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Die Nitratkonzentration im Grundwasser überschreitet weiterhin in zwei ländlichen Gebieten im Saarland den zulässigen Grenzwert.

Schädlich für Säuglinge : Zwei Gebiete immer noch mit zu hohen Nitratwerten

Es betrifft die Landkreise Saarlouis und Merzig-Wadern: Die Nitratkonzentration im Grundwasser überschreitet weiterhin in zwei ländlichen Gebieten im Saarland den zulässigen Grenzwert.

Die Nitratkonzentration im Grundwasser überschreitet weiterhin in zwei ländlichen Gebieten im Saarland den zulässigen Grenzwert. In der Region um Altforweiler und Neuforweiler im Landkreis Saarlouis sowie in einem Gebiet nordwestlich von Perl im Landkreis Merzig-Wadern wird der Schwellenwert von 50 Milligramm Nitrat pro Liter Grundwasser überschritten. Die dort gemessenen Nitratkonzentrationen liegen seit mehreren Jahren zwischen 50 und 67 Milligramm pro Liter Grundwasser, wie das Umweltministerium der SZ mitteilte.

Während sich an einigen Messstellen in den zwei Gebieten inzwischen „in Summe ein fallender Trend“ andeute, gibt es jedoch auch einen Ort, wo die Nitratkonzentration im Grundwasser offenbar steigt: an der Messstelle bei Kesslingen an der Leuk (zwischen Perl und Orscholz). Zur Ursache erklärt das Ministerium, dass „Nitrat in diesen Mengen an dieser Stelle nur aus der Landwirtschaft kommen“ könne. Die Landwirtschaft ist der wichtigste Verursacher hoher Nitratkonzentrationen im Grundwasser.

Nach Angaben des Umweltbundesamtes wird der Grenzwert seit 2008 bundesweit an nahezu jeder sechsten Messstelle überschritten. Das dem saarländischen Umweltministerium zugeordnete Landesamt für Umwelt- und Arbeitsschutz (LUA) betreibt 63 Messstellen im Saarland, um die Nitratwerte im Grundwasser regelmäßig zu überprüfen. An sechs dieser Messstellen gibt es Überschreitungen.

Mit der bei Landwirten umstrittenen Düngeverordnung soll gegen die zu hohen Nitratwerte im Grundwasser in den belasteten Gebieten vorgegangen werden. In diesen sogenannten „roten Gebieten“ soll die herkömmliche Düngung mit Stickstoff eingeschränkt werden, es darf nur noch mit um 20 Prozent weniger Nitrat gedüngt werden, als der nachgewiesene Pflanzenbedarf vorgibt.

Nitrat ist eine Stickstoff-Verbindung. Stickstoff ist Bestandteil von Kot und Urin aus Ställen und von Gärresten aus Biogasanlagen. Viele Pflanzen brauchen Stickstoff für ihr Wachstum, daher werden die Felder damit gedüngt. Was über den Bedarf der Pflanze hinaus gedüngt wird, wandert durch den Boden nach unten und landet im Grundwasser oder wird zu Lachgas umgewandelt, das rund 300 Mal schädlicher ist als CO2 und damit zur Klimaerwärmung beiträgt.

Nitrat kann nach der Aufnahme im menschlichen Körper jedoch zu krebserregendem Nitrit umgewandelt, das für Säuglinge schädlich sein kann. Für Erwachsene besteht laut Experten eine nur sehr geringe Gefahr.

Einen erhöhten Nitratwert außerhalb der ländlichen Gebiete gibt es im Saarland auch: nämlich mitten im Stadtgebiet von Saarbrücken. Dort beträgt der Mittelwert nach Angaben des Umweltministeriums rund 63 Milligramm pro Liter Grundwasser. Wo genau dieser Wert im Stadtgebiet gemessen wird, könne aus Datenschutzgründen nicht veröffentlicht werden, heißt es aus dem Ministerium. Auch ist die Herkunft des Nitrats an dieser Stelle offenbar bislang nicht geklärt. „Aufgrund der Lage mitten im Stadtgebiet könnte es sich auch um eine Altlast handelt. Da sich im weitem Umkreis keine landwirtschaftlichen Flächen befinden, ist die Landwirtschaft als Verursacher mehr als unwahrscheinlich“, so das Ministerium. Für das Trinkwasser bestehe keine Gefahr.