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Der Saarbrücker Schlossgarten ist Kultur- und Naturdenkmal in einem

Naturdenkmäler in der Region : Kultur und Natur in einem Denkmal

Der Baumbestand des Schlossgartens in Saarbrücken zählt zu den Naturdenkmälern im Regionalverband, zeugt als Kulturgut aber auch von vergangenen Zeiten.

Florian Donner ist Baumexperte und macht mit Besuchern des Schlossgartens in Saarbrücken einen Test. „Schlagen Sie mal mit den Knöcheln ihrer Faust locker gegen den Stamm dieses Eisenholzbaums. So, wie wenn Sie irgendwo anklopfen. Merken Sie, wie hart dieses Holz ist?“ Man spürt es sofort: Der Stamm dieses Baumes fühlt sich unglaublich fest und massiv an. Diesem Umstand verdankt der Eisenholzbaum seinen Namen. Aus diesem Holz sollte man niemals ein Schiff bauen – es ist so dicht, dass es im Wasser untergeht.

Hinter dem Saarbrücker Schloss, unmittelbar am Torbogen, steht dieser Baum, der im verschneiten Januar sogar zu Blühen begonnen hat. Daneben steht eine Stechpalme mit knallroten Beeren. Florian Donner zeigt uns bei einem Rundgang noch mehr Exoten, die den Park zu etwas Einzigartigem machen.

Der Saarbrücker Schlossgarten ist Kulturdenkmal und Naturdenkmal in gleicher Weise. Hier verbergen sich seltene Bäume, die anspruchsvolle Pflege benötigen, da der Garten auf einem Sandsteinfelsen liegt und die Wurzeln wenig Raum finden. Geschichtlich geht der Schlossgarten auf zwei Barockgärten zurück. Der erste entstand nach Angaben des Regionalverbandes 1697 und verfiel nach dem Tod des Grafen Friedrich Ludwig im Jahr 1728 zunehmend. 1748 entstand nach Friedrich Joachim Stengels Plänen das Barockschloss. Die Gärten wurden neu angelegt und die ältesten Bäume im Schlossgarten, darunter eine Traueresche und eine Kastanie, könnten aus dieser Zeit übriggeblieben sein.

Der erste Garten blieb nicht erhalten, der zweite wurde in der Französischen Revolution zerstört, wobei die Terrassen hinter dem Schloss aus dieser Zeit stammen. Nach den Kriegsschäden wurde 1955 der Garten nochmals neu gestaltet. Erst 2000 entstanden die Treppen zum Landtag.

Am Baumbestand hat das wenig geändert, die großen Bäume im Schlossgarten stehen zum Teil seit über 200 Jahren dort, sagt Jürgen Recktenwald von der Aufbaugesellschaft Saarbrücker Schloss, einer Tochterfirma des Regionalverbandes. Leider habe man gerade in den letzten Jahren viele Bäume verloren. Eine mächtige Blutbuche aus der Fürstenzeit habe man nicht retten können, ein Bergahorn ging ein. „Als der gefällt wurde, kam ein älterer Herr dazu und sagte, er müsse die Fällung selbst sehen, da er hier erstmals unter diesem Baum eine Frau geküsst habe“, erzählt Recktenwald. Das ist nur eine seiner vielen Anekdoten aus dem Schlossgarten. Er berichtet von Wurzeln, die die unterirdischen Gänge durchbrechen. Von der Bewässerungsanlage, die im Sommer die Wiese und die Bäume in Festivalbereich nährt. Und von Menschen, die dort Musik hören und picknicken, ohne dass die Wiese dank der Technik Schaden nimmt.

Die Baumfachleute geben alles, um Nutzung und Erhalt zu vereinen. Sie belüften Wurzeln, untersuchen das Holz, behandeln Rindenschäden und begutachten den Baumbestand ständig. Ein Baum, eine Kastanie, sei sogar bei der Erschließung der Kasematten mit einem Kran vom Platz vor dem Schloss in den Garten dahinter versetzt worden – und habe es gut überstanden.

Neben dem Eisenholzbaum, dem erklärten Lieblingsbaum Donners, stehen hier Sommerlinden, Roßkastanien, mehrere geschützte Eiben, Bergahorne, Silberlinden, Baumhasel, ein Blasenbaum aus China, der zweitgrößte Zürgelbaum Saarbrückens – oder Himalaya-Zedern. Dabei haben die Gärtner, die den Garten ganzjährig bewirtschaften, oft besondere Probleme. Dann etwa, wenn die Wurzeln geschützter Bäume gegen die ebenfalls geschützten Mauern drücken oder die Rhizome die Natursteinplatten der Gehwege heben. Eingegriffen werde aber nur, wenn es unumgänglich sei, so Recktenwald. Die jüngsten Baumfällungen seien unausweichlich gewesen. Für jeden Baum im Schlossgarten gelte, dass man erst nach einhelligem Urteil mehrerer Fachleute etwas verändere. Denn die Bäume sollen hier weiterhin alt werden und Jahrzehnte das Saarbrücker Stadtbild prägen.