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Dieser Bahnhof ist ein Schandfleck
Der wertlose Denkmalschutz

FOTO: Robby Lorenz / SZ
Diese Woche hat uns einmal mehr der Bahnhof in Friedrichsthal beschäftigt. Die gute Nachricht: Das Gebäude fällt noch längst nicht in sich zusammen - sagt die Untere Bauaufsicht im Regionalverband. Gefahr für Leib und Leben sei auch weiterhin auszuschließen. Die Immobilie, die zuletzt vor rund zwei Jahren den Besitzer wechselte, sei standsicher. Die Bauaufsicht sagt, sie habe das mehr als 100 Jahre alte und unter Denkmalschutz stehende Gebäude im Visier. In regelmäßigen Abständen nehme man es unter die Lupe.

Wenn ich nun länger nachdenke,  fange ich an zu zweifeln, ob man die Standfestigkeit des einst stolzen Hauses als gute Nachricht einstufen soll. Denn wäre es wackelig, könnte man es endlich abreißen. Zum Wohle der Stadt Friedrichsthal und ihrer Bürger. Die sind alles andere als glücklich über das Erscheinungsbild in der Innenstadt. Der Bahnhof ist sehr unappetitlich weil verdreckt und verschmiert. Am liebsten würde man über dem Boden schweben, um nur ja nicht mit diesem in Kontakt zu kommen.


Die Stadtverwaltung selbst ist hier machtlos. Und die Bahn kann sich freuen, dass es ihr gelang, ihr verwahrlostes Eigentum seinerzeit zu veräußern. Wobei man sich doch fragen muss, warum sich eine Privatperson einen solchen Koloss ans Bein bindet. Was will sie  damit? Jedenfalls ist bis heute nicht bekannt, ob hier jemals ein müder Euro investiert werden soll und weshalb. Unsere Zeitung wird die unendliche Story im Auge behalten. Das macht im Übrigen auch Uwe Quast vor Ort, der uns regelmäßig an den Friedrichsthaler Missstand erinnert. Und der nicht glauben will, dass es hier keine Handhabe gibt, um den Verfall zu stoppen. Schockierend nennt er das. Im Übrigen: Was ist der Denkmalschutz eigentlich wert, wenn sich Eigentümer nicht darum scheren? Nichts, rein gar nichts.