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Regionale Wirtschaft
Ein magischer Ort mit Geschichte

 Sabine Winkler-Baronsky führt die Kaffeebohne seit 2016. 
Sabine Winkler-Baronsky führt die Kaffeebohne seit 2016.  FOTO: BeckerBredel
Saarbrücken. Die Kaffeebohne ist eines der letzten Traditions-Geschäfte in der Saarbrücker Innenstadt. Für die Betreiber war sie immer Herzenssache. Von Martin Rolshausen

Auf den ersten Blick ist die Kaffeebohne ein Laden. Wer die Menschen, die dort, zwischen Bahnhofstraße und St. Johanner Markt, arbeiten oder einkaufen, beobachtet oder mit ihnen redet, kommt schnell zu dem Schluss: Das ist ein magischer Ort. Für Sabine Winkler-Baronsky ist er sogar ein Zuhause. Die 53-Jährige hat die Kaffeebohne 2016 übernommen und ihren Beruf als Architektin aufgegeben, um Kaffee zu rösten und zu verkaufen.


Sabine Winkler-Baronsky ist nicht die Erste und nicht die Einzige, die dem Charme dieses Ladens erlegen ist. Eines Geschäfts, das bis heute mit einem Namen verbunden ist: Willi Menn. Der „alte Herr Menn“, wie einige ihn zuletzt nannten, ist am 29. Dezember 2013 im Alter von 85 Jahren gestorben. Er hat die Kaffeebohne eröffnet und war 63 Jahre lang ihr Inhaber. Sein Neffe Ralph Menn, der das Traditionsgeschäft erbte, musste sich innerhalb weniger Stunden entscheiden, ob mit Willi Menn auch die Kaffeebohne Vergangenheit ist. Ralph Menn entscheid sich gegen das Zusperren und fürs Weitermachen.

In der Lebensplanung des Mannes, der sein Geld mit Kommunikationstechnologie verdient und eine Weile in den USA lebte, war die Kaffeebohne allerdings nicht vorgesehen. Sechs Fachanwälte und zwei Steuerberaterteams, eins für die Belege der Vergangenheit, eins für den aktuellen Betrieb, waren nötig, um durchs schwierige Fahrwasser zu kommen, erzählte Ralph Menn vor vier Jahren und erklärte den Laden für „stabil“.



 Ralph Menn  Archivfoto: Martin Rolshausen
Ralph Menn Archivfoto: Martin Rolshausen FOTO: Martin Rolshausen

Weitergeführt hat der Neffe die Kaffeebohne allerdings nicht mit großen wirtschaftlichen Erwartungen, sondern aus einem Gefühl heraus. „Einige der Leute, die in den Laden kommen, weinen“, erzählte er nach dem Tod seines Onkels. Willi Menn war mehr als ein Kaffeehändler. Er war für viele Menschen ein Wegbegleiter, die Kaffeebohne eine Institution. Er selbst, erinnerte sich Ralph Menn, hatte als Fünfjähriger schon im Laden gestanden, um seinem Onkel zu helfen. Es war aber klar, dass er das Geschäft nicht dauerhaft führen kann.

Als sich Sabine Winkler-Baronsky entschied, die Tradition weiterzuführen, geschah das auch aus einem Gefühl heraus. Der Laden sei „eine Herzenssache“, sagt sie. Mit 15 Jahren hat sie dort ihren ersten Ferienjob gemacht, die Kaffeebohne nie aus den Augen verloren. Auch für sie war Willi Menn „ein Onkel“, sagt sie. „Ralph und ich haben uns unterhalten, und ich habe gesagt, ich würde es gerne machen.“

Sabine Winkler-Baronsky führt den Laden zum einen in der Tradition von Willi Menn fort. Die meisten der Kaffeesorten werden weiter so geröstet, wie Willi Menn es bereits getan hat. Dazu wurden ein paar neue Röstungen ausprobiert. Ein gutes Dutzend Kaffeesorten hat der Laden im Angebot. Bald nicht nur im Laden, sondern auch übers Internet. Kaffee verschicke man zwar schon länger – zum Beispiel an Menschen, die aus Saarbrücken weggezogen sind, oder an Touristen, die diesen Kaffee hier kennengelernt haben. Aber nun wolle man das etwas professioneller aufziehen. Wer die Magie der Kaffeebohne spüren will, muss aber weiter in den Laden im Herzen Saarbrückens kommen.

 Willi Menn 2004 an der Röstmaschine.  
Willi Menn 2004 an der Röstmaschine.   FOTO: Becker & Bredel