grünen und FDP. In CDU und FDP gibt es Zustimmung zum Plan der Firma Woll, die Grünen wollen Alternativen prüfen (die SZ berichtete). Der Vorschlag der Grünen, Woll könne auf dem Gelände der nahegelegenen Kompostieranlage erweitern, sei „eine Nebelkerze und dient allein dazu, Zeit zu schinden und das Gesicht wahren zu können“, sagen die SPD-Stadtverordneten Bernd Weber und Thomas Kruse.

In der Kompostieranlage wird Grünschnitt aus Saarbrücken und dem ganzen Saarland verarbeitet. Es gebe Abnahmeverträge mit dem Entsorgungsverband Saar. Selbst wenn eine Verlagerung in Betracht käme, „würde das viel Geld und Zeit kosten“, sagt die SPD. Es handele sich schließlich „nicht einfach um einen Komposthaufen“. Einen neuen Standort für eine Kompostieranlage zu finden sei schwierig, weil er von der Nachbarschaft akzeptiert werden müsse und man dafür eine emissionsschutzrechtliche Genehmigung brauche. So ein Verfahren dauere mindestens drei Jahre. „Das bringt der Firma Woll also gar nichts“, sagen Kruse und Weber.

Wie die Saarbrücker SPD fordert auch die Stadtrats-Linke, sich darauf zu konzentrieren, die Flächen für die Ausgleichspflanzungen in Gersweiler zu benennen. Wenn das geschehen ist, gebe es „keinen ernsthaften Grund, dem Unternehmen die Erweiterung zu verweigern oder das Verfahren weiter in die Länge zu ziehen“, sagt der Vorsitzende der Linken-Stadtratsfraktion, Michael Bleines.

Uwe Johmann vom Verein „Wirtschaftsregion Saarbrücken“. Foto: Sparkasse/Siegler. Foto: SIEGLER
Der SPD-Stadtverordnete Bernd Weber aus Gersweiler. Foto: BeckerBredel. Foto: BeckerBredel
Thomas Kruse, SPD, Mitglied im Werksausschuss des  ZKE, der die Kompostieranlage Gersweiler betreibt. Foto: BeckerBredel. Foto: BeckerBredel
Michael Bleines, Vorsitzender der Linken-Fraktion im Saarbrücker Stadtrat. Foto: BeckerBredel. Foto: BeckerBredel

Unterdessen protestieren auch in Püttlingen Bürger gegen eine Firmenerweiterung.