| 16:25 Uhr

Fein säuberlich
Diebe schrauben Schild an Saarbrücker Kultkneipe ab

 Über Jahre wies dieses jetzt kurzfristig verschwundene Schild den Weg ins Fleur de bière. Am 31. Dezember war dort die letzte Party.
Über Jahre wies dieses jetzt kurzfristig verschwundene Schild den Weg ins Fleur de bière. Am 31. Dezember war dort die letzte Party. FOTO: Matthias Zimmermann
Saarbrücken. Sollte es ein klammheimlich unter den Nagel gerissenes Erinnerungsstück sein? Offensichtlich haben reuige Souvenirjäger ein Einsehen. Von Matthias Zimmermann
Matthias Zimmermann

Nach der großen Abschiedssause zu Silvester wird seit Jahreswechsel die Bude ausgeräumt: Die Saarbrücker Kultkneipe Fleur de bière im Nauwieser hat für immer dichtgemacht. Einige Stücke will der Chef Dirk Blank retten, an einem anderen Ort sicher aufbewahren. Das Kunstwerk an der Decke, eine Landschaft mit Wiesen, Bäumen, Häusern, Seen und Bächen, verschwindet hingegen unwiderruflich.


Handwerklich sauber demontiert

Was der 49-Jährige aber auf alle Fälle für die Nachwelt erhalten will, ist das Hinweisschild, das bis vor einigen Tagen noch über dem Eingang hing. Doch dieses wollten wohl auch andere für sich haben. Denn plötzlich war es weg. Am Donnerstag (10. Januar) fiel der Diebstahl auf. Fein säuberlich abmontiert. Lediglich die Schrauben, mit denen das Leuchttransparent befestigt war, ließen die Unbekannten zurück. Blank: „Das muss in der Nacht auf Donnerstag passiert sein.“ Als er dort vorbeikam, fiel der Diebstahl auf.



FOTO: Matthias Zimmermann

Wirt appelliert an Diebe

Der Kneipier, der 21 Jahre im Fleur wie viele seiner Gäste zu Hause war und heute noch Chef im nahen Wirtshaus Bingert ist, startete auf der noch aktiven Facebookseite der geschlossenen Gaststätte einen Aufruf. Demnach würde er auf eine Anzeige bei der Polizei verzichten, wenn die Täter das gute Stück wieder unversehrt zurückbringen. In dem Aufruf hieß es wörtlich: „Der oder die Schuldigen können sich gerne bis morgen bei uns melden, um eine Rückgabe zu organisieren oder das Ding einfach ordentlich verschnürt entweder vor der Tür vom Fleur oder vom Bingert ablegen. In diesem Fall wäre die Sache dann für uns erledigt, ansonsten werden wir wohl oder übel Anzeige erstatten müssen.“

Neue Heimat

Der Appell schien zu fruchten: „Am Freitag war es wieder da“, berichtet Blank erleichtert. Ohne Macken. Jetzt lagert das gute Stück im Bingert-Innenhof. Ein Zwischenstopp, bis ein endgültiger Platz gefunden ist.

Das Fleur ist Geschichte, weil der Hausbesitzer das alte Gemäuer generalsanieren lässt.