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Deutsch-Französische Garten in Saarbrücken wird 60 Jahre alt

Kostenpflichtiger Inhalt: Beliebter Park feiert Geburtstag : Deutsch-Französischer Garten wird 60 Jahre alt

Vor genau 60 Jahren, am 23. April 1960, eröffnete der Deutsch-Französische Garten in Saarbrücken mit hoher Politprominenz aus beiden Ländern.

Der Deutsch-Französische Garten (DFG) in Saarbrücken wird gerade gepflegt wie immer im Frühjahr. Und doch ist alles anders als sonst. Selbst die Enten haben mehr Platz, können es sich an einem breiten Strand bequem machen: wegen der Trockenheit führt der Weiher nur wenig Wasser.

Das Schmuckstück im Deutschmühlental, das Symbol der deutsch-französischen Freundschaft, wird auch am 23. April leerer sein als sonst. Dabei müsste man den Garten tüchtig feiern. Vor 60 Jahren öffnete hier eine deutsch-französische Gartenschau. Seitdem spazieren hier Deutsche und Franzosen vor allem an schönen, sonnigen Tagen wie wir sie gerade haben.

Doch diesmal bleibt es ruhig. Sobald an Wochenenden Besucherströme zu erwarten sind, sperrt die Stadt die  Parkplätze, kontrolliert an den Eingängen. Auch in denkmalgeschützten Gärten kann man sich infizieren, wenn zu viele Menschen auf einmal flanieren. Geschätzt kommen 200 000 bis 300 000 Besucher jährlich in den DFG. Da der Eintritt frei ist, gibt es keine genauen Zahlen. Franzosen können ohnehin nicht in den bei ihnen sehr beliebten Garten; die Grenzen sind noch immer weitgehend dicht für die, die als Grund nur einen Spaziergang nennen könnten.

Offizielle Feiern gibt es ohnehin nicht: Abgesagt wurden bereits das überaus begehrte Ostereiersuchen, vom Terminkalender gestrichen ist auch das große Kinderfest Ende August. Von der Bühne der frisch renovierten Konzertmuschel ist kein Ton zu hören. Das gegenüberliegende Lese-Café ist geschlossen. In ein, zwei der aus der frühen Zeit des Gartens stammenden Gastronomiegebäude sind Fenster geöffnet, doch Currywurst rot oder weiß findet auch im schönsten Sonnenschein kaum Käufer.

Seit der Gründung können Besucher mit der Bahn fahren. Foto: Landesarchiv

Vom Jubiläum des Gartens wissen nur wenige, die hier gerade zu tun haben. Dabei kamen  damals eigens Bundeskanzler Konrad Adenauer  und der damalige französische Ministerpräsident Michel Debré nach Saarbrücken zur Eröffnung der ersten gemeinsamen Gartenschau von Deutschen und Franzosen. Michel und Marianne sind seitdem auf einer Tafel im Eingangsbereich zu sehen. Das wäre ein guter Platz gewesen für eine Rede zum Geburtstag der 50 Hektar großen Anlage, vielleicht gar für ein Ständchen und ein Prost und Santé auf das, was seitdem zwischen Deutschland und Frankreich entstanden ist: Zusammenhalt, Wertschätzung, Freundschaft. In einer solchen Rede hätte man dann auch darauf verweisen können, ja müssen, dass die Grenzen sich wieder öffnen werden, - und dass es sie in den Köpfen der Menschen hoffentlich gar nicht  gibt. Der DFG  erinnert aber auch an die finsteren Zeiten: 1870/71 kämpften hier Deutsche und Franzosen gegeneinander, auf dem Ehrenfriedhof sind deutsche und französische Soldaten begraben.

Der Gartenschau war das erste große Ereignis. Foto: keiner

Wie geht die Stadt Saarbrücken nun um mit dem Geburtstag dieses schönen Parks mit seiner ganz besonderen Geschichte? Oberbürgermeister Uwe Conradt (CDU), der zu anderen Zeiten dort mit Saarländern und Franzosen gefeiert hätte, würdigt den DFG als „wunderbare Parkanlage“ und erinnert sich an Ausflüge dorthin mit den Eltern in seiner Kindheit, die Fahrten mit der Bummelbahn oder der Seilbahn.  Auch beide Bahnen stehen derzeit still. Und niemand wagt eine Prognose, wann und ob das Jubiläum doch noch gefeiert werden kann. Immerhin: Der Deutsch-Französische Garten ist offen. Auch in diesen Zeiten.