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Rührend rüstig
Die älteste Übungsleiterin Deutschlands

Edith Feistel freute sich über dieses Schild.
Edith Feistel freute sich über dieses Schild. FOTO: Iris Maria Maurer
Altenwald/Dudweiler. Die 100-jährige Edith Feistel wird wegen ihrer positiven Lebenseinstellung und ihres natürlichen Humors geschätzt. Von Stefan Bohlander

Sie ist bekannt wie ein bunter Hund und trotz ihrer 100 Jahre noch fit wie ein Turnschuh: Bereits am 14. Oktober feierte Edith Feistel ihren runden Geburtstag. Etwa 150 Verwandte Freunde und Weggefährten kamen dazu ins Vereinsheim der Eintracht Altenwald, wie sie stolz erzählt. Mit dem Sulzbacher Stadtteil, in dem sie 1918 auch geboren wurde, verbindet sie auch ein Vereinsleben, das sie quasi bereits ihr Leben lang begleitet.


Bereits mit neun Jahren trat sie dem TV Altenwald-Schnappach bei. Leichtathletik am Boden und an Geräten war ihre Leidenschaft. Mit 17 Jahren wurde sie Übungsleiterin – und ist es immer noch. Somit ist sie die älteste Übungsleiterin Deutschlands. Dafür und für ihren lebenslangen Einsatz wurde sie vor wenigen Tagen vom Turngau Saar besonders geehrt. Mit der Guths-Muths-Medaille für verdiente Turnerinnen und Turner sowie der Silbernen Nadel und dem Ehrenbrief wurde sie schon vor Jahren ausgezeichnet. Beim TV Altenwald-Schnappach ist sie bereits seit längerer Zeit Ehrenmitglied. In der Seniorengruppe, die sie seit rund 20 Jahren einmal die Woche leitet, trainiert sie unter anderem Stretch- und Dehnübungen „und was jeder noch kann“. Im Anschluss singt die Gruppe immer noch ein gemeinsames Lied.

Denn auch Musik und Tanz spielten eine große Rolle in ihrem Leben. Zudem war sie bis zum 80. Lebensjahr noch aktive Sportkeglerin. Sie ist Mitglied in vielen weiteren Vereinen, etwa im Naturschutzbund Nabu, dem Arbeiter-Samariter-Bund, in der Awo Bischmisheim, im Gesangverein Eintracht Altenwald, bei den Katholischen Frauen und dem Bundesbahnsozialwerk. Jährlich wird sie zum Konfirmationsjubiläum in Altenwald eingeladen, da es ab dem 85. Jahrestag, der Engelskonfirmation, keine eigene Jubiläumsfeier mehr gibt. Besonders geschätzt werden überall ihre positive Lebenseinstellung und ihr natürlicher Humor. „Ich nehme alles nicht so ernst“, sagt sie dazu.



Dabei war nicht immer alles rosig. Nach ihrer Volksschulzeit absolvierte sie eine Lehre zur Fachverkäuferin. Danach arbeitete sie bei der Reichsbahn am Güterbahnhof im Büro. Dort lernte sie auch ihren Mann kennen. Nach Ausbruch des Zweiten Weltkrieges wurde ihre Familie nach Rüdesheim und dann nach Mainz evakuiert. Dort wurde dann auch im April 1940 geheiratet. Im September desselben Jahres ging es ins Saarland zurück. Zwei Jahre später wurde sie ins polnische Krakau versetzt, wo sie mit ihrer Familie kurz vor Kriegsende festgehalten wurde. Von Amerikanern begleitet ging es über Nürnberg, Frankfurt und Neunkirchen wieder zurück nach Altenwald und dann nach Saarbrücken. „Ich hatte keine Papiere, keinen Ausweis“, erinnert sie sich an die Kriegszeit zurück.

Als das Neubaugebiet am Guckelsberg in Dudweiler entstand, zog man 1960 dorthin. Aus der Ehe gingen vier Töchter und ein Sohn hervor. Mittlerweile hat sie sogar bereits sieben Enkel und fünf Urenkel.1990 feierte Edith Feistel Goldene Hochzeit, seit 1995 ist sie Witwe. Trotz ihres fortgeschrittenen Alters lebt sie noch alleine. Sie kocht und wäscht selbstständig und erledigt auch die Einkäufe größtenteils noch alleine. Nur beim Sprudelkasten schleppen helfen die Enkel, und einmal die Woche kommt eine Putzhilfe.

Durch ihr Engagement in den vielen Vereinen sind zahlreiche soziale Kontakte entstanden, die sie auch heute noch pflegt. Deswegen nimmt sie regelmäßig an Vereinsfahrten teil, die sie beispielsweise nach Idar-Oberstein, Landau, Mannheim oder an die Mosel führen.

Monatliche Treffen im Salzbrunnen-Carrée in der Salzstadt mit der ehemaligen Turngruppe gehören ebenfalls dazu. „Man muss unter die Leute“, sagt Edith Feistel. Auch ihrem Sport wird sie noch weiter treu bleiben – „solange es geht“, wie sie sagt.