Tierheim-Serie: Drei Katzen bringen zu viel auf die Waage

Tierheim-Serie : Drei Katzen bringen zu viel auf die Waage

Sie wurden ausgesetzt, oder die Besitzer gaben sie ab. Jetzt brauchen diese lieben Geschöpfe ein Zuhause. Und eine Menge Bewegung.

Als Otmar im Oktober 2017 in der Auffangbox des Tierheims saß, wog er 11,3 Kilo. Otmar kauerte zuerst fast nur unter seinem Stuhl. Mittlerweile lockten ihn seine Betreuer aus der Reserve. Er nimmt die Spielangebote an und bewegt sich gern. Natürlich spornen ihn Leckerlis besonders an. Nur sind das nicht mehr jene Dickmacher, die Otmar so aus dem Leim gehen ließen. Mit Diätfutter und viel Freigang sollten sich die überzähligen Kilo rasch verflüchtigen. Otmars neue Besitzer können dann noch lange Freude an ihm haben. Allzu alt ist er nicht.

Das äußert sich aber auch in seinem zunächst ängstlichen Wesen. Dank der Bemühungen der Ehrenamtlichen des Saarbrücker Heims ist er mutiger geworden und schmust nun gern mit ihnen.

Auch Thekla, die im Dezember als Fundkatze ins Heim kam, brachte mit 9,6 Kilo viel zu viel auf die Waage. Die mit zehn Jahren schon etwas ältere Dame war so beleibt, dass sie sich nicht einmal mehr richtig putzen konnte.

Die Extrapfunde gingen an den Gelenken und dem Bindegewebe nicht spurlos vorüber. Für Thekla gilt wie für Otmar, dass die Waage bald noch weniger anzeigen wird, wenn sie im neuen Zuhause auf Diät bleibt und sich viel bewegt.

Wer Thekla bei sich aufnimmt bekommt denselben Lohn wie die Helfer im Bertha-Bruch-Heim: die Dankbarkeit der alten Katzendame, kombiniert mit Schmusestunden und einer Verspieltheit, die Theklas Alter  vergessen lässt.

Mylady ist mit etwa 13 Jahren die Älteste in dieser Folge. Sie musste mit ihrem zwei Jahre jüngeren Sohn Didi ins Heim, weil ihre Besitzer sie nicht mehr behalten konnten. Die beiden haben nicht viel gemeinsam und sind deswegen auch einzeln zu haben. Mylady ist wegen einer Schilddrüsenüberfunktion gesundheitlich nicht auf der Höhe. Für sie suchen die Betreuer eine Dauerpflegestelle.

Expertin Dorothee Henrici-Bunk erläutert, was das für die künftigen Besitzer bedeutet: „In diesem Fall würde unsere Tierärztin im Heim die gesundheitliche Betreuung weiter übernehmen.“ Dafür hätten die Katzenfreunde die Gewissheit, dass ihr Schützling wohlauf ist und damit noch mehr Freude am neuen Hausbewohner. „Mylady ist eine ganz reizende ältere Dame, sehr verschmust und menschenbezogen, ein richtiger Schatz. Für eine ältere Dame oder einen älteren Herrn in einem ruhigen Haushalt wäre sie die ideale Gefährtin“, sagt Henrici-Bunk.

Nun zur grundsätzlichen Frage: Ab welchem Gewicht ist eine Katze zu dick? „Ob eine Katze Unter-, Normal- oder Übergewicht hat, ist nicht pauschal zu beantworten. Größe, Alter und Statur sind zu berücksichtigen“, sagt die Katzenkennerin. Sie nennt aber folgende Faustregel: Eine Katze mit Übergewicht habe keine erkennbare Taille und eine deutliche Fettschicht am Bauch, die sich als Hängebäuchlein zeigt. Rippen und Rückenwirbel eines übergewichtigen Tieres seien nicht zu sehen und nur schwer zu ertasten.

Und wie kann eine Katze überhaupt derart an Gewicht zulegen? Eine häufige Ursache, neben Erkrankungen, ist für Henrici-Bunk die schädliche „Kombination von zu viel und zu wenig“, von zu viel Futter und zu wenig Bewegung.

Zudem verwöhnen viele ihre Katzen mit Essensresten. Das macht dick. In der Natur streift die Katze durch Wiesen und Felder. Sie rennt, benutzt alle Sinne und verbraucht Energie. Der Bewegungsradius einer Wohnungskatze ist sind dagegen stark eingeschränkt.

Das lässt sich teilweise durch ausgiebiges Spielen ausgleichen. Kratzbäume animieren zum Klettern, Spiel-Angeln und Fellmäuse zum Jagen. Fehlende Beschäftigung kann krank machen. Viele Katzen fressen sich den Frust weg und werden dick.

Thekla mit Claudia Karren. Foto: Barbara Cornetz
Mylady mit Silke Schröder. Foto: Barbara Cornetz

Bei neuen Besitzern dürften Otmar, Thekla und Mylady noch den Rest ihres Übergewichts verlieren. Und sie werden Freunde fürs Leben gewinnen.