Festival: „Die Kunst ist eine Tochter der Freiheit“

Festival : „Die Kunst ist eine Tochter der Freiheit“

Ein Schiller-Zitat als Motto der Saarbrücker Sommermusik. Viele Vertraute wirken mit. Der Eintritt ist frei.

„In den Dramen von Friedrich Schiller wenden sich die Protagonisten gegen die Unterdrückung der Herrschenden und gegen das feudale System“, sagt Thomas Altpeter vom Kulturamt, künstlerischer Leiter und Organisator der „Saarbrücker Sommermusik“.

Die aktuelle Festivalausgabe baut der Programmchef um einen literarisch-philosophischen Themenkomplex, der „Form und Freiheit“ überschrieben ist.  „Schiller verkörpert diese Ambivalenz wie kaum ein anderer“, so Altpeter, „einerseits steht sein Werk für die strengen Formen der klassischen Dichtung, andererseits begehrt er immer wieder gegen die politischen Zwänge seiner Zeit auf.“ Als wesentliches Schiller-Zitat hat Altpeter „Die Kunst ist eine Tochter der Freiheit“ für den Sommermusik-Jahrgang auserkoren. Passend dazu rückt er die Musik der Wiener Klassik um Joseph Haydn, Wolfgang Amadeus Mozart und Ludwig van Beethoven ins Zentrum. „Die Klassik wird ja gerne mit einem strengen Formbewusstsein gleichgesetzt“, sagt Altpeter: „Die großen Komponisten dieser Zeit haben aber auch schon daran gearbeitet, jenen strengen Formalismus zu überwinden und zu sehr persönlichen Ausdrucksformen zu finden.“

Wie bei der traditionsreichen Konzertreihe üblich, bleibt die Sommermusik 2018 freilich keineswegs nur auf eine Epoche und ein Genre beschränkt: Von Freitag, 27. Juli., bis Mittwoch, 3. Oktober (Epilog 30. November und 1. Dezember) präsentiert sie vielmehr ein gewohnt farbiges und Sparten-übergreifendes Spektrum von Kammermusik, Jazz, Neuer Musik bis Musiktheater.  Der Eintritt zu allen Terminen ist frei.

Lang ist auch in dieser Saison die Liste erprobter Spielorte: Schinkelkirche Bischmisheim, Rathausfestsaal, Kleines Theater im Rathaus, Theater im Viertel (TiV), Pingusson-Gebäude in der Keplerstraße, Stadtgalerie, Domicil Leidinger, evangelisches Gemeindehaus Scheidt, Hauptfriedhof, Synagoge, Gemeindezentrum Alte Kirche St. Johann, Musikschule Saarbrücken, Kino Achteinhalb, Schloßkirche, Funkhaus Halberg und Saarlandmuseum.  Als neue Spielstätte kommt in diesem Sommer die Musikakademie Saarbrücken (Feldmannstraße 8a) hinzu: Dort lässt sich am 28. September, 20 Uhr, das Pelion-Duo aus Trude Mészár (Cello) und Henrike von Heimburg (Klavier) mit Noten von Beethoven und Bach hören.

Viele bewährte Sommermusik-Gäste aus der Region und von außerhalb geben sich in dieser Saison ein Stelldichein, darunter das Klavier-Trio Würzburg, Martin Tchiba, das Tsanevski Quartett, das Liquid Penguin Ensemble, Christof Thewes‘ Little Big Band, das InZeit Ensemble, Paul Hubweber, das Trio Lézard, Georg Wolf, Ralf Peter, Bernhard Leonardy und Ro Gebhardt.

Erfreulich groß ist auch die Zahl der Erst-Mitwirkenden und neuen Projekte:  „Pink Elephant“ nennt sich etwa ein Trio aus Michael Hupperts (Blasinstrumente, Orgel), Henk Nuwenhoud (Saxofon) und Pascal Zimmer (Schlagzeug), das sich am Donnerstag, 2. August, 20 Uhr, im Kleinen Theater der Freien Improvisation widmen will.

Unter dem Motto „Blechtrio in memoriam Ekkehard Jost“  wird ein eigens für die Sommermusik formierter Dreier aus Wollie Kaiser (Saxofon), Daniel Schmitz (Trompete) und Detlef Landeck (Posaune) am 18. August, 20 Uhr, im Innenhof der Stadtgalerie zu Ehren des 2017 verstorbenen bedeutenden Bariton-Saxofonisten Ekkehard Jost jazzen.

Eine frisch gegründete Formation ist gleichfalls das Trio Yamasi, bestehend aus den Klarinettisten Yannick Trares, Marina Ochsenreither und Simon Scheller – am 19. August, 17 Uhr, spielen sie in der Schinkelkirche Werke der vorklassischen Mannheimer Schule und von Mozart.

Im evangelischen Gemeindehaus Scheidt stellt sich am 30. August, 20 Uhr, das Duo Sono vor: Rotraut Jäger (Flöte) und Mie Dennerlein-Shaku (Klavier) haben Noten von Gluck, Haydn, Mozart und Beethoven dabei. Sein Sommermusik-Debüt feiert ebenfalls das Duo Christina-Anna Tsiakiris (Violine) und Keiko Hattori (Klavier): Am 8. September, 20 Uhr, lassen die international konzertierenden Musikerinnen Sonaten von Beethoven erklingen; Ort ist der Rathausfestsaal. An gleicher Stelle gibt’s tags darauf, am 9. September, 17 Uhr, schon wieder Beethoven:  Das Klavier-Duo Till Hoffmann und Jakob Raab spielt Beethovens dritte Sinfonie „Eroica“ und die Coriolan-Ouvertüre vierhändig am Flügel.

„3Cordes“ heißt ein 2013 in Essen formiertes Streichtrio, das aus Veronika Aluffi (Violine), Friederike Imhorst (Viola) und Franziska Lüdicke (Cello) besteht und am 13. September, 20 Uhr, in der Schinkelkirche Mozart, Boccherini und Haydn auflegt.

Völlig anders tönt es bei Botanic Mob, einem neuen Dreier aus den Saarländern Daniel Schmitz (Trompete) und Johannes Schmitz (Gitarre) und dem Wiesbadener Jörg Fischer (Schlagzeug): Für den 14. September, 20 Uhr, versprechen sie im Kleinen Theater im Rathaus Avantgarde-, Trash- und Progressive-Jazz sowie stille Klangpoesie.

Fürs Sommermusik-Finale lädt Thomas Altpeter in lieb gewonnener Tradition das Kammerorchester Ricercare ins Funkhaus Halberg: Unter Leitung von Götz Hartmann werden am 3. Oktober, 17 Uhr, Werke von Haydn, Mozart und dem gebürtigen Saarländer Bernd Thewes zu hören sein. Solistin ist die südkoreanische Pianistin Jung Eun Kim.

Der Startschuss zur Saarbrücker Sommermusik 2018 fällt an Altpeters Lieblings-Spielort:  „Wiener Klassik – Oboe und Streichtrio“ lautet die Überschrift am Freitag, 27. Juli, um 20 Uhr in der Bischmisheimer Schinkelkirche. Veit Stolzenberger, Mayumi Kawada, Yoshiko de Swardt und Gabor Szarvas, vier Musiker aus Saarbrücken und Wien, spielen u.a. Mozarts berühmtes Oboenquartett. Eintritt frei.

Sommermusik-Organisator Thomas Altpeter ist auch der Herr der Puppen im Kleinen Theater.     . Foto: c.spanier/Christoph Spanier

Infos: Tel. (06 81) 9 05 49 03.

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