1. Saarland
  2. Saarbrücken

Doku über Prostituierte im Saarbrücker Kino achteinhalb

Doku über Sexarbeiterinnen im Saarbrücker Kino achteinhalb : Film über traumatisierte Prostituierte im Kino achteinhalb

Im Rahmen des Frauenthemenmonats hat die Dokumentation „Irreführung“ über die dunklen, brutalen Seiten der Prostitution am Sonntag in Saarbrücken Premiere. Danach wird diskutiert.

In Deutschland ist Prostitution legal. Rund 25 000 Sexarbeiterinnen waren laut Statistischem Bundesamt Ende 2020 bei Behörden gemäß dem so genannten Prostituiertenschutzgesetz (ProstSchG) gemeldet – wegen der Pandemie 38 Prozent weniger als 2019. Wie viele es wirklich sind, kann nur geschätzt werden, denn das Geschäft mit dem Sex findet oft illegal statt.

Die Diskussion um die Prostitution ist so alt wie das Gewerbe selbst. Befürworterinnen ihrer Legalisierung erhoffen sich mehr Schutz, Würde und Selbstbestimmung für die Frauen, die man damit aus der Schmuddelecke hole. Kritikerinnen sehen Sexarbeiterinnen vor allem als Opfer und Freier als Täter. Sie fordern ein Verbot der Prostitution und die Bestrafung der Freier, wie es beispielsweise in Frankreich und skandinavischen Ländern gilt (Nordisches Modell).

Für diese Forderung macht sich auch die Saarbrücker Hadassah Initiative féminine stark. Gemeinsam mit dem Juristinnenbund Saar lädt die Initiative am Sonntag, 11 Uhr, ins Kino achteinhalb in Saarbrücken ein zur Premiere von „Irreführung – eine Dokumentation über Ungesagtes in der Prostitution“. In dem 16-minütigen Film kommen Frauen zu Wort, die ungewollt in der Prostitution gelandet sind. Sie berichten von ihren traumatisierenden Erfahrungen. Ebenfalls dabei ist der (pensionierte) Kriminalhauptkommissar Manfred Paulus, der von seiner Arbeit im Rotlichtmilieu und seinen Erfahrungen mit Frauen- und Kinderhandel berichten wird. Nach dem Film soll es eine Podiumsdiskussion geben.

Das Filmprojekt entstand mit finanzieller Unterstützung der Saarbrücker Hadassah Initiative, die dafür mit der ORF-Journalistin und Regisseurin Susanne Riegler zusammengearbeitet hat. Riegler ist Mitbegründerin der österreichischen Initiative „Stopp-Sex-Kauf“. „Aus der Kurzfassung soll eine 60-minütige Dokumentation entstehen“, kündigte Beate Stout von Hadassah an.

„Wir sind  vernetzt mit vielen anderen Initiativen gegen den Sexkauf“, erklärt Stout. Vor allem die Zusammenarbeit mit französischen Hilfsorganisationen und Beratungsstellen  für Prostituierte liegt ihr am Herzen. Nicht zuletzt, weil man von den französischen Erfahrungen mit dem Sexkauf-Verbot profitieren könne. Die Initiative hatte sich mit einem  „Leuchtturm-Projekt“ beim Saar-Umweltministerium um Geld beworben, mit dem sie Prostituierten beim Ausstieg hätte helfen wollen – im Rahmen einer Art Arbeitsbeschaffungsmaßnahme im Umweltbereich, flankiert von psychosozialer Betreuung. „Doch leider haben wir keine Mittel bekommen“, beklagt sie. Man habe zwar auch in der saarländischen Politik Unterstützer für das Verbot der Prostitution nach französischem Muster. Dennoch seien die politischen Mehrheiten bundesweit so, dass es dafür kaum Chancen gibt. Erst 2016 wurde  mit dem Prostituiertenschutzgesetz die Sexarbeit quasi als nicht nur legaler, sondern weitestgehend „normaler“ Beruf anerkannt, was Hadassah und andere Aktivistinnen scharf kritisieren. „In Frankreich trauen sich mehr Frauen, auszusteigen, das zeigen die Zahlen“, sagt Stout. Sie kritisiert, dass die derzeitige Gesetzeslage Menschenhandel und Zwangsprostitution begünstige.

Die Dokumentation läuft am Sonntag, 11 Uhr, im Kino achteinhalb. Anmeldung unter: hadassah.initiative.sb@gmail.com