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Die Saarbrücker Tafel bleibt in der Corona-Krise geschlossen

Kostenpflichtiger Inhalt: Corona-Krise trifft Arme hart : Die Saarbrücker Tafel bleibt vorerst zu

Verteilstelle ist zum Schutz der Ehrenamtlichen und der Kunden vor Ansteckung mit dem Corona-Virus geschlossen.

Die Corona-Krise legt eine der wichtigsten Hilfseinrichtungen für arme Saarbrücker lahm. Die Saarbrücker Tafel ist seit Montag, 16. März, vorerst geschlossen (wir berichteten). Der Verein, der sie betreibt, tat das, um seine Ehrenamtlichen und die Kunden vor einer Ansteckung zu schützen. „Das ist eine reine Schutzmaßnahme“, sagt Tafel-Sprecherin Vera Loos.

Sie zählt auf, warum es so kam. „50 bis 60 Prozent unserer Kunden gehören zur Altersklasse 65 plus. Das ist die Hauptrisikogruppe bei einer Infektion mit dem Virus. Das gilt erst recht für unsere Ehrenamtlichen. 80 Prozent sind 65 Jahre und älter.“ Außerdem sei das Wartezimmer des Burbacher Tafel-Hauses zu klein, um Corona- Infektionen zu vermeiden. Ein ausreichend großes Freigelände am Haus, wo die Kunden warten könnten, gebe es überdies nicht. Und dann sei in den letzten Tagen vor der Schließung immer weniger Ware gekommen. „Am Samstag waren nur noch zwei Kisten Brot da. Für 100 Leute ist das zu wenig.“ Loos zufolge ist das wegen der Hamsterkäufe der vergangenen Tage kein Wunder. „Die Mitarbeiter im Einzelhandel kommen kaum nach mit dem Auffüllen der Regale. Die können nichts mehr für uns an die Rampe stellen.“

Der sich abzeichnende Mangel schlug durch bis ins Tafel-Haus. Dort sei in den Tagen vor der Schließung die Aggressivität gestiegen, sagt Loos. „Wir mussten sogar einmal die Polizei rufen.“ Solche Vorfälle hätten mit einem Missverständnis zu tun. „Kunden sind der irrigen Auffassung, wir seien dafür verantwortlich, ihre Versorgung zu sichern. Das ist die Sache des Staates.“ Loos erinnert daran, dass die Tafel Ende der Neunziger mit einem ganz anderen Anliegen begann. „Unser erstes Ziel seit 20 Jahren ist die Rettung von Lebensmitteln.“ Außerdem sollten arme Menschen wieder etwas Geld übrig haben. Vielleicht, um mal wieder ins Kino zu gehen. Oder um dem Kind die Teilnahme am  Schulausflug zu ermöglichen.

Doch inzwischen helfe die Tafel Tausenden, überhaupt noch über die Runden zu kommen. „Wir übernehmen seit Langem voll ehrenamtlich eine Grundaufgabe des Staates. Ohne einen Cent Unterstützung“, sagt Loos. Dafür aber mit umso höheren Fixkosten. Die Tafelsprecherin beziffert sie auf 150 000 Euro pro Jahr, vor allem für den Fuhrpark, um die Lebensmittel abzuholen.

 Vera Loos hat eine Idee, was nach der Tafel-Schließung helfen könnte: „Der Hartz-IV-Satz für Lebensmittel und alkoholfreie Getränke beträgt 147,83 Euro pro Erwachsenen und Monat. Das Sozialamt könnte den Leuten unbürokratisch helfen, indem es zusätzliche  Einkaufsgutscheine ausstellt. Dann könnten sich die armen Menschen kleine Vorräte anlegen. Der Staat darf in diesen Tagen nicht nur an die Wirtschaft denken. Es geht darum, die Armen nicht ganz abzuhängen. 100 Euro mehr würden schon sehr helfen.“

Viele Mitarbeiter wüssten genau, wie wichtig die Hilfe aus dem Tafel-Haus ist. Rund 3000 Männer, Frauen und Kinder bekommen von dort einen beträchtlichen Teil ihrer Lebensmittel. Loos zitiert einen Helfer so: „Ich komme, aber ich habe Angst, mich anzustecken.“ Diese Angst wollten die Tafel-Verantwortlichen ihren Ehrenamtlichen nehmen. Sie machten das Haus dicht. Und die Kunden? „Die verweisen wir jetzt an die amtlich für sie zuständigen Stellen: an das Jobcenter. Und an das Sozialamt.“