1. Saarland
  2. Saarbrücken

Die Künstler Mrs.Frollein und comicblues sprechen in Saarbrücken über ihre Arbeit

Comics aus Saarbrücken : Große Gefühle in kleinen Bildern

Valérie Minelli und Eric Schwarz zeichnen erfolgreiche Comics. Nun sprechen sie in Saarbrücken über ihre Arbeit.

„Wir sind Künstler, wir haben einfach ein Mitteilungsbedürfnis“, sagt Valérie Minelli und lacht. Schon als Teenagerin habe sie immer Songtexte ihrer Lieblingskünstler aufgeschrieben, weil diese Texte eine Bedeutung hatten, weil sie etwas erzählten. Wahrscheinlich wäre sie Musikerin geworden, wenn sie ein musikalisches Talent gehabt hätte, sagt die 26-Jährige. Ihr Talent, und das ihres Kollegen Eric Schwarz (23) liegt allerdings woanders: im Zeichnen von Comics. Die beiden erzählen Geschichten, teilen ihre Gefühle in Comics mit, oft bestehend aus nur vier Tafeln.

Die meisten kennen die beiden nicht unter ihren echten Namen, sondern unter ihren Instagram-Namen: Minelli als „Mrs.Frollein“ und Schwarz als „comicblues“. Beide befinden sich gerade im Meisterschüler-Studium an der Hochschule der Bildenden Künste Saar (HBK). Minelli absolvierte hier auch ihren Master, Eric Schwarz sein Diplom.  Heute gibt es einen Master-Schwerpunkt Comiczeichnen an der HBK. Damals noch nicht, denn ursprünglich hat Valérie Minelli als Schwerpunkt klassische Malerei studiert. Davor ein paar Wochen Kunstgeschichte. Die klassische Malerei lag ihr aber nicht so, sagt sie. In einem Kurs im Studium entdeckte sie ihre Liebe zum Comic, zeichnete dann bereits als Bachelor-Abschlussarbeit ein Comic-Buch. Eric Schwarz verbrachte sogar ein Jahr in Brüssel, wo er an der LUCA School of Arts Graphic Storytelling studierte, das grundlegende Handwerkszeug fürs Comiczeichnen.

Die zwei sind heute gute Freunde, treten auch oft bei den gleichen Comic-Lesungen auf. Die Zeichen-Stile der beiden sind allerdings grundverschieden. Minelli malt ihre Comics digital, in Graustufen und sehr akribisch, sie bearbeitet ihre Charaktere nach bis zur Perfektion. Ein Comic mit vier Tafeln kann durchaus mal fünf Stunden Arbeit sein. Eric Schwarz hingegen malt auf Papier, einzig mit einem blauen Stift. Er korrigiert nicht viel nach, scannt den Comic ein und stellt ihn unpoliert ins Internet. Maximal eine Stunde Arbeit pro Werk, sagt er.

Ein Comic des Künstlers comicblues. Foto: Tobias Ebelshäuser

Der Inhalt ihrer Geschichten hat hingegen eine große Gemeinsamkeit: Beide beschäftigen sich stark mit den Gefühlen ihrer Charaktere. Inspiriert sind die Geschichten vom realen Leben der Zeichner. Die Comics beider Künstler beschäftigen sich vordergründig mit zwischenmenschlichen Erlebnissen, wenn auch auf unterschiedliche Weise. Die Comics von Eric Schwarz heißen nicht nur aufgrund der blauen Farbe „comicblues“. Sein Hauptcharakter, der „Hopeless Romantic“ (Hoffnungsloser Romantiker), hat wortwörtlich den Blues, trauert einer verflossenen Liebe nach. Die Grundstimmung der Zeichnungen ist melancholisch und traurig.

Das ist sie auch zuweilen bei Minelli, deren Charakter „Frollein“ zum Beispiel ihrem verstorbenen Hund nachtrauert. Doch die meiste Zeit sind die Comics das genaue Gegenteil.  Denn meistens handeln die Comics vom Zusammenleben und der Beziehung mit dem Partner von „Frollein“, sind erfüllt von Liebe und menschlichem Glück, inspiriert von Minellis eigener Beziehung.

Die Geschichten seien schon oft angelehnt an echte Situationen, die sie erlebt haben, sagt Schwarz. „Man will die Comics ja auch irgendwie so halten, dass sie nachempfindbar sind. Es ist aber auch immer eine Frage, wieviel man von sich selbst preisgeben will.“

Comicszeichnen ist für die beiden schon lange kein Hobby mehr. Jede Woche mindestens einen Comic für die Fans zu produzieren, ist vor allem eins: viel Arbeit. Denn Fans haben die beiden mittlerweile jede Menge. Auf Instagram folgen Minelli mit ihrem Profil „mrs.frollein“ mittlerweile fast 430 000 Menschen, Eric Schwarz hat mit „comicblues“ über 5000 Fans.

Doch wie verdient man eigentlich Geld mit dieser Arbeit, mit Comics, mit Kunst, auf einer Plattform, auf der augenscheinlich alle Inhalte gratis sind? „Eigentlich ist so ein Instagram-Account nichts anderes als ein großes Online-Portfolio“, sagt Minelli, also eine Sammlung der Werke, die das Spektrum der Künstler und Künstlerinnen aufzeigen. Durch den Verkauf von T-Shirts oder Sticker etwa können sie dann Geld verdienen. Oder durch Firmen, die die beiden entweder für Illustrationen anheuern oder dafür zahlen, dass sie für die jeweilige Firma Werbung auf ihren eigenen Kanälen machen.

Über ihre Vermarktungsstrategien und über das Leben als Comiczeichner werden die beiden auch am Donnerstag, 28. November, bei der Veranstaltung „Content und Crémant“ im Jules Vernes, Mainzer Straße 39, sprechen. Die Veranstaltung beginnt um 18.30 Uhr. Organisiert wird sie vom Dock 11, einer Einrichtung zur Förderung der Kreativwirtschaft im Saarland, finanziert vom Wirtschaftsministerium. Bei „Content und Crémant“ sollen Kreativschaffende die Möglichkeit haben, sich auszutauschen und in der Szene sichtbar zu machen.