1. Saarland
  2. Saarbrücken

Die Taxifahrer im Regionalverband Saarbrücken leiden unter Corona

Corona-Pandemie : Die Taxifahrer sind am Ende

Die Corona-Krise trifft viele Unternehmen im Regionalverband hart. Auch die Taxibranche liegt am Boden.

Cengiz Bilgic blickt dem Wagen seines Kollegen nach, der gerade mit einem Fahrgast den Taxistand am Hauptbahnhof Saarbrücken verlässt. „Drei Stunden hat der hier gestanden“, sagt der 38-Jährige mit bitterer Stimme. Normal sei um diese Tageszeit eine Wartezeit von vielleicht einer Stunde. Doch seit wegen der Corona-Krise eine weitreichende Ausgangsbeschränkung beschlossen worden ist, ergattern er und seine Kollegen kaum noch Aufträge.

Das Schicksal teilt er mit allen Fahrern im Regionalverband. „Das Tagesgeschäft ist tot“, erklärt Udo Engelmann, der Vorstandsvorsitzende von Taxi Saarbrücken. Die Genossenschaft ist ein Zusammenschluss von über 80 Unternehmen mit einer Flotte von insgesamt 135 Wagen. An einem normalen Wochenende sind alle davon im Einsatz. Und jetzt? „Im Schnitt 25 bis 28“, sagt Engelmann. Menschen, die Restaurants, Kneipen und Clubs besuchen, etwas trinken und sich danach von einem Taxi sicher nach Hause bringen lassen – vor allem diese Fahrten fehlen. Aber auch an Werktagen, wenn üblicherweise rund 120 Taxis auf den Straßen sind, sei die Auftragslage um 80 Prozent zurückgegangen: 200-250 Fahrten täglich statt bis zu 1000.

Stefan Sax berichtet von einem ähnlich massiven Einbruch. Der 53-Jährige ist Geschäftsführer von Taxi Völklingen mit fast 50 Fahrern und 20 Wagen. Davon hat er einige bereits „stillgelegt“, die Zentrale ist geschlossen, von den acht Mitarbeitern dort musste er für sieben Kurzarbeit beantragen. Auch die Fahrer stürzt die Krise in finanzielle Nöte. „Denen fehlt ja auch das Trinkgeld.“

Auch gesundheitlich machen sich viele immer größere Sorgen. Zeitweise habe so manch einer das Virus nicht ernst genommen. „Aber die Stimmung ist inzwischen umgeschlagen.“ Viele Fahrer sind bereits älter und gehören somit zur Risikogruppe, andere haben Angehörige, für die eine Infektion besonders gefährlich sein könnte. Daher weigerten sich die Fahrer auch, potentiell Infizierte zu einem Corona-Test zu fahren, wofür Sax volles Verständnis hat. „Laut Aussage der AOK dürfen sie das auch gar nicht. Wir sind dafür nicht zuständig.“

Darüber hinaus kann wenig für die Sicherheit der Fahrer getan werden. Eine Maßnahme: Die Fahrgäste dürfen nur noch auf dem Rücksitz Platz nehmen – und in Saarbrücken transportieren die Fahrer maximal eine Person pro Fahrt, sofern es sich nicht um Mitglieder desselben Haushalts handelt oder beispielsweise eine Mutter mit Kind. „Den Kunden ist das allerdings schwer zu vermitteln“, so Engelmann. Zwar zeigten viele Verständnis für die Regel, andere seien allerdings uneinsichtig: Schließlich bedeuten getrennte Fahrten auch für die Kunden Mehrkosten. Das habe schon zu einigen wütenden Diskussionen geführt.

Selbst wenn die Gäste die Einschränkungen klaglos hinnehmen: Ein ausreichender Sicherheitsabstand bleibe dennoch nicht gewährleistet. „Einige haben Trennscheiben eingezogen, aber die kosten 300 Euro. Das Geld muss man erst mal wieder reinholen“, berichtet Engelmann.

Am Hauptbahnhof ist Semsettin Tan nun auf Position eins aufgerückt. Er betreibt ein Taxiunternehmen mit drei Wagen, fährt aber auch selbst. Momentan, so sagt er, komme er auf maximal drei Fahrten pro Tag. „Ich habe für jedes Auto Unkosten von 3000 Euro im Monat.“ Während er spricht, spielt er fast zwanghaft mit seiner Gebetskette. „Bei meiner letzten Fahrt hatte ich 7,60 Euro auf dem Taxameter. Da kann man sich ja ausrechnen, dass das nicht passt.“

Kurzarbeitergeld und die sogenannte „einmalige Soforthilfe“ für Kleinunternehmer habe er bereits beantragt, aber das reiche höchstens für einen Monat. „Wie sollen wir dann unsere Familien ernähren?“ Wann die Ausgangsbeschränkung und Kontaktsperre aufgehoben und der Betrieb sich nochmal normalisieren wird – dazu wagt keiner der Fahrer eine Prognose.