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Kolumne
Die Contenance und das Wetter

FOTO: SZ / Robby Lorenz
Das Wetter ist heutzutage mehr als ein Nacheinander von Hochs und Tiefs, Regen und Sonne, Wärme und Kälte. Die TV-Meteorologen machen den Himmel zur Bühne für großes Theater und führen sich als seine Regisseure auf. Aber muss das sein?

Dieses Wetter aber auch, man kann sich einfach nicht auf es verlassen. Trotz aller Prognosen macht es ab und an was es will. Und nicht, was die Damen und Herren Meteorologen vorausgesehen haben. Obwohl es meist mitspielt, zugegebenermaßen…


Trotzdem, man fühlt sich ihm unangenehm ausgeliefert. Ärgern will es uns zudem. Es wühlt mit seinen Hochs und Tiefs gewaltig den Himmel auf, es hat Wolken im Gepäck. Merke, das Wetter packt an und ein, es ist ein Macher!

Die Wolken ziehen auch nicht einfach nur dahin. Nein, sie tanzen ein Troposphären-Ballett. Ein bisschen Choreografie und künstlerische Geschmackssicherheit wird man den geballten Wassertröpfchen schon zutrauen dürfen.



Das Wetter trifft uns gern mit unvermuteten Schauern. Natürlich macht es so etwas absichtlich. Und auch nur, wenn es sich wirklich lohnt, heißt, wenn mindestens 80 Prozent der Bevölkerung den Regenschirm zu Hause gelassen haben. Setzt sich dann die Sonne durch, so tut sie das, damit wir uns wieder ein bisschen toll fühlen dürfen und uns prickelnde Gedanken an Eiscrème durchs Gehirn flutschen.

Ein immerwährendes Schauspiel ist das Wetter, ein monumentaler Kampf, richtig großes Theater, und der Meteorologe ist der Regisseur, der Atmosphären-Impresario.

So scheint es zumindest. Dabei tut er nichts anderes, als vorherzusagen, ob es nun in in naher Zukunft nass oder trocken wird, grau, bedeckt oder sonnig. Was an und für sich keine geringe Leistung und von nicht zu unterschätzender Bedeutung ist.

Doch vermitteln heute beschwingte Wetterfrösche und -fröschinnen diese an und für sich rein sachlichen Prozesse mit gefühliger Mimik und viel Gefuchtel vor computeranimierten Schaubildern, dass es einem vorkommt, Wetter könne man ohne einen gewissen emotionalen Überschwang gar nicht voraussagen.

Ab und an vermisse ich sie dann doch, die starren, grauen Herren, die einst mit unbeweglicher Miene und in angemessener rhetorischer Knappheit über die Wahrscheinlichkeit von Regen, Sonne und Sturm redeten. Zeiten, als das Wetter einfach das Wetter war, und fertig!