| 20:44 Uhr

Ein solches Engagement ist höchst selten
Der Herr der Hecken packt die Schere ein

Auch am gestrigen Vormittag war Erwin Schmidt im Quierschieder Freibad zugange, um die Hecken richtig schön in Form zu bringen.
Auch am gestrigen Vormittag war Erwin Schmidt im Quierschieder Freibad zugange, um die Hecken richtig schön in Form zu bringen. FOTO: Thomas Seeber
Quierschied. Nach 25 Jahren genießt der im Quierschieder Freibad tätige Erwin Schmidt demnächst tatsächlich seinen Ruhestand. Von Michèle Hartmann

Wer das Quierschieder Freibad betritt, der nimmt zunächst – na klar – das große Schwimmerbecken zur Kenntnis. Mitsamt dem schönen Drumherum: schattige Plätze, sonnige Plätze - alles da. Und dann erst die Hecken: So akkurat gestutzt, dass man meinen könnte, es sei da jemand mit Lineal und Winkelmesser unterwegs gewesen. Oder ein Gärtner der berühmten Insel Mainau habe hier ein Seminar abgehalten und erklärt, wie man das hinkriegt. Gestern Vormittag haben wir  hier, im Freibad, den Mann  getroffen, der mit einem Akku-Gerät die Hecken hegt und pflegt: Erwin Schmidt. Im Oktober wird er 80 Jahre alt, und dann legt er die Heckenschere weg. Ein für allemal. Und das nach 25 Jahren des ehrenamtlichen Tuns.


Erwin Schmidt, der nicht gern  Aufhebens um sich und seine akribische Arbeit macht, ist ein Glücksfall für die Gemeinde Quierschied. Zum Schwimmbad hat er einen Fußweg von rund zehn Minuten. Was dazu führt, dass er in der Saison jeden Tag zugange ist. Das ist auch nicht übertrieben, denn insgesamt kümmert er sich um 200 Meter Hecken, die sich übers Bad-Areal erstrecken. Allein 50 Meter sind es rund ums Kinder-Planschbecken.

Mitglied der heute nicht mehr existierenden DLRG Quierschied war Schmidt von 1964 bis 1997. Als Rettungsschwimmer hat er nicht nur am Bostalsee die Augen offen gehalten, sondern auch in seiner Gemeinde die Prüfungen zu den unterschiedlichen Schwimmabzeichen (Seepferdchen, Jugendschwimmabzeichen etc.) abgenommen. Selbstredend hat er auch noch im  Wellenhallenbad gewirkt, das 2011 ein für allemal geschlossen wurde. 1993 ging der heute 79-Jährige, der im Kraftwerk Weiher in Quierschied beschäftigt war, in den Ruhestand. Und ab diesem Zeitpunkt kümmert er sich rührend ums Grünzeug unter Gottes Sonne.



„Das Bad ist meine zweite Heimat“, sagt der Senior und lächelt. Dass er nirgendwo sonst wohnen möchte als in Quierschied, das fügt er noch hinzu. Und dass seine Frau Edith immer viel Verständnis für seine ehrenamtliche Arbeit an den Tag gelegt hat. Sie selbst ist vormittags als Küsterin tätig, sperrt um 12 Uhr die Pfarrkirche Maria Himmelfahrt zu und holt dann ihren Mann am Freibad ab. Tagwerk erledigt, also geht es nach Hause. Doch wie gesagt, nach dieser Saison ist Schluss mit dem akkuraten Heckenschnitt. Dann muss sich die Gemeinde kümmern, so wie es aussieht. Denn einen zweiten Herrn Schmidt wird es bestimmt nicht geben.

Wir haben uns gestern auch unterhalten mit Schwimmmeister Martin Ehrlich. Er lobt die überaus gewissenhafte Arbeit des liebenswürdigen Rentners. Und freut sich, dass dieses Jahr so viele Badegäste  Abkühlung in den gechlorten Fluten suchten. Stärkster Tag war Sonntag, 8. Juli. Da strömten 1568 Männer, Frauen und Kinder  ins Freibad, darunter viele Auswärtige, wie Martin Ehrlich weiß: aus Sulzbach, Dudweiler und aus dem Raum Neunkirchen. Wann die Saison 2018 endet, das ist noch nicht entschieden. Sollte der September sich warm und sonnig zeigen, dann bleibt das Bad noch ein Weilchen offen. Und Erwin Schmidt noch eine Zeitlang aktiv. Jedenfalls im Dienste der Allgemeinheit. Dass  Bürgermeister Lutz Maurer ihn noch hochleben lässt, daran hat die SZ keinen Zweifel.