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Reportage in der Maske der Oper "Der Sturm"
Die „Quälerei“ unter der Maske und ihr Sinn

Algirdas Drevinskas betrachtet die Maske, die ihm Birgit Blume gleich anpassen wird.
Algirdas Drevinskas betrachtet die Maske, die ihm Birgit Blume gleich anpassen wird. FOTO: Iris Maria Maurer
Saarbrücken. In der Oper „Der Sturm“  müssen die Sänger Masken aus Latex tragen. Wir haben uns in der Maskenbildnerei des Theaters angeschaut, wie das funktioniert. Von Kerstin Joost-Schäfer

Haben Sie schon die Oper „Der Sturm“ am Staatstheater gesehen? Bilderstark ist die Inszenierung von Lorenzo Fioroni. Das Schauspiel, das der Oper des zeitgenössischen Komponisten Frank Martin zugrunde liegt, galt lange als William Shakespeares „poetisches Testament“, als „gigantische Zusammenfassung der Shakespear’schen Welt“, so steht es in der Theaterzeitung.


Doch nicht nur der Stoff ist gigantisch, auch der Aufwand für den Saarbrücker „Sturm“ war enorm. Vor allem für die Maskenbildnerinnen um ihre Chefin Birgit Blume. Für die Sänger des Chores und für die Solisten ist diese Inszenierung eine besondere Herausforderung: Sie müssen unter Masken singen.

Wir wollten uns diese Masken einmal näher anschauen und den Aufwand, der hinter den Kulissen betrieben werden muss und waren Gast in der Maskenbildnerei.

Halb sieben. Noch eine Stunde, dann wird sich der Vorhang im Großen Haus des Staatstheaters für Frank Martins Oper „Der Sturm“ heben. In der Maske geht es umtriebig, aber nicht hektisch zu. Von den zwölf Damen des Chores ist gerade mal eine geschminkt und trägt ihre imposante Perücke - Naira Glunchadze.

In flottem Tempo „schneckelt“ Christin Meiser lange Haare, anschließend zieht sie eine Art Strumpf über den Kopf und steckt die üppige silbergraue Perücke in den Haarschnecken fest. Dann schminkt sie das Gesicht, die Augen werden grau-dunkel umrandet.



Zu zweit zwölf Damen in nur einer Stunde schminken, die Perücke gut feststecken (die Ankleiderinnen müssen ja dann auch noch in die Kostüme helfen), ist das nicht zu knapp bemessen? „Das ist zu schaffen,“ erklärt Dorit Schneemann, „wir sind schnell und routiniert.“

In der Herrenmaske herrscht kurz vor sieben Uhr sehr munteres Treiben. Die Sänger werden nicht nur geschminkt, sondern sie tragen – im Gegensatz zu den Damen - uniforme Masken aus Schaum-Latex und müssen darunter singen. „Die Masken sind individuell angepasst, damit die Sänger hören, sprechen, singen können und Luft durch die Nase bekommen,“ erklärt die Chef-Maskenbildnerin Birgit Blume.

Trotzdem: Jeder ist froh, wenn die ersten zwanzig Minuten des Stückes, während derer die Sänger die Masken tragen, vorbei sind: „Es ist heiß darunter, das Singen unter der Maske ist anstrengend,“ bekennt Hei Chang Kim, während Sandra Huber ihm ein robustes Make-up aufträgt, das auch unter der Maske nicht zerfließt.

„Es ist eine Quälerei“, gibt Peter Schöne unumwunden zu. Schöne singt die Rolle des Prospero und erklärt, warum es so schwer ist, beim Singen eine Maske zu tragen: „Sie verändert die Akustik vom Mund zum Ohr; ich höre mich selbst nicht mehr so, wie ich mich sonst höre.“

Nicht nur Schöne, alle Solisten tragen am Anfang und immer wieder zwischendurch ihre Masken. Die sind passen perfekt auf das Gesicht des jeweiligen Trägers und verkörpern jeweils einen bestimmten Charakter. Susanne Schunck schminkt derweil Peter Schöne das Grauen ins Gesicht. Dann zieht der seine Maske (über eine Perücke!) über. Schwupps hat sich der hübsche junge Mann in ein Monster verwandelt: Schwarz wie Kohlen starren die Augen aus den Löchern, der Mund leuchtet gruselig rot. Wirr hängt das spärliche Haar um den Kopf.

„Ich höre mich jetzt ganz muffig,“ spricht Schöne unter der Maske und fügt hinzu: „Kompliment aber an die Damen, die Maske ist mit viel Liebe zum Detail gebaut, und sie passt gut.“ Vor allem die Befestigung lobt Schöne: Durch den Klettverschluss hinten am Hals kann er sich – wie die anderen Solisten – in der entsprechenden Szene die Maske mit einem Ruck vom Gesicht reißen. Eine Wohltat sei das. Dann können die Sänger erst mal aufatmen.

Doch warum tut man den Sängern diese Quälerei an? Die verschiedenen Masken, die sie tragen oder als Alter Ego in der Hand betrachten, zeigen Facetten ein und derselben Persönlichkeit. Und das ist ja der Kern dieser Oper, die sich, so der Komponist Frank Martin, durch den „unendlichen Reichtum in der psychologischen Charakterisierung der verschiedenen Personen“ auszeichnet. Für die künstlerische Ästhetik leiden die Sänger dann doch – gern.

Weitere Aufführungen von „Der Sturm“ gibt es im Staatstheater am Sonntag, 4. März, 18 Uhr, und am Mittwoch, 14. März, 19.30 Uhr. Karten unter Tel. (06 81) 3 09 24 86.

Hier verwandeln sich Sung-Woo Kim, Jeong Han Lee und Taeyourg Kim (von links) für ihren Auftritt.
Hier verwandeln sich Sung-Woo Kim, Jeong Han Lee und Taeyourg Kim (von links) für ihren Auftritt. FOTO: Iris Maria Maurer
So sieht das maskierte Ensemble dann auf der Bühne aus: Szene aus der Oper „Der Sturm“ am Staatstheater.
So sieht das maskierte Ensemble dann auf der Bühne aus: Szene aus der Oper „Der Sturm“ am Staatstheater. FOTO: Martin Kaufhold