Der Saarbrücker Kältebus hilft Obdachlosen im Winter

Kostenpflichtiger Inhalt: Ehrenamtliche Arbeit : Kältebus wärmt Obdachlose in Saarbrücken

Ab dem 9. Dezember ist der neue Bus am Römerkastell wieder offen. Auch in diesem Winter suchen die Ehrenamtler weitere Helfer.

Die Küchenzeile ist eingebaut, die elektrischen Leitungen sind verlegt und die Sitze mit buntem Kunstleder bezogen. Es fehlen nur noch ein paar Kleinigkeiten, dann ist der neue Saarbrücker Kältebus fertig und startklar für die sechste Wintersaison.

„Der alte Bus war marode, und wir haben gegen eine Spendenquittung einen neuen Bus vom Frankfurter Flughafen bekommen“, erzählt Linus Blacha. Er ist der zweite Vorsitzende des Vereins „Hilfe für obdachlose Menschen im Winter“ und von Anfang an mit dabei – zunächst als Helfer und seit der zweiten Saison als Vereins- und Vorstandsmitglied.

In der ersten Saison 2014/2015 stand der Kältebus noch am Busdepot in der Heuduckstraße. Ab der zweiten Saison bis heute am Römerkastel. „Was wir in dieser Zeit an Hilfe bekommen haben, ist wirklich erstaunlich. Es gibt sehr viele Menschen, die uns helfen wollen. Wir könnten es fast schon Kältedorf nennen“, sagt Linus Blacha. Die Stadt Saarbrücken stellt das Gelände am Römerkastel sowie Wasser- und Stromanschlüsse kostenlos zur Verfügung. Neben dem Bus gibt es in diesem Jahr auch einen neuen Küchenwagen und drei Vorratscontainer.

Am 9. Dezember startet der Kältebus in die neue Saison und bietet obdachlosen Menschen über den gesamten Winter jeden Abend einen warmen Platz, warme Mahlzeiten, Getränke und Utensilien für den täglichen Bedarf.

„Die Anzahl der Obdachlosen, die jeden Abend kommen, ist unterschiedlich. Es sind immer so zwischen 50 und 100 Menschen“, sagt Anja Jenal. Sie ist die Schatzmeisterin des Vereins und im vierten Winter dabei. 40 Mitglieder hat der Verein. Um das ganze Programm gestemmt zu bekommen, sind etwa 100 Helfer über den gesamten Winter von Nöten. Es gibt drei Schichten jeden Tag, die mit insgesamt sieben Helfern zu besetzen sind – von 21 bis 0, von 0 bis 3 und von 3 bis 6 Uhr. „Über die sozialen Medien haben sich schon etwa 60 Menschen gemeldet, die helfen wollen. Wir wollen, dass wir auch in diesem Jahr die 100 wieder vollkriegen und so alle Schichten besetzen könne“, sagt Anja Jenal.

Neben den Schichtdiensten wird auch das Essen jeden Abend von den unterschiedlichsten Menschen zubereitet. Schulklassen, Vereine, Freundeskreise, Unternehmen oder Privatpersonen kochen für die Obdachlosen und liefern jeden Abend das Essen. „Der Fußball-Regionalligist SV Elversberg hat uns schon mal das komplette VIP-Essen vorbeigebracht, als ein Spiel ausfiel. Das Victors Hotel hat uns sogar zwei Menüs geliefert, und die Obdachlosen konnten zwischen Fisch und Fleisch wählen. Aber das waren Einzelfälle. Insgesamt ist die Hilfe in allen Bereichen aber toll“, berichtet Linus Blacha.

Wer im kommenden Winter vor Ort helfen oder an einem Abend für die Obdachlosen kochen möchte, der kann sich direkt an das Team des Kältebusses wenden. Es gibt einen ausgetüftelten Dienst- und Essensplan. Am 25. November, 19 Uhr, lädt der Verein zudem alle Helfer und die, die es werden möchten, zu einem Informationsabend ins Turnerheim am Waldhaus in Saarbrücken ein. Es gibt sogar Helfer, die aus Frankreich oder Rheinland-Pfalz ins Saarland kommen.

„Viele stellen sich bei der Hilfe für Obdachlose immer gleich Not und Elend vor. Aber so ist es nicht. Das sind ganz oft sehr fröhliche und bunte Abende, bei denen man sehr viele und neue Eindrücke von Menschen bekommt, denen es nicht so gut geht, wie der Mehrheit der Bevölkerung“, sagt Linus Blacha bevor er noch die eine oder andere Schraube an der neuen Arbeitsplatte im Bus festzieht. Für ihn ist es logisch, anderen Menschen zu helfen, da jeder einmal in eine Situation kommen kann, in der er Hilfe braucht. Das sieht auch Anja Jenal so. „Ich sehe es sogar als eine Verpflichtung an, der Gesellschaft etwas zurückzugeben. Aber ich muss schon dazu sagen, dass diese Arbeit auch richtig viel Spaß macht.“

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