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Die Caritas berichtet von der Not auf der Folsterhöhe in Saarbrücken

Saarbrücker Gemeinwesenarbeit : Caritas berichtet von Not auf der Folsterhöhe

„Die bereits prekären Lebenslagen einer großen Anzahl der Menschen im Wohngebiet Folsterhöhe spitzen sich durch die Corona-Pandemie zu. Die Bewohnerschaft von Jung bis Alt fühlt sich zunehmend ausgegrenzt und von der Politik und den Behörden mehr oder weniger allein gelassen.“ Das teilt der Caritasverband für Saarbrücken und Umgebung mit und begründet das folgendermaßen: Bereits Ende 2019, so erklärt der Caritasverband, lebten 48 Prozent der Menschen auf der Folsterhöhe von Hartz IV – und 64,7 Prozent der Kinder unter 14 lebten von Transferleistungen – „also am Existenzminimum“.

Bei den Beratungsgesprächen in der Gemeinwesenarbeit hat der Caritasverband festgestellt, dass viele der Beschäftigten ungesicherte Arbeitsverhältnisse haben: „Sie haben kritisch zu bewertende Arbeitsverträge, arbeiten bei Leiharbeitsfirmen oder arbeiten in Minijobs. Trotz Arbeit sind viele dieser Menschen auf ergänzende Leistungen angewiesen.“ Durch die Corona-Pandemie und deren wirtschaftliche Konsequenzen seien genau diese Menschen kurzfristig arbeitslos geworden und bräuchten Hilfe.

Gleichzeitig beobachte die Caritas, dass vor allem junge Männer mit Migrationshintergrund jede Gelegenheit wahrnehmen, um ihre Familien selbst zu versorgen. Häufig seien diese Arbeitsverhältnisse nur von kurzer Dauer und brächten die Familien sogar „eher in unüberschaubare finanzielle Notlagen“.

Immer mehr Menschen auf der Folsterhöhe seien auf Transferleistungen angewiesen und müssten  Anträge auf Sozialhilfe, Rente, Kindergeld, Elterngeld stellen – und das sei in Corona-Zeiten wesentlich schwerer als normalerweise. Denn die Türen vieler Behörden seien verschlossen, Beratungen oder Vorsprachen seien nur nach telefonischer oder elektronischer Anmeldung möglich.

Und das sei sehr schwer für Menschen, die nicht Deutsch sprechen oder verstehen oder keinen Zugang zur elektronischen Anmeldung haben. Da tauchten dann Fragen auf wie: Wer kann mir das Schreiben erklären, das Formular ausfüllen, den Weg zeigen, mir sagen, welche Möglichkeiten ich habe, um meinen Lebensunterhalt zu sichern, wo ist ein Mensch, der mich unterstützt und mir Mut macht, mir zuhört?

In diesen Situationen versuche die Caritas-Gemeinwesenarbeit (GWA) Folsterhöhe zu helfen.

Außerdem hat die Caritas festgestellt: „Vor allem Alleinstehende, Senioren, Menschen mit Handicap sind durch die Pandemie sehr einsam und fühlen sich alleingelassen.“ Auch diesen Menschen stehe die GWA zur Seite – und organisiere beispielsweise Impftermine.

Neben den Senioren seien Familien und Kinder besonders finanziell, aber auch psychisch von der Pandemie betroffen, viele Einkommen seien gering, es fehle das Schulessen. Die Wohnverhältnisse seien oft sehr beengt.

Gleichzeitig betont die Caritas: „Was wir auch beobachten, sind die Bescheidenheit und die Geduld der Menschen im Wohngebiet in dieser schweren Zeit, wie auch die Hilfsbereitschaft und das Engagement vor allem junger Familien für ihre Nachbarn oder für hilfebedürftige Menschen, ob Senioren oder auch Menschen mit Behinderungen.“