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Moschee in Sulzbach
Die Angst vor dem Ruf des Muezzins in der Stadtmitte

Sulzbach. ()  Dass es nicht immer gelingt, Ängste und gegenseitige Vorurteile in der Bevölkerung abzubauen, machten bei der Sondersitzung des Sulzbacher Bauausschusses Äußerungen von einigen Bürgern deutlich. Etwa zwei Dutzend von ihnen hatten sich zum Thema „Neue Moschee im alten Postgebäude“ am Freitag im Rathaus eingefunden. Sigrid Weber erzählte, dass es in der Siedlung Goldene Au zwei salafistische Familien gäbe, deren Frauen nur vollverschleiert vor die Tür dürften. Sogar alteingesessenen türkischen Familien würde dies Unbehagen bereiten. Das ehemalige Stadtrats-Mitglied Marlies Krämer (Die Linke) übte massiv Kritik an der „Zwangskleidung“ sowie  am Patriarchat und bat die Verwaltung darum, im Grundbuch festzuhalten, dass kein Muezzin seine Predigt per Lautsprecher nach außen übertragen dürfe. Wolfgang Frisch äußerte seine Bedenken wegen eventueller Lärmbelästigung durch ein viel höheres Verkehrsaufkommen.

Buhan Yagci, Vorsitzender des Vereins Muslimische Gemeinde Saarland (MGS), bedankte sich für die „mutigen Fragen“. Das Hochkochen der Emotionen habe ihn sehr verblüfft: „Daran merkt man, dass  der Dialog fehlt.“ Er merkte an, dass in anderen Städten Moscheen teilweise außerhalb des Zentrums liegen und so „Hinterhof-Kirchen“ entstünden. Das jetzige Gebetshaus in der Sulzbachtalstraße werde im Übrigen nach Eröffnung des neuen Hauses aufgegeben. Und: Zum Freitagsgebet kämen erfahrungsgemäß nur Gläubige aus dem unmittelbaren Umfeld.



Wegen der aufgeheizten Stimmung, die in den vergangenen Tagen vor allem im Internet hohe Wellen schlug, erinnerte Bürgermeister Michael Adam die MGS daran, dass es eine „Hol- und Bringschuld“ gebe, um gegenteilige Vorurteile abzubauen. Gleichzeitig appellierte er an Burhan Yagci, eine transparentere Vorgehensweise an den Tag zu legen, um den Bürgern ihre Ängste zu nehmen. Zudem kündigte er für den Monat September eine gemeinsame Veranstaltung von Stadtverwaltung, Muslimische Gemeinde Saarland und saarländischem Verfassungsschutz an.

Letztgenannte Institution beobachte die Muslimische Gemeinde nicht erst seit gestern.

(bo)