Fußball: Der Weihnachtsbaum mit der Pfeife

Fußball : Der Weihnachtsbaum mit der Pfeife

Benedikt Seyler hat viele Talente. Er spielt als Fastnachter lustige Rollen und liebt Musik. Als Schiedsrichter gibt er auf dem Platz den Ton an.

Für Benedikt Seyler hat die zweite Saison als Schiedsrichter in der Fußball-Regionalliga begonnen. Er gehört damit weiter zu den besten saarländischen Unparteiischen. Doch der 28-Jährige hat viele Talente. Auch wenn er schmunzelnd betont: „Ich bin kein Zahlenmensch, obwohl ich Bankkaufmann bin. Ich arbeite mit Menschen, nicht mit Zahlen.“

Im Alter von vier Jahren begann Seyler mit den Klavierspielen. „Mein Papa hat mich dazu gebracht. Er ist leidenschaftlicher Musiker. Später habe ich zuerst auf Töpfen rumgetrommelt, bis ich ein Schlagzeug bekam.“ Seyler war so gut, dass er selbst Schlagzeug-Unterricht gab. Doch das Hobby hat er für die Schiedsrichterei erstmal hinten angestellt. Das überragende musikalische Talent seines Schiedsrichter-Kollegen Heribert Fandel – er ist Konzert-Pianist – habe er nicht, scherzt Seyler. Frohsinn ist seine zweite Leidenschaft.

Diese Passion lebt er so richtig aus. „Meine Eltern waren schon immer im Karnevalsverein ‚Fratzemacher‘ in Wadrill tätig. Mit zehn Jahren habe ich dort selbst meine erste Büttenrede gehalten“, erzählt Benedikt Seyler: „Mittlerweile schreibe ich meine Reden natürlich selbst. Immer komplett durchgereimte Vorträge.“

Auch bei der Moderation und einer Gesangsgruppe mischt er mit. „Meine erste Rolle war ein ‚Fußball-Jung‘. Ich war aber auch schon ein Weihnachtsbaum oder eine rosa Fee. Da musst du ein Stück weit schmerzfrei sein und auch über dich selbst lachen können.“

Eigenschaften, die Benedikt Seyler bei seinem dritten großen Hobby sicher helfen. Denn auch als Schiedsrichter braucht man ein dickes Fell. „Fehlentscheidungen nehme ich mir sehr zu Herzen. Man muss sich dann hinsetzen und analysieren, wie es dazu kam. Aber man darf es auch nicht übertreiben, es muss ja weitergehen“, sagt der 28-Jährige. Er ergänzt: „Ich bin ein sehr kommunikativer Mensch. Nach dem Spiel kann man normalerweise auch gerne sachlich mit mir diskutieren. Aber ja, Selbstreflexion ist für einen Schiedsrichter sehr wichtig.“

Seyler leitet Spiele bis hoch in die Regionalliga und ist in der 3. Liga als Linienrichter unterwegs. „Als Schiedsrichter hast du in der Regel mehr Interaktion mit den Spielern. Der Assistent wird normalerweise nur an seinen Entscheidungen gemessen – war es Abseits oder nicht. In der 3. Liga ist das schon etwas anders. Darum macht mir mittlerweile beides sehr viel Spaß“, berichtet Seyler. Was einen guten Schiedsrichter ausmacht, ist für den 28-Jährigen eindeutig: „Man muss sich nicht unnötig in den Mittelpunkt stellen. Es gibt Spiele, da ist es gut, wenn hinterher niemand über den Schiedsrichter spricht. In anderen ist es notwendig, sich den Anforderungen zu stellen und ihnen gerecht zu werden. So wie Felix Brych zum Beispiel, der beim letzten Bundesliga-Spiel des Hamburger SV trotz massiver Fanausschreitungen das Spiel eben nicht abgebrochen hat.“ Der HSV gewann die Partie gegen Borussia Mönchengladbach mit 2:1, stieg aber in die 2. Liga ab.

Vorraussetzung für eine gute Schiedsrichter-Leistung ist für für Seyler das private Umfeld. „Mein Arbeitgeber, die Sparkasse Merzig-Wadern, hat Verständnis, wenn ich ab und an mal früher gehen muss“, sagt der 28-Jährige aus Wadrill: „Und meine Freundin Katharina hat höherklassig Handball gespielt, hat darum kein Problem damit, wenn ich am Wochenende für den Fußball unterwegs bin.“

Wohin die Schiedsrichter-Reise noch geht, lässt Seyler offen: „Natürlich muss man viel investieren, um nach oben zu kommen. Aber man hat es ja nicht selbst in der Hand. Die Leistung eines Schiedsrichters ist ja nicht messbar wie die eines Hundert-Meter-Läufers. Man ist von der Beurteilung anderer abhängig. Natürlich würde ich gerne ein Bundesliga-Spiel leiten. Aber wenn es nicht so kommt, ist das auch nicht das Ende der Welt.“

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