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Die Diakonie unterhält in Saarbrücken Hilfsangebote für Wohnungslose

Hilfsangebote in Saarbrücken : So steht die Diakonie Wohnungslosen bei

Menschen, die keine richtige Wohnung mehr haben, finden in Saarbrücken Hilfe bei der Diakonie. Und sie erhalten von der Sprechstunde beim Arzt bis zum Dach über dem Kopf Beistand, der ihnen wieder Hoffnung gibt.

Wichtiger Teil des Saarbrücker Hilfenetzes für Obdachlose ist das Haus der Diakonie in der Johannisstraße. Das Diakonische Werk an der Saar bietet den Menschen von der Johanneskirche mehr als nur eine Postadresse. Diakonie-Mitarbeiter Thomas Braun etwa betreibt aufsuchende Sozialarbeit, geht zu den Leuten hin. Er schätzt, dass fünf bis 15 Personen regelmäßig an der Kirche sind. Genauso gut könne mal niemand dort sein. Oder 25 Leute auf einmal.

Auf etwa 120 Menschen insgesamt schätzt der Sozialarbeiter die „sehr differenzierte“ Gruppe, deren Mitglieder an der Kirche in wechselnder Besetzung zusammenkommen. Seit mehr als 20 Jahren kennt er den schon lange umstrittenen Treffpunkt und weiß wie Sven Schäfer von der Drogenhilfe, was ihn ausmacht: Ärzte, Einkaufsmöglichkeiten, Hilfe-Einrichtungen und die Erreichbarkeit mit der Saarbahn.

120 Menschen haben im Haus der Diakonie ihre Postadresse. Und sie finden an ihrem Treffpunkt Johanneskirche Hilfe von der aufsuchenden Sozialarbeit, haben die Kleiderkammer ebenso in der Nähe wie Beratungsangebote der Diakonie.

Um die Zahl der Hilfesuchenden an der Kirche nicht ausufern zu lassen, stellte die Stadt vor ein paar Jahren als Ausweichplatz den „Pavillon“ an der Ecke Richard-Wagner-Straße/Johannisstraße bereit. Der Alternativ-Treff ist wegen der Anti-Corona-Vorschriften seit Monaten zu und die Haltestelle wieder häufiger besucht. Sozialarbeiter Braun sieht nun dort aber nicht nennenswert „neue“ Personen. Anderswo schon. Es gebe „eine massive Zunahme an neuen Personen in unserer offenen Sprechstunde mit hohem Beratungsbedarf infolge der Pandemie“. Braun spricht von einem „extrem hohen Bedarf“ an Hilfsangeboten.

Er sagt: Die meisten Ratsuchenden sind zwar nicht obdachlos, aber in extrem kleinen und einfachen Wohnungen zu Hause. Und die sind nicht als „bevorzugter Aufenthaltsraum“ nutzbar. Ob sich solchen Menschen mit Strafen beikommen lässt, wenn sie an der Johanneskirche Regeln verletzen? „Es ist eine Frage, welchen Zweck die Sanktionen erreichen sollen. Hohe Geldstrafen schaffen eine Vielzahl anderer Probleme. Durch präventive Maßnahmen von Sozialarbeit, Polizei und Ordnungsamt konnte viel Aufklärungsarbeit geleistet werden. In Verbindung mit ständigen Kontrollen werden die Abstandsregeln und die Maskenpflicht zunehmend besser eingehalten.“ Und Braun sagt, es gebe seit Pandemiebeginn kaum bekannte Corona-Fälle innerhalb der Gruppen.

Der Sozialarbeiter gibt noch einmal zu bedenken, was den Treffpunkt so anziehend und die Lage so schwierig macht: „Jeder Mensch hat ein Bedürfnis, am öffentlichen Leben teilzunehmen.“ Viele an der Johanneskirche hätten dafür aber zuhause eher wenige Möglichkeiten – aufgrund ihrer meist schlechten Versorgung mit Wohnraum. 

