1. Saarland
  2. Saarbrücken

Dieter Thös aus Gersweiler in Saarbrücken fährt Austin Healey

Saarbrücken : „Als Oldtimer-Fan schraubt man selber“

Der 66-jährige Dieter Thös aus Gersweiler machte seine Osterrundfahrt in seinem geliebten Austin Healey – natürlich open air.

Kaum jemand konnte über die Osterfeiertage seinem Hobby nachgehen. Wegen des Coronavirus spielte sich so gut wie alles in den eigenen vier Wänden oder im Garten ab. Ein bisschen spazieren, wandern und oder Fahrrad fahren waren die Ausnahmen.

Bei Dieter Thös war das anders. Der 66-Jährige konnte sein Hobby bei tollem Sonnenschein an allen Tagen voll ausleben. Der Gersweiler ist Oldtimer-Fan und liebt die Ausfahrten mit den alten Autos bei offenem Verdeck. „Es hat schon Spaß gemacht, durch die Landschaft und die Dörfer zu fahren. Aber normalerweise verbindet man das Ganze ja noch gemütlich mit einem Besuch in einem Restaurant oder einem Eiscafé. Das fehlte schon etwas, es ging eben immer direkt wieder zurück nach Hause“, erzählt Dieter Thös.

Wenn er seinen Austin Healey 3000, Baujahr 1962, aus der Garage fährt, dann geht ihm das Herz auf. Dann wird der 66-Jährige von einer Minute auf die andere wieder zum 18-Jährigen. Mit 18 Jahren war Dieter bei der Bundeswehr, und ein Freund von ihm kaufte sich einen Triumph TR6. „Als ich das Auto zum ersten Mal gesehen habe, war ich infiziert. Ich habe mich in die alten Autos verliebt“, sagt er.

Seither hat er schon etwa zehn Oldtimer besessen – immer wieder andere. Der Austin Healey ist geblieben und ein absolutes Lieblingsstück geworden. Dieter Thös hat über die vielen Jahre die Funktionsweise der alten Autos bestens kennengelernt und kann mittlerweile fast alles selber reparieren.

„Die Oldtimer haben ja nicht die Technik wie die heutigen Autos. Das lernt man alles ziemlich schnell. Als richtiger Oldtimer-Fan schraubt man selber. Die Pflege und das Schrauben gehörten zum Hobby dazu“, sagt der Kaufmann, der mittlerweile in Rente ist.

Er kümmert sich fast täglich um sein besonderes Auto und fährt es das ganze Jahr. „Warm anziehen und im Winter, wenn es schneit, mit offenem Verdeck fahren. Das Gefühl kann man nicht beschreiben, das muss man erlebt haben“, schwärmt der Gersweiler.

Seine Frau konnte diese besonderen Gefühle auch nie so richtig greifen und wehrte sich am Anfang noch gegen das Fahren ohne Dach. „Heute darf das Dach nicht mehr zu sein“, sagt Dieter und zwinkert mit einem Auge. Gemeinsam waren die Thös mit ihrem Austin schon in vielen Städten, an der Ostsee und in Sizilien.

Einen Oldtimer zu kaufen, zu pflegen und zu fahren muss kein teures Hobby sein, aber man muss aufpassen. „Man sollte nicht blauäugig irgendein altes Auto kaufen. Die Information steht an erster Stelle, und dann sollte man auch mit Leuten sprechen, die Ahnung haben. Ich habe früher meine Oldtimer für 500 Mark auf dem Schrottplatz gekauft. Das gibt es heute zwar nicht mehr, aber wir haben im Saarland tolle Oldtimer-Händler und auch Werkstätten, die so gut wie alle Ersatzteile haben“, erklärt der Oldtimer-Fan. Und obwohl der 66-Jährige über Ostern mit seinem Oldtimer durch die Gegend cruisen konnte, geht auch an ihm und seinem Hobby die Coronakrise nicht spurlos vorbei. „Im Mai wären wir normalerweise nach Italien zur Mille Migliga (eines der bekanntesten Oldtimer-Rennen der Welt) gefahren. Zudem sind wir mit unserem British Roadster Club Saar bestimmt auf zehn Oldtimer-Treffen im Jahr oder fahren an Wochenenden in den Schwarzwald oder an andere schöne Orte. Das fällt nun alles aus, und es ist schade. Die privaten Ausfahrten sind ein kleiner Trost“, sagt der Liebhaber von alten Autos.