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Der Saarbrücker Flughafen sorgt mithilfe von Jägern für mehr Sicherheit

Kostenpflichtiger Inhalt: Mehr Sicherheit dank Megafon : Wie sich der Flughafen gegen Wildtiere wehrt

Wenn Flugzeugen Tiere in die Quere kommen, kann es gefährlich werden. Um dieses Risiko zu minimieren, arbeitet der Saarbrücker Flughafen mit Jägern zusammen – und greift auf die Dienste eines heimischen Raubtiers zurück.

„Ein Flugzeug startet mit über 200 Kilometern pro Stunde. Beim Zusammenstoß mit einem oder mehreren Vögeln kann es da schnell zu einem Schaden kommen“, sagt Matthias Becker. Er ist der Verkehrsleiter des Saarbrücker Flughafens (SCN) und damit auch als Wildlife Manager für die „Wildtiergefahrenabwehr“ zuständig. Ein solcher Vogelschlag, wie das die Fachleute nennen, komme immer wieder vor, etwa fünf bis zehn Mal im Jahr.

Wie dramatisch das enden kann, verfolgte die Weltöffentlichkeit vor elf Jahren bei einer Notlandung auf dem Hudson River in New York. Damals waren mehrere Gänse in die Triebwerke der Maschine gelangt. Redakteure dieser Zeitung erlebten vor einigen Jahren ebenfalls einen solchen Triebwerksausfall, der glimpflich ausging (wir berichteten). Das war in Frankfurt Hahn. Eine für Mensch und Maschine bedrohliche Situation habe es in Saarbrücken hingegen noch nie gegeben, unterstreicht Becker.

Damit das auch so bleibt, verfolgt der 51-Jährige mehrere Strategien. Eine besteht darin, Vögel, die sich auf oder über dem Flughafengelände befinden, zu „vergrämen“. Früher kamen zu diesem Zweck klassische Vogelscheuchen zum Einsatz. Das Problem: Die Tiere gewöhnen sich an die Attrappen und verlieren die Angst davor. Heute geht Becker mit dem Megafon zu Werke. Statt selbst bedrohlich wirkende Rufe von Raubvögeln nachzuahmen, spielt er die Laute als Musikdateien ab: „Im Internet gibt eine ganze Sammlung davon.“ Bei hartnäckigen Fällen greife er auch zur Schreckschusspistole. Größere Airports wie in Düsseldorf beschäftigen sogar eigene Falkner, die abgerichtete Bussarde auf ungebetenes Federvieh loslassen, so Becker.

Viele für den Betrieb gefährliche Arten gebe es am Saarbrücker Flughafen aber ohnehin nicht, erklärt Becker. Für die meisten Vorfälle sorgten Jungfalken. „Etwas so Großes wie Gänse kommt bei uns nicht vor.“ Krähen seien schlau genug, Flugzeugen rechtzeitig auszuweichen und machten daher keine Probleme, erklärt der Verkehrsleiter. „Allerdings kapieren sie auch schnell, dass keine echte Gefahr droht, wenn wir versuchen, sie mit dem Megafon zu vertreiben.“ Auch noch kleinere Arten, etwa Meisen oder Schwalben, stellen demnach kein Risiko dar.

Es gibt sogar Wildtiere, die Becker gerne sieht: „Wir locken gezielt Füchse an, indem wir Bauten für sie anlegen. Diese Räuber fressen Vögel und sind bei Nacht aktiv, also dann, wenn bei uns in der Regel kein Betrieb ist.“ Eine weiterer Trick wirkt von außen wie Faulheit: „Langgrashaltung“. Der Rasen des SCN wird nur ein Mal im Jahr gemäht und selbst dann nicht kürzer als 20 Zentimeter, sagt Becker. „So fällt es den Vögeln schwerer, Nahrung zu finden.“ Alle diese Maßnahmen – und das zugehörige Fachvokabular – hat Becker bei Schulungen des Davvl erlernt. Hinter dem Kürzel steht der Deutsche Ausschuss zur Verhütung von Vogelschlägen im Luftverkehr. Der Verein übernimmt neben Fortbildungen zahlreiche Aufgaben im Bereich der Flugsicherheit. Beispielsweise erstellt er Deutschlands offizielle Vogelschlag-Statistik.

Allerdings gibt es in Deutschland weitaus größere Wildtiere als Amsel, Drossel, Fink und Star – und die bewegen sich auf dem Boden. Wenn es auf der Startbahn zum Zusammenprall mit einem Reh käme, wäre das ein „kritischer Vorfall“, wie Becker sagt. Sollte sich tatsächlich mal ein Kitz oder ein ausgewachsenes Tier auf das Gelände verirren, fährt der Flughafen als letztes Mittel buchstäblich größere Geschütze auf. Die Betreiber arbeiten mit drei Jägern zusammen, die in einem solchen Fall hinzugezogen werden. Zwei davon arbeiten ohnehin beim SCN und haben eher zufällig auch einen Jagdschein. Der dritte kümmert sich „in der näheren Umgebung“ um das Wohl der Tier- und Pflanzenwelt.

Genauere Angaben will Raphael Müller zu den Jägern nicht machen. Der 32-Jährige ist der Sicherheitsdirektor des Saarbrücker Flughafens. Bevor er am SCN seinen Dienst antrat, war er Polizeibeamter und studierte zusätzlich Sicherheitsmanagement an der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW). Müller kommt spätestens ins Spiel, wenn scharfe Waffen auf das Flughafengelände gelangen sollen. Ohne seine Zutrittsgenehmigung geht nichts. Damit dort überhaupt gejagt werden darf, sei zudem eine Sondergenehmigung des Regionalverbandes nötig. Und wenn wirklich ein Tier erlegt werden soll, müsse dies darüber hinaus mit der Deutschen Flugsicherung, der saarländische Luftsicherheitsbehörde sowie der Ortspolizei abgestimmt werden, erklärt Müller.

Dieser Aufwand sei glücklicherweise nur äußerst selten nötig, versichert Matthias Becker: „Zuletzt musste im vergangenen Jahr ein Reh erschossen werden. Vor fünf Jahren hat es mal ein Wildschwein auf das Gelände geschafft. Davor gab es lange Zeit keine ähnlichen Fälle.“ Damit es gar nicht erst so weit kommt, hegen und pflegen Becker und seine Kollegen den Zaun, der den gesamten Start- und Landebereich sowie die Hangars weitläufig umschließt. Und der funktioniert gut: „99 Prozent meiner Arbeit als Wildlife Manager besteht aus der Vogelabwehr.“ An Stelle der Flinte liegt bei Becker deshalb stets das Megafon bereit.

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