Dieben ist Allerheiligen nichts heilig an Gräbern im Raum Saarbrücken

Wenn Grabschmuck zur Diebesbeute wird : Dieben ist auch an Allerheiligen nichts heilig

Im Herbst verschwinden verstärkt neue Pflanzen und Grabschmuck von Friedhöfen im Regionalverband.

Offenbar gibt es Leute, die keine Skrupel haben, die Gräber ihrer Liebsten mit Dingen zu schmücken, die sie von anderen Gräbern gestohlen haben. Jedenfalls verzeichnen im Regionalverband einige Städte und Gemeinden auf ihren Friedhöfen gerade vor Allerheiligen immer wieder  einen Anstieg der Diebstahlszahlen.

Eine Meldung über Vandalismus auf einem der Völklinger Friedhöfe veranlasste uns zu einer Nachfrage bei den zehn Regionalverbandskommunen, wie es dort auf den jeweiligen Friedhöfen um Diebstähle und Schäden durch Vandalismus bestellt ist. In Saarbrücken, so die Stadtpressestelle, sind in letzter Zeit keine besonderen Vorkommnisse oder eine steigende Zahl von Vandalismusfällen zu verzeichnen. Pflanzendiebstähle gibt es immer mal wieder, und das auch in der Landeshauptstadt jedes Jahr mit „saisonbedingter Zunahme“.

Die Friedhöfe in Friedrichrichsthal und Bildstock sind bisher von umfangreichen Vandalismusschäden verschont geblieben; das Problem der städtischen Friedhöfe „liegt eher bei wilden Müllablagerungen und kleineren Beschädigungen, da das Gelände nicht vollständig abgeschlossen ist“, schildert Daniela Motsch von den Zentralen Diensten der Friedrichsthaler Stadtverwaltung.

Einbrüche in Friedhofsgebäude gab es in den beiden vergangenen Jahren nicht, Diebstähle sind dagegen ein durchaus bekanntes Phänomen: „Es ist immer wieder festzustellen, dass gerade nach den Zeiten der Neubepflanzungen, also bei der Herbstbepflanzung vor Allerheiligen und im Mai bei den Sommerpflanzen, frisch gepflanzte Grabstellen ‚leergeräumt‘ werden.“ In den vergangenen Monaten war insbesondere der Memoriam-Garten betroffen. Bei der Polizei wurde Anzeige gegen Unbekannt erstattet.

Püttlingen hat kein Vandalismus-Problem auf den Friedhöfen der Stadt, allerdings sei dort tendenziell ein Anstieg bei den Diebstahlszahlen zu verzeichnen, berichtet Amtsleiter Bernd Bläs.

In der Stadt Völklingen sind schon seit mehreren Jahren die Toiletten nur noch zu den Dienstzeiten der Mitarbeiter geöffnet, da es dort früher zu Diebstählen und Beschädigungen gekommen war.

Seit dieser Neuregelung konnten fast keine größeren Schäden mehr festgestellt werden, berichtet Lars Hüsslein, Referent der Oberbürgermeisterin. Somit sei glücklicherweise auch kein Anstieg bei der Zahl der Vandalismus-Delikte zu verzeichnen.

Größter  Schaden aus aktueller Zeit, so Hüsslein, waren mutwillige Beschädigungen im Park des ehemaligen Hugenottenfriedhofs im Stadtteil Ludweiler.

Dort wurden eine Info-Stele, ein kleiner Teich und die Begrenzungsmauer bei den Soldatengräbern beschädigt. Die Stadt Völklingen hat Strafanzeige gestellt und versichert, sie werde die Schäden so schnell wie möglich beseitigen.

In der Gemeinde Kleinblittersdorf gab es in den beiden vergangenen Jahren Vandalismus-Fälle, schildert Brigitte Flaus, Leiterin des Fachbereichs 1 der Verwaltung. Betroffen war nie Gemeindeeigentum, sondern immer Privateigentum von Angehörigen der Verstorbenen, wie etwa Grableuchten oder Grabsteine: In fünf Fällen wurden teils mehrere Grableuchten zerstört, einmal sogar acht Stück. Auch Buchstaben, die auf Grabsteinen hervorstanden, wurden abgeschlagen. In allen Fällen gab es Anzeigen bei der Polizei.

In Quierschied ist ein Anstieg von Diebstählen oder Vandalismus auf den Friedhöfen der Gemeinde nicht festzustellen, teilt Sebastian Zenner mit, der auch für die Öffentlichkeitsarbeit der Gemeinde zuständig ist.

In Riegelsberg werden immer mal wieder und verteilt übers Jahr „teure und seltene Pflanzen, Pflanzschalen sowie Grablichthalter“ gestohlen, „verstärkt vor Allerheiligen“, so Ulrike Fuhrmann von der Gemeindeverwaltung. Aus Großrosseln, Sulzbach und Heusweiler liegen keine Informationen vor.

Der Memoriam-Garten in Friedrichsthal war in den vergangenen Monaten verstärkt das Ziel von Pflanzen-Dieben. Foto: Thomas Seeber

Dass sich Diebe an – und in – Gräbern bedienen, ist keine Erscheinung der Neuzeit und aus verschiedenen Kulturen bekannt. Schon im alten Ägypten war das Plündern von Gräbern reicher Familien – besonders vom 13. bis ins 9. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung – fast schon ein eigener Geschäftszweig.

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