1. Saarland
  2. Saarbrücken

Dramatische Ausbreitung des Borkenkäfers sorgt für Streit unter Förstern

Kostenpflichtiger Inhalt: Kampf gegen Schädling : Borkenkäfer entfacht Streit unter Förstern

Die Ausbreitung des Schädlings sei dramatisch, so das Umweltministerium. Doch während ein Teil der Förster sich bemüht, das Vordringen des Borkenkäfers im Wald zu stoppen, sorgen sich andere nicht.

Mancher Förster im Saarland ist seinem Kollegen im Nachbarrevier zurzeit nicht grün. Da werden angesichts der aktuellen Borkenkäfer-Kalamität Klagen laut, dass der Forstnachbar nicht genug gegen die Weiterverbreitung dieser Schädlinge über die Reviergrenzen hinweg tue. Und die Abteilung Naturschutz und Forsten des saarländischen Ministeriums für Umwelt und Verbraucherschutz geht seit einem Jahr mit vorgefertigten Briefen an die Eigentümer der vom Käfer heimgesuchten Flächen sogar noch einen Schritt weiter. Darin wird vielen Betroffenen mitgeteilt, „dass auch Ihr Wald betroffen ist“. Weiter heißt es: „Jetzt ist schnelles Handeln gefordert, befallene oder geworfene Bäume müssen umgehend eingeschlagen, gegebenenfalls entrindet und zügig aus dem Wald abtransportiert werden. Sollte das eingeschlagene Holz nicht zeitnah abgefahren werden können, so ist es mindestens 1000 Meter entfernt vom nächsten Fichtenbestand zu lagern.“

Im Gespräch mit der SZ begründet Referatsleiter Thomas Steinmetz solche Konsequenzen mit dem Hinweis darauf, dass die langanhaltende Hitze und Trockenheit der beiden vergangenen Jahre zu einer dramatischen Ausbreitung des Borkenkäfers in den saarländischen Fichtenwäldern geführt haben. Im laufenden Jahr habe sich die Situation dadurch noch verschärft, dass viele befallene Bäume aus dem Vorjahr noch nicht aufgearbeitet wurden und ein Teil der Schädlinge unter deren Rinde überwintern konnte. Auch die den Stürmen im März zum Opfer gefallenen Fichten haben perfekte Brutstätten für die nächsten Borkenkäfergenerationen geboten. „Wir lassen die betroffenen Waldbesitzer mit dieser unerfreulichen Nachricht natürlich nicht allein“, fährt Steinmetz fort. „Wir empfehlen ihnen vielmehr, bei einer der beiden saarländischen Forstbetriebsgemeinschaften und unseren beiden Privatwaldberatern um Rat und Unterstützung nachzufragen.“

Schnellstes Handeln sei aber zum Glück nicht bei allen vom Borkenkäfer befallenen Fichten erste Bürgerpflicht. Von Bäumen, die dem Schädling bereits vor geraumer Zeit zum Opfer gefallen sind, geht nach Auskunft des Referatsleiters keine akute Gefahr mehr aus. Anders sehe dies bei Fichten aus, unter deren Rinde sich im kommenden Frühjahr eine neue Käfergeneration auf das Ausschwärmen vorbereiten wird. „Dann ist dringender Handlungsbedarf gegeben!“ Dann greife das mit den Waldbesitzern abgestimmte Waldschutzkonzept, das beim Entdecken solcher Gefahrenbäume die schnelle Benachrichtigung der Waldbesitzer und die entsprechenden Maßnahmen vorsieht.

Und wie sehen diese Maßnahmen aus? Steinmetz: „Die geschädigten Bäume müssen umgehend, also vor dem Ausschwärmen der neuen Käfergeneration, gefällt und brutuntauglich gemacht werden.“ Brutuntauglich werden diese Fichten nach dem Fällen durch das Entrinden und Kleinschneiden, wodurch der Käfernachwuchs unschädlich gemacht wird. Für diese Maßnahmen können auch finanzielle Zuschüsse aus der Gemeinschaftsaufgabe zur Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes beantragt werden. Anträge auf Bezuschussung nimmt das Umweltministerium entgegen. Auf die entsprechende Nachfrage unserer Zeitung fügte Steinmetz zudem hinzu: „Auf eine chemische Schädlingsbekämpfung wird in den saarländischen Staatswäldern schon seit 1988 verzichtet, sehr viele kommunale und private Waldbesitzer verzichten übrigens ebenfalls auf Chemie.“

Wie sie mit den bereits dem Käfer zum Opfer gefallenen, weitgehend nadellosen Bäumen in ihren Wäldern umgehen sollen, bleibe dagegen den Eigentümern selbst überlassen. „Wenn die obligatorische Verkehrssicherungspflicht (Gefahr durch umstürzende Bäume) nicht dagegenspricht, können diese abgestorbenen Fichten dem Naturkreislauf überlassen bleiben – nicht zuletzt mancher Specht wird sich darüber freuen“, so Steinmetz. Eine Gefahr für den benachbarten gesunden Wald durch den Borkenkäfer gehe von ihnen jedenfalls nicht mehr aus.

Eine von Borkenkäfern befallene Fichte (links) im Hochwald. Mancherorts ist der Wald bereits von den befallenen Fichten (Holzstapel) befreit worden. Foto: Dieter Ackermann
Das Bild zeigt eine Fichte, die dem Käfer bereits zum Opfer gefallen ist. Foto: Dieter Ackermann

Ein Förster, der seinen Namen nicht veröffentlicht sehen möchte, führte unserer Zeitung bei einem kleinen Rundgang durch den von ihm betreuten Gemeindewald vor Augen, wie ein von seinem Kollegen im Nachbarrevier nicht rechtzeitig brutuntauglich gemachter, durch Käferbefall abgetöteter Baumbestand auf sein eigenes Revier „ausgestrahlt“ hat. Riesige Lücken klaffen inzwischen als Folge der Käferausbreitung in seinem Gemeindewald. Nicht zuletzt der finanziellen Verluste für die Gemeinde wegen – das entfernte, minderwertige Schadholz sei kaum noch zu verkaufen – ist er nicht gut zu sprechen auf seinen Berufskollegen. Auch er geht angesichts des unübersehbar gewordenen Klimawandels nicht davon aus, dass diese Borkenkäfer-Kalamität sich auf absehbare Zeit von allein erledigen wird.