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Musikstudenten aus aller Welt und ihre Lieblingsbücher
Die blaue Katze und der bunte Vogel

Saarbrücken. Schönes Angebot bei der Saarbrücker Kinderbuchmesse. Musikstudenten aus aller Welt und ihre Lieblingsbücher. Von Astrid Karger

Die Europäische Kinder- und Jugendbuchmesse ist in diesem Jahr zum ersten Mal zu Gast in der Alten Kirche, dem schönen Konzert- und Probengebäude der Hochschule für Musik. Erstes und charmantes Ergebnis dieser Zusammenarbeit ist der Programmpunkt „Lieblingsbuch“. Internationale Studierende der Musikhochschule erzählen den Kindern, was sie selbst als Kinder in ihren jeweiligen Heimatländern gelesen haben.


Zum ersten Termin am Donnerstag hatte sich eine muntere Schar von Grundschulkindern aus Saargemünd eingefunden. Ihre École de Blies ist zwar nicht wirklich zweisprachig, aber sie lernen Deutsch. Erstaunt waren die Sechsjährigen, dass sie bei ihrem Besuch in Deutschland erst mal raten sollten, aus welchen Ländern die jungen Erwachsenen stammen, die ihnen ihr Lieblingskinderbuch vorstellten. „Saarbrücken? Saarland? Australien?“

Tatsächlich kamen die drei Musikstudenten aus China, der Türkei und Kolumbien. Und sie erzählten in einwandfreiem Deutsch, wie sie als Kinder mit Büchern in Berührung kamen. Lulu Yang stammt aus der zentralchinesischen Millionenstadt Anquing, sie machte mit einer Geschichte aus den engen Gassen im Süden Pekings den Anfang. „Eine kleine Geschichte über normale Leute“, die Gedankenwelt eines Kindes, von zarten Aquarellen illustriert. Ein „Warmgefühl“ komme bei der Lektüre auf, sagte Lulu Yang, aber auch Melancholie, denn es gehe in dem Buch immer auch um Abschied. Sich selbst am Klavier begleitend, sang Lulu Yang dazu eine traurige, aber auch tröstliche Weise, passend zum leisen Ton, den sie anschlug.



Mit von Sonne und Meer genährtem Temperament zeigte Günes Oba aus dem türkischen Izmir das Bilderbuch von der blauen Katze aus dem Serail. Die wird von einem prunksüchtigen Herrscher nur zur Zier gehalten und hierfür geschmückt und tätowiert, die anderen Tiere erkennen sie nicht mehr als Katze. Ihre Mutter sei Lehrerin und habe ihr immer Märchen aus aller Welt erzählt, so Günes Oba, deren Name „Sonne“ heißt. In einem Konzert mit klassischer Musik sei sie als Zweijährige eingeschlafen, trotzdem erwachte irgendwann der Wunsch, Pianistin zu werden. „Jetzt singe ich mal was ganz Schnelles vor.“ Neugierig blickten die sprachlich etwas überforderten Kinder von unten in die Mechanik des Instruments. Günes Oba griff zur Körpersprache, um die Kleinen einzufangen, die dann doch Anteil nahmen am Schicksal der einsamen Katze.

Juan Camilo Velásquez Bueno hielt sich nicht lange mit Geschriebenem auf, er kommt aus Kolumbien, aus Cali, und dort seien Geschichten nur in Verbindung mit Musik denkbar. Er denkt an seine Großeltern, wenn er an Geschichten denkt.

Mit leuchtenden Augen ließ er ein Kolumbien ohne Winter und voller Fröhlichkeit erstehen und stimmte auf der Violine einen „Joropo“ an, das sei ein Einszweidrei-Takt „wie der Walzer“.

Seine Geschichte handelt vom Einswerden. Der Vogel mit dem bunten Gefieder und der Musikant mit der Harfe, begleitet von Wasser und Wind, vereint im Spiel. Die Kinder sollten ein A singen, sie durften mitmachen, und das taten sie gerne, ihr A kam aus vollen Kehlen.