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Vier Angriffe binnen vier Tagen
Die nächste Messerstecherei unter Afghanen

Vier Angriffe binnen vier Tagen in der Saarbrücker City halten die Polizei in Atem. Dabei waren auch Messer im Spiel. Es gab acht Verletzte.
Vier Angriffe binnen vier Tagen in der Saarbrücker City halten die Polizei in Atem. Dabei waren auch Messer im Spiel. Es gab acht Verletzte. FOTO: dpa / Carsten Rehder
Saarbrücken. Seit Sonntag halten Angriffe von bis zu 20 Personen Saarbrücken in Atem. Zuletzt soll ein Afghane, der schon einmal in Haft saß, Landsmänner mit einem Messer verletzt haben. Haftbefehl erging nicht. Von Marcus Kalmes

Auseinandersetzungen, bei denen Afghanen eine Rolle spielen, erschüttern Saarbrücken. Allein seit Sonntag gab es vier Angriffe, bei denen Messer, Schlagstöcke und vermutlich eine Pistole im Spiel waren. Es gab mindestens acht Verletzte. Die Attacken in der Kaiserstraße, der Dudweilerstraße und der Bahnhofstraße an der Ecke Futterstraße gingen von größeren Gruppen aus. Teilweise sollen es bis zu 20 Angreifer gewesen sein. Nach SZ-Recherchen gibt es Verbindungen zwischen den Taten. Zweimal stand ein Shisha-Café in der Dudweilerstraße im Mittelpunkt. Außerdem wurde ein 19 Jahre alter Afghane bei zwei der vier Attacken verletzt. Und: Ein Opfer der jüngsten Schlägerei am Mittwochabend in der Großherzog-Friedrich-Straße ist ein 20-Jähriger. Der Afghane trat am Montag bei den Vorkommnissen um das Shisha-Café als Zeuge in Erscheinung.


Die Schlägerei am Mittwoch „steht nach derzeitigem Stand in keinerlei Zusammenhang mit den Vorfällen ausländischer rivalisierender Gruppierungen am Sonntag und Montag dieser Woche“, erklärte dagegen die Polizei nach dem jüngsten Fall: Am Mittwoch hatte eine Autofahrerin um 18.30 Uhr eine Schlägerei auf den Saarbahn-Gleisen in der Großherzog-Friedrich-Straße am Rathaus-Parkhaus gemeldet. Sie schilderte: „Einer liegt auf den Gleisen.“ Es seien mehrere „offenbar ausländische Jugendliche“ beteiligt. Die herbeigeeilte Polizei fand weder Opfer noch Täter.

30 Minuten später erschienen drei Männer in der Inspektion in der Karcherstraße. Sie erklärten den Beamten, dass sie die Opfer der Auseinandersetzung auf den Gleisen seien. Nach SZ-Informationen sind die Männer alle 20 Jahre alt. Zwei sind Afghanen, einer ist Iraker. Einer der Afghanen ist der Zeuge vom Montag.



Zwei der drei Männer waren laut Polizei verletzt. Einer hatte eine blutende Wunde im Gesicht, der andere Schnittverletzungen am Arm. Die drei Personen gaben an, dass ein 20-jähriger Afghane der Täter sei. Wie die Polizei mitteilt, ist dieser „bereits einschlägig in Erscheinung getretenen“. Nach SZ-Informationen stehen auf der langen Liste seiner Delikte unter anderem Körperverletzung mit einem Messer und per Kopfstoß. Und: Der Tatverdächtige saß nach SZ-Informationen bereits eine Freiheitsstrafe wegen Körperverletzung ab.

Die Polizei fahndete am Mittwochabend sofort in der Innenstadt nach dem mutmaßlichen Täter. Sie konnte den 20-Jährigen schnell festnehmen. Dabei stellten die Beamten bei dem Afghanen ein Taschenmesser sicher. Der Mann ist wieder auf freiem Fuß. Die Staatsanwaltschaft erklärt auf SZ-Anfrage, warum sie keinen Antrag auf Erlass eines Haftbefehls gestellt hat: „Voraussetzung für den Erlass eines Haftbefehls ist unter anderem das Vorliegen eines dringenden Tatverdachts. Ein solcher Verdacht ist nach dem gegenwärtigen Stand der Ermittlungen nicht gegeben.“ Konkrete Beteiligungen hätten sich bislang nicht zweifelsfrei klären lassen. Die Schnittverletzungen hätten sich mit dem seitens der Verletzten geschilderten Tatablauf nicht zweifelsfrei in Einklang bringen lassen. „Da eine genauere Klärung heute nicht möglich war und die Festnahme des Beschuldigten bereits gestern erfolgt war, war dieser heute aus Rechtsgründen zwingend zu entlassen“, teilte Mario Krah, Pressesprecher der Staatsanwaltschaft, mit.