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Sozialpolitik
Die Tafel gibt 4500 armen Leuten zu essen

Essensausgabe bei der Saarbrücker Tafel in Burbach. Helferin Irina Taburinskaj aus der Ukraine gibt Gemüse an die Kunden weiter.
Essensausgabe bei der Saarbrücker Tafel in Burbach. Helferin Irina Taburinskaj aus der Ukraine gibt Gemüse an die Kunden weiter. FOTO: Iris Maurer
Saarbrücken. 20 Jahre gibt es die Tafel. Allein 2018 leisteten die freiwilligen Helfer 45 000 Arbeitsstunden. Aber die Stadt darf den Verein nicht unterstützen. Von Daniel Novickij

Eine emotionale Debatte entspann sich im Saarbrücker Rathaus, als dort Uwe Bußmann und Alexandra Moßer, die Vorsitzenden der Tafel Saarbrücken, ihre Einrichtung vorstellten.


 „Am 3. November feierte die Tafel Saarbrücken ihren 20. Geburtstag“, sagte Bußmann. Eigentlich sei das kein Tag zum Feiern, sondern zum Weinen: „Es ist traurig, dass wir in einem Land wie in Deutschland, überhaupt die Tafel brauchen.“ Die Tafel Saarbrücken sei aus dem Kampf gegen die Verschwendung von Lebensmitteln entstanden: „Wir wollten verhindern, dass Lebensmittel in der Tonne landen.“

„Diese Arbeit ist nur mit ehrenamtlichen Helfern möglich“, betonte Moßer und bedankte sich bei den Unterstützern. Im vergangenen Jahr seien 45 000 Arbeitsstunden freiwillig geleistet worden. 70 Prozent der Helfer seien selbst bedürftig.



Die Tafel unterstütze 4500 Personen. „Es kommen immer mehr zu uns. Darunter auch Rentner und Familien mit Kindern“, sagte Bußmann. Positiv sei, dass immer weniger Flüchtlinge kämen – denn viele Flüchtlinge hätten mittlerweile Arbeit und seien nicht mehr auf die Hilfe der Tafel angewiesen. 

„Die Kosten betragen jährlich 120 000 Euro“, sagte Moßer. Allein die Miete für die Standorte Burbach und Folsterhöhe betrug 20 000 Euro. Inzwischen sei aber die Ausgabestelle auf der Folsterhöhe geschlossen. „Es sind weniger Familien zu uns gekommen. Und für 20 Personen lohnte sich das nicht mehr“, sagte Moßer. Die Kunden könnten natürlich in die Ausgabestelle in Burbach kommen: „Im Augenblick gibt es keine Warteliste. Wir versuchen, jeden, der kommt zu bedienen.“

„Wir sind froh, dass wir inzwischen das Fahrgeld der Ehrenamtlichen bezahlen können“, sagte Moßer. Es sei für die Helfer nicht zumutbar, dass sie auch die Benzinkosten tragen müssten. Allerdings gebe es Unterstützer, die auf das Fahrgeld verzichten. Sie wünsche sich, dass die Politik die Tafel finanziell unterstütze.

Der Beigeordnete Harald Schindel erklärte: „Sie dürfen als Verein keine Gewinne erwirtschaften.“ Und solange der Verein nicht im Minus sei, dürfe die Stadt der Tafel keine Zuschüsse genehmigen.

„Das ist nicht gerecht, ich hafte als Vorsitzender mit meinem privaten Vermögen für diesen Verein“, erwiderte Bußmann. Es müsse möglich sein, dass er Geld zurücklegen dürfe.