Andererseits hätten Passanten und Haltestellennutzer ein Gefühl der Unsicherheit in der Nähe dieser Menschen. Denn das Verhalten verschiedener Gruppen sei nicht immer angemessen. Jedoch seien „normale“ Bürger auch nicht immer regeltreu und beschimpften die anderen, die dort stehen.

Eine Lösung ist offenbar nur schwer zu finden. Braun hält es für wünschenswert, wenn in der Stadt viele kleinere solcher Treffpunkte toleriert würden und die Haltestelle dadurch entlastet wäre.

Das große Aber schiebt der Mann von der Diakonie gleich hinterher: „Leider werden Versuche, andere Örtlichkeiten zu nutzen, oftmals sofort erschwert bzw. durch öffentlichen Druck verworfen. Und der Ausweichplatz ist aktuell geschlossen!“

Die Bereitschaft der Gesellschaft, viele kleinere Treffpunkte in der Stadt zu schaffen oder zumindest zuzulassen, wäre nach Brauns Ansicht ein Zeichen der Solidarität mit den Anwohnern.

„Housing First - Wohnen zuerst“ heißt eines der Angebote aus dem Hilfen-Sortiment der Diakonie Saar für wohnungslose Männer und Frauen.  Sie bekommen eine eigene Wohnung mit eigenem Mietvertrag, und zwar unbefristet und ohne Bedingungen. So können sie zur Ruhe kommen und ihre weiteren Probleme lösen.

Die Diakonie macht das, weil Obdachlose, die schnell wieder eine Wohnung und Hilfe im Alltag haben,  besser klarkommen als jene, die jahrelang in Wohnheimen gelebt haben. Das jedenfalls haben Studien gezeigt. Gedacht ist „Wohnen zuerst“ für Menschen, die wegen seelischer Beeinträchtigungen oder einer Suchtkrankheit für herkömmliche Angebote der Wohnungslosenhilfe nicht erreichbar sind. Sie werden in das Projekt aufgenommen, sobald ein geeignetes Angebot auf dem freien Wohnungsmarkt gefunden ist. Nach ihrem Einzug erhalten sie – auf freiwilliger Basis – von zwei Diakonie-Mitarbeitern Hilfe dabei, ihre Probleme zu lösen. Das Annehmen der Unterstützung ist freiwillig. Für 2021 bezahlt das Sozialministerium „Housing First“.

Sozialarbeiter der Diakonie gehen außerdem zu Menschen, die bereits wohnungslos sind oder denen das droht. 800 Frauen und Männer jährlich lassen sich von Mitarbeitenden der Diakonie beraten. In deren Haus an der Johannisstraße haben etwa 120 obdachlose Menschen ihre Postadresse.

Unter dem ambulanten betreuten Wohnen ist eine Unterstützung bei der Suche nach eigenem Wohnraum zu verstehen. Nach dem Einzug dauert die Betreuung noch maximal zwei Jahre. Am Standort Saarbrücken betreut die Diakonie ständig bis zu 20 Menschen.

Die „Praxis medizinische Grundversorgung“ ist das Ergebnis einer Kooperation der Diakonie mit der Kassenärztlichen Vereinigung Saar. Ehrenamtlich tätige Ärztinnen und Ärzte haben einmal pro Woche Sprechstunde im Haus der Diakonie Saarbrücken.

Die St. Johanner Börse versorgt bedürftige Menschen gegen einen kleinen Betrag im Haus der Diakonie mit gebrauchter Kleidung und Hausrat aus zweiter Hand.

Außerdem weist die Diakonie auf ein traditionsreiches Angebot in Alt-Saarbrücken hin. Als stationäre Einrichtung mit 25 Plätzen für wohnungslose Männer gibt es am Ludwigsplatz die von einer Stiftung betriebene „Herberge zur Heimat“.

Zusätzlich angegliedert ist das Projekt „Eigene 4 Wände“ mit Außenwohnungen für aus der Haft entlassene Männer und Frauen, junge Wohnungslose sowie für Bewohner der „Herberge zur Heimat“.