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Die Grünen reden in Saarbrücken jetzt mehr mit

Stadtratswahl Saarbrücken : „Schon mit den Grünen gesprochen?“

Ob Oberbürgermeister-Stichwahl oder Stadtratsmehrheit: In Saarbrücken ist die Ökopartei ein wichtiger Faktor geworden.

Wer gestern mit Saarbrücker  Kommunalpolitikern darüber spach, wie es im Stadtrat weitergeht und wie das mit der Oberbürgermeister-Stichwahl in zwei Wochen läuft, bekam in den meisten Fällen eine Standardantwort und eine Frage zu hören. Die Standardantwort: „Alles ist offen, wir werden das jetzt erst mal in den Parteigremien besprechen.“ Die Frage: „Haben Sie schon mit den Grünen gesprochen?“ Was die Grünen sagen und vorhaben, scheint ein wesentlicher Punkt zu sein in den Sitzungen der anderen Parteien, die am Montagabend und an diesem Dienstagabend hinter verschlossenen Türen stattfinden.

Da ist zum einen die Oberbürgermeister-Stichwahl. Oberbürgermeisterin Charlotte Britz (SPD hat rund 20 Prozent im Vergleich zu ihrem Ergebnis von 2011 verloren, liegt mit ihren 36,8 Prozent aber vor Uwe Conradt (CDU) mit 29 Prozent. 14,4 Prozent der abgegebenen Stimmen entfiehlen auf Barbara Meyer-Gluche von den Grünen. Werden die Grünen, wie 2004, als Britz gegen Josef Hecken (CDU) in die Stichwahl musste, sich für Britz aussprechen, sogar für sie Wahlkampf machen?

Eine schnelle Antwort darauf werde es nicht geben, sagt Meyer-Gluche am Montag. CDU und SPD haben zwar schon versucht, sie zu erreichen. Aber ihre Partei habe nicht mal die Termine der Sitzungen festgelegt, in denen darüber geredet werden soll. Also erst mal „Geduld“, sagt sie. Dann werden die Grünen, den „Wählern transparent erklären, warum man wir uns für eine Kandidatin oder einen Kandidaten aussprechen“. Die Frage werde sein, ob man Britz oder Conradt mehr zutraue, grüne Anliegen umzusetzen.

Thomas Emser Foto: SPD

Dann ist da die Frage, ob die rot-rot-grüne Koalition im Stadtrat steht. Die SPD hat drei ihrer bisher 20 Sitze verloren, die Linken zwei ihrer bisher acht. Die Grünen haben sechs dazugewonnen und haben nun 13. Die Koalition könnte also Dank des guten Grünen-Ergebnisses weitermachen. Jürgen Trenz, der stellvertretende Kreisvorsitzende der Linken, empfiehlt seiner Partei, weiter in diesem Bündnis zu arbeiten. Auch der Linken-Kreisgeschäftsführer Peter Buwen hat „das Gefühl, dass Rot-Rot-Grün für die Stadt gut war“ – aber das müsse man natürlich erst in den Gremien besprechen. Das sagt auch Simon Musekamp von der SPD: „Wir waren zufrieden mit Rot-Rot-Grün“, aber erst mal müsse man sehen, was die Gremien der Partei entscheiden – und was bei der Stichwahl rauskommt.

Meyer-Gluche klingt alles andere als zufrieden mit Rot-Rot-Grün. Auch hier sei die Frage, mit welchen Parteien „der ökologische Wandel in Saarbrücken am besten zu machen“ sei. „Mit Rot-Rot-Grün ist das bisher nicht gelungen“, sagt die Grüne. Sie sei aber auch „skeptisch“, ob das mit der anderen rechnerisch möglichen Koalition, der mit CDU und FDP, klappe.

Der CDU-Bezirksbürgermeisterkandidat für Saarbrücken Mitte, Stefan Brand Foto: CDU Foto: CDU
Der stellvertretende Linken-Kreisvorsitzende Jürgen Trenz Foto: Linke/D’Angiolillo Foto: Partei/Pasquale D´Angiolillo

Klar sei, dass die Grünen den Bezirksbürgermeister in Saarbrücken Mitte stellen wollen. Da sind die Grünen die stärkste Partei, gefolgt von der CDU. Es gibt wenige Möglichkeiten: Entweder schließen die Grünen ein Bündnis mit der SPD oder der CDU, in beiden Fällen wird ein Grüner Bezirksbürgermeister. Darauf werde man als stärkste Partei bestehen, sagt auch der Grünen-Kreisvorsitzende Patrick Ginsbach. Oder die CDU schließt ein Bündnis mit der SPD, dann wird CDU-Mann Stefan Brand Bezirksbürgermeister. Brand geht davon aus, dass darüber erst nach der Stichwahl verhandelt wird – „wenn sich der Pulverdampf vezogen hat“.

Der Grünen-Kreisvorsitzende Patrick Ginsbach Foto: Grüne/Lange Foto: Svetlana Lange/Ginsbach/Svetlana Lange
Der neue FDP-Stadtverordnete Helmut Isringhaus Foto: Maurer Foto: Iris Maria Maurer

Ob CDU-Kandidat Conradt in diesem Wahlkampf Unterstützung von der FDP bekommt, ließ deren Stadtrats-Spitzenkandidat Helmut Isringhaus gestern offen. Drüber müsse man erst in den Parteigremien reden. Während sich die anderen Parteien bereits in die Sitzungszimmer zurückgezogen haben, wollen sich die Grünen, wie Meyer-Gluche sagt, „erst mal sammeln, etwas schlafen, um dann wieder klare Gedanken fassen zu können“.