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Die schöne Königin und die Luisenbrücke in Saarbrücken

Die erste Luisenbrücke gibt’s nicht mehr : Fahren über eine verschwundene Brücke

Die Saarbrücker Luisenbrücke, nach einer schönen Königin benannt, hat heute nichts mehr mit dem Original des Jahres 1866 gemein.

Mindestens fünf Brücken sind nach der preußischen Königin Luise benannt: in Kleve, Leipzig, Villingen, Sowetsk (Kaliningrad) – und in Saarbrücken. Wer allerdings heute in Saarbrücken zwischen Eisenbahn- und Viktoriastraße die Saar überquert, der geht schon lange nicht mehr über die Original-Luisenbrücke. Und während die junge Adelige und spätere Königin als von geradezu berückender Schönheit galt, kann man das von der heutigen Luisenbrücke nicht gerade sagen. So fristet sie auch in der Wahrnehmung und Forschung – etwa im Vergleich zur Alten Brücke – ein eher stiefmütterliches Dasein. Obwohl es auch über sie Spannendes zu erzählen gibt.

Einen umfangreichen Bericht hatte, nach Besuchen in Archiven und dem Wälzen von Literatur, Historikerin Gerhild Krebs im Rahmen eines wissenschaftlichen Projektes zusammengestellt, „eine neuere Arbeit über die Brücke gibt es meines Wissens nicht“, so die Saarbrückerin. Der Grundstein wurde 1863 gelegt, erbaut wurde sie dann 1865/66 als eiserne Brücke, am südlichen Ende noch mit einem Zollhaus versehen. „Sie war die zweite Fuß- und Fahrbrücke zwischen den Saarstädten Saarbrücken und St. Johann und erfüllte in der Stadtentwicklung zur Großstadt Saarbrücken eine zentrale Funktion: Als Verbindung der heutigen Eisenbahnstraße – damals hieß sie noch Bahnhofstraße – mit dem neuen Bahnhof verkürzte sie den Weg der Bevölkerung aus Saarbrücken zum Verkehrszentrum in St. Johann“, so Gerhild Krebs. Allerdings wurde die Brücke nach ihrer Fertigstellung zunächst einfach nur „Neue Brücke“ genannt.

Auch das Umland sah damals ganz anders aus als heute, schildert die Historikerin in ihrem Bericht: „Am linken Saarufer schloss sich seit 1876 an die Luisenbrücke ein öffentlicher Park an“, später Luisenanlage oder Luisengarten genannt, und „bereits um 1900 entstand zwischen Stengelstraße und Saarufer, angrenzend an den Park, das Luisenviertel“. Von dem Park ist nichts mehr erhalten – mit zwei Ausnahmen: Eine Wettersäule, die einst als Schmuck im Park stand, wurde an den Ludwigsplatz versetzt. Und der „Luisenbrunnen“ wurde 1986/1987 in der Altneugasse anstelle abgerissener Barock-Häuser wieder aufgebaut. Der neo-barocke Brunnen des Bildhauers August Kuhn war ursprünglich im Jahr 1912 im Park aufgebaut worden. Er trug die Inschrift: „Dem Andenken Preußens edler Königin“. In Folge des 100. Jahrestags einer historischen Begegnung zwischen Luise und Napoleon wurde dann, ab 1918, der Name von Brücke und Park in „Louisenbrücke“ und „Louisenanlage“ geändert, die französische Schreibweise blieb bis 1935.

Das Ende der ursprünglichen Brücke kam abrupt: Beim Bombenangriff auf Saarbrücken in der Nacht zum 6. Oktober 1944 schon schwer beschädigt, wurde sie schließlich 1945, kurz vor Kriegsende, von deutschen Truppen beim Rückzug gesprengt. Der Wiederaufbau mit Stahl und Beton erfolgte zwischen 1946 und 1948. Laut Daten der Bundesanstalt für Wasserbau war die Brücke damals „116,79“ Meter lang, die Fahrbahn 13 Meter breit, bis sie 1962, wegen des Autobahnbaues, nochmals – zu ihrer heutigen Form – verändert wurde.

Die historische Bausubstanz des Luisenviertels, so Gerhild Krebs, wurde im Zweiten Weltkrieg größtenteils zerstört. Nur der Name ist noch erhalten. Die Luisenanlage hatte zwar den Krieg überstanden, sie wurde aber beim Bau der Autobahn 1962/1963 zerstört.

Königin Luise (1776–1810), die bereits als 34-Jährige und nachdem sie zehn Kinder bekommen hatte an einer Lungenerkrankung starb, wurde in Preußen – als Mutter des ersten deutschen Kaisers Wilhelm I. – auch als Mutter der Nation verklärt. Sie galt auch als Vorbild der (ersten) deutschen Einheit, nachdem sie 1807 Napoleon in Tilsit traf und sich – vergeblich – bemühte, ihn von all zu harten „Friedens“-Bedingungen gegen Preußen abzubringen. Luise Auguste Wilhelmine Amalie Herzogin zu Mecklenburg wurde, nachdem sie den späteren preußischen König Friedrich Wilhelm III. heiratete, durch den Tod des Schwiegervaters schon mit 21 Jahren Königin. Im Volk war die offenbar sehr lebhafte junge Frau beliebt, weil sie sich gerne mal über Hof-Etikette hinwegsetzte und einen für damalige Verhältnisse ungezwungenen Umgang pflegte. In Saarbrücken brachte es ihr posthum eine „eigene“ Brücke ein.