Diskussion über den Pingusson-Bau in der Villa Lessing in Saarbrücken

Saarbrücken : Saarbrücken bekennt sich zum „Pingu“

In der „Villa Lessing“ diskutierten Fachleute und Bürger über die Zukunft der ehemaligen französischen Botschaft.

Abriss oder Sanierung? Die Diskussion um den Pingusson-Bau erhitzt seit Jahren die Gemüter. Im August hatte Bauminister Klaus Bouillon (CDU) in einer persönlichen Schätzung die Sanierungskosten auf 53 Millionen Euro beziffert und einen Abriss als Option genannt. Auch die Saarbrücker Bürger treibt das Thema um.

Beim Stadtgespräch in der „Villa Lessing“ diskutierten am Montag der Saarbrücker Baudezernent Heiko Lukas (parteilos), Oliver Strauch von der Hochschule für Musik Saar und Stadtratsmitglied Helmut Isringhaus (FDP) mit zahlreichen Bürgern mögliche Lösungsansätze. SZ-Redaktionsleiterin Ilka Desgranges moderierte.

Alle Diskussionsteilnehmer kritisierten zunächst den seit Jahren andauernden Stillstand bei der Frage nach der Zukunft des Gebäudes. „Es ist eine Schande, dass das Gebäude so langsam verfällt“, sagte der FDP-Politiker Helmut Isringhaus. Der historische Bezug zu Frankreich eröffne die Chance auf ein deutsch-französisches Gemeinschaftsprojekt und müsse erhalten bleiben. Doch es müsse endlich etwas passieren.

Baudezernent Lukas hob die Bedeutung des Gebäudes für die Stadt hervor: „Es ist der wichtigste Nachkriegsbau in Saarbrücken und tief mit der saarländischen Geschichte verwurzelt.“ Das Votum des Stadtrats (die SZ berichtete) für den Erhalt des Gebäudes mache ihm Mut. Besonders wichtig sei, ein nachhaltiges Nutzungskonzept zu finden.

Auch Oliver Strauch betonte den Frankreichbezug des Baus: „Der Bau ist ein Geschenk für die Stadt und ein Symbol für die deutsch-französische Aussöhnung, um das uns viele andere Städte beneiden“, sagte Strauch. Man müsse diesen Wert stärker in die Öffentlichkeit tragen und ein Bewusstsein dafür in der Bevölkerung schaffen. „Wir müssen mit diesem Projekt über die saarländischen Grenzen hinausgehen. Das ist ein Thema, das auf bundespolitische und europäische Ebene gehört“, ergänzte er.

FDP-Politiker Isringhaus griff den Punkt der Beteiligung der Bürger nochmals auf: „Es muss ein gesellschaftliches Engagement für den Erhalt des Gebäudes geben.“

Die Wortmeldungen der Bürger zeichneten ebenfalls ein klares Bild: Der Pingusson-Bau muss bleiben. Viele Stimmen betonten den historischen Wert der Anlage. Zugleich kritisierten die Bürger den schlechten Zustand des „schmalen Handtuchs“, wie das zum Ensemble gehörende Hochhaus genannt wird. Die Frage nach einem Nutzungskonzept, aber auch ein zumindest teilweiser Abriss wurden in einer lebhaften Diskussion erörtert. Isringhaus und Strauch brachten mit Blick auf die Nutzung ein Zentrum für Kultur und Wirtschaft ins Spiel. „Der Bau bietet vielfältige Möglichkeiten. Was wir jetzt brauchen, sind konkrete Ansätze“, fügte Heiko Lukas hinzu. Es stehe auch immer noch ein erneuter Einzug des Kultusministeriums im Raum. Abschließend zeigten sich die Diskussionsteilnehmer begeistert vom großen Interesse. Es sei toll, dass so viele Bürger gekommen seien und auch eigene Ideen eingebacht hätten. Ein Miteinander sei von großer Bedeutung. „Den Pingusson-Bau hat niemand sonst. Diese Chance für Saarbrücken müssen wir ergreifen“, sagte Strauch. Die Botschaft des Abends war eindeutig: Saarbrücken bekennt sich zum Pingusson-Bau. Ob dies am Ende zum Erhalt des Gebäudes führt, werden die nächsten Wochen und Monate zeigen.

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