| 20:15 Uhr

Jubiläum
Der SZ-Ältestenrat besteht seit 20 Jahren

Das jüngste Treffen: Ulla Karch, Axel Egler mit Charlotte Britz.
Das jüngste Treffen: Ulla Karch, Axel Egler mit Charlotte Britz. FOTO: Iris Maria Maurer
Seit 20 Jahren packt der Ältestenrat der Saarbrücker Zeitung heiße Eisen an – weise, lebenserfahren und mit Weitsicht. Am 22. Oktober 1998 traf er sich zum ersten Mal. Von Tobias Fuchs
Tobias Fuchs

Es ist ein Satz, der zum Motto taugt. Auch nach 20 Jahren hat er seine Gültigkeit nicht verloren. „Altwerden ist hochinteressant.“ Das rief Carl Bossert gerne dazwischen, wenn im SZ-Ältestenrat jemand die Mühen des Alters betonte. Bossert, der 2013 im Alter von 89 Jahren starb, gehörte zu den Leserinnen und Lesern der SZ, die den Ältestenrat am 22. Oktober 1998 gründeten. Dieter Gräbner, damals SZ-Lokalchef in Saarbrücken, hatte sie ins Casino des Pressehauses in der Gutenbergstraße eingeladen. „Wir wollen über Themen reden, die Sie interessieren, die die Leser interessieren“, sagte Gräbner beim allerersten Treffen. Das tut der Ältestenrat bis heute. Seine Mitglieder sind wichtige Ratgeber unserer Redaktion. Wir profitieren von ihrer Weisheit und Lebenserfahrung. Altwerden ist eben hochinteressant.


Ein gehobenes Kaffeekränzchen war der Ältestenrat nie. Das Gremium will unbequem, aber konstruktiv sein, den Blick nach vorne gerichtet – so lautet sein Anspruch. Als sich 2004 die Kandidaten für die Wahl des Saarbrücker Oberbürgermeisters vorstellten, empfing sie Bossert, der erste Sprecher des Ältestenrats, mit den Worten: „Daheim hören wir Beethoven, hier im Ältestenrat wollen wir die Musik der Zukunft hören.“ Dieser eigene Ton fand bei den Gästen des Ältestenrats schnell Anklang. Man kann ihn den unzähligen Artikeln und Bildern in unserem Archiv ablauschen.

Wie hat sich die Welt verändert in zwei Jahrzehnten. Als der Ältestenrat gegründet wurde, hieß es: „Die politischen Parteien vergessen die Senioren.“ Unsere Zeitung wollte ihnen auf lokaler Ebene mehr Gehör verschaffen. Dank des demografischen Wandels sind die Älteren zur wichtigsten Zielgruppe der Politik geworden. Dadurch erfährt ein Gremium wie der Ältestenrat mehr Aufmerksamkeit. Umso wichtiger ist ihm seine Unabhängigkeit. „Wir legen Wert darauf, dass bei uns keine Politik gemacht wird“, sagt Axel Egler. Schon beim allerersten Treffen hatte der Ältestenrat sich darauf verständigt, keine „parteipolitische Quasselrunde“ sein, sondern auch heiße Eisen anpacken zu wollen. „Wir reden über alles“, erklärt Egler. Auch deshalb würdigte die Konrad-Adenauer-Stiftung den Ältestenrat mit einem Sonderpreis für Lokaljournalismus.



Egler aus St. Arnual ist seit zwei Jahren der Sprecher des Ältestenrats. Als eines von 19 Mitgliedern, elf Männer, acht Frauen. Bossert sprach ihn einst an: „Mensch, Axel, Dich hätte ich gern im Ältestenrat.“ Es dauerte eine Weile, dann fand er Aufnahme in den Kreis. Ein Gremium wie den Ältestenrat gebe es nirgendwo sonst, sagt Egler. Es brauche ihn. Das merkt der 71-Jährige auch, wenn Ferien sind und der Ältestenrat pausiert. Dann fragen Bekannte schnell nach: „Gibt es Euch noch?“

Nicht nur in solchen Momenten erfährt Egler, welch Wertschätzung der Ältestenrat genießt. Sondern auch, wenn sich der Sprecher um Gäste bemüht. „Dann gehen Türen auf, die in einer anderen Situation nicht aufgehen“, berichtet er. Im September diskutierte man mit Oberbürgermeisterin Charlotte Britz (SPD) über die Sicherheit in Saarbrücken, Polizeipräsident Norbert Rupp warnte im Juni vor Trickbetrügern. Bei den vorherigen Treffen ging es um gute Ernährung, das Autofahren im Alter oder den Verkehr in der Stadt. Es bleibt dabei: Altwerden ist hochinteressant.

Mitarbeit: Laura Vordermayer

Man kann ihr beim Nachdenken zusehen: Edith Braun, 2000.
Man kann ihr beim Nachdenken zusehen: Edith Braun, 2000. FOTO: uli barbian
Manfred König (re.) war bis 2010 der Ältestensrats-Sprecher.
Manfred König (re.) war bis 2010 der Ältestensrats-Sprecher. FOTO: Iris Maurer
Erika Franz, Reichelt, Marianne Tausend, Hannelore Schillo.
Erika Franz, Reichelt, Marianne Tausend, Hannelore Schillo. FOTO: uli barbian
Aus der Gründungzeit. Ruth Budich (re.) ist bis heute dabei.
Aus der Gründungzeit. Ruth Budich (re.) ist bis heute dabei. FOTO: barbian,uli
Carl Bossert war der erste Sprecher des SZ-Ältestenrats.
Carl Bossert war der erste Sprecher des SZ-Ältestenrats. FOTO: uli barbian
Gertrud Meyer kam gut vorbereitet, mit Zeitungsausschnitten.
Gertrud Meyer kam gut vorbereitet, mit Zeitungsausschnitten. FOTO: das bilderwerk / uli barbian
Rüdiger Kaldewey und Axel Egler, der ihm als Sprecher nachfolgte.
Rüdiger Kaldewey und Axel Egler, der ihm als Sprecher nachfolgte. FOTO: Iris Maria Maurer
Gisela Reimers bei einer kontroversen Debatte, 2004.
Gisela Reimers bei einer kontroversen Debatte, 2004. FOTO: Uli Barbian
Dieter Bost und Carl Bossert beim 10-jährigen Jubiläum.
Dieter Bost und Carl Bossert beim 10-jährigen Jubiläum. FOTO: Iris Maurer
Carl Bossert (M.) mit Dieter Gräbner und Ilka Desgranges von der SZ.
Carl Bossert (M.) mit Dieter Gräbner und Ilka Desgranges von der SZ. FOTO: Iris Maurer
Ernährungsexpertin Judith Giese (3.v.l.) als Gast im Februar.
Ernährungsexpertin Judith Giese (3.v.l.) als Gast im Februar. FOTO: Iris Maria Maurer
Ältestenrat auf „Sonderfahrt“: Carl Bossert, Gisela Kölling.
Ältestenrat auf „Sonderfahrt“: Carl Bossert, Gisela Kölling. FOTO: Uli Barbian
Joachim Reichelt (l.) saß noch mit 100 Jahren im Rat.
Joachim Reichelt (l.) saß noch mit 100 Jahren im Rat. FOTO: das bilderwerk / Uli Barbian
Ernste Themen? Mit Vergnügen: Gisela Reimers, 2002.
Ernste Themen? Mit Vergnügen: Gisela Reimers, 2002. FOTO: das bilderwerk / Uli Barbian
Im Juni war Landespolizei-Chef Norbert Rupp zu Gast.
Im Juni war Landespolizei-Chef Norbert Rupp zu Gast. FOTO: Iris Maria Maurer
Autorin Edith Braun, verstorben 2016, als Ältestenratsmitglied.
Autorin Edith Braun, verstorben 2016, als Ältestenratsmitglied. FOTO: Iris Maurer