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Alarmsignale
Der Frieden in der Stadt auf der Kippe

FOTO: SZ / Robby Lorenz
Gut, dass die Städte endlich aufschreien. Und Saarbrücken mit. Gut, dass die Bürger erfahren, warum sie ständig mehr an ihre Städte bezahlen sollen. In Saarbrücken mehr Hallengebühren, mehr Eintritt in die Bäder, mehr Grundsteuer, mehr Gewerbