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Der Saarbrücker Oberbürgermeister Uwe Conradt übergibt Rathausschlüssel

Karneval trotz Corona : Corona macht aus dem Rathaussturm eine Kapitulation

Die Pandemie ändert alte Traditionen. Aber nicht alle.

Am Fetten Donnerstag ist im Festsaal des Rathauses normalerweise die Hölle los und im Innenhof steigt zwei Tage später eine Party mit Festzelt. Die Übergabeverhandlungen und der Rathaussturm sind in der gewohnten Form in dieser Session undenkbar. Im Festsaal des Rathauses traf sich Oberbürgermeister Uwe Conradt gestern trotzdem mit drei Vertretern von Karnevalsvereinen, die in diesem Jahr Jubiläum feiern. „So wenig Faasenacht wie in diesem Jahr war noch nie. Hätten wir das Anfang 2020 gewusst, hätten wir bis Ostern durchgefeiert“, sagte er scherzhaft und sicherte dann den Vereinen in Saarbrücken ein „stets offenes Ohr“ zu. Man werde auch prüfen, ob man den Vereinen bei den Hallenmieten entgegenkommen könne, da man wisse, dass alle Einnahmen ausgefallen seien. „Wir wollen heute im Festsaal nicht schunkeln und feiern, sondern an die Tradition erinnern. Fastnacht ist ja nicht njur Frohsinn, wobei man den gerade gut gebrauchen könnte“, sagte der Oberbürgermeister, der in Verkleidung zum Termin kam. Die Stadt habe einen PIN herausgegeben und an die 17 Saarbrücker Karnevalsvereine zum Verkauf abgegeben, um ihnen eine Einnahme zu ermöglichen. Am Rosenmontag gebe es kleine Tütchen mit Aufdruck „Faasendumzuch für dehemm in Saarbrigge“, die von den Karnevalsvereinen an sieben ausgesuchten und zentralen Stellen an Passanten verteilt würden. In den Tütchen seien Luftschlangen, Bonbons, Konfetti und Schokolade.  Zum Empfang eingeladen waren Patrick Topp von den Quasslern aus Klarenthal (6x11 Jahre), Albert Kindel von der Saarbrücker M’r sin nit so (15x11 Jahre) und Erik Schrader in Vertretung für Sven Sträßer von der KG Pfaffenkopf aus Dudweiler (66 Jahre) sowie als Vertreter des Verbandes der Saarländischen Karnevalsvereine (VSK) der Regionalvertreter Werner Jungfleisch. Im Festsaal traf man sich mit Abstand, ein symbolhaftes Foto, das den Kampf um den Rathausschlüssel zeigt,  wurde nachgestellt. Statt auf einer Party lag der Hauptaugenmerk auf einem Gedankenaustausch. „Für uns eine Gelegenheit, zu zeigen, dass es uns noch gibt. Party und Sauferei kann man ja aussetzen, die Tradition nicht. Uns ist auch wichtig, darauf hinzuweisen, dass die Kinder in unseren Clubs am meisten leiden“, sagte Jungfleisch. Die Narren eroberten den Schlüssel nicht, er wurde ihnen erstmals aus freien Stücken überreicht. Und das zwei Tage vor dem ausfallenden Rathaussturm. „Wir nehmen das wahr und werden neben der Maskenpflicht jetzt eine Verkleidungspflicht erlassen“, sagte Topp. Der Oberbürgermeister kam der Anordnung bereits nach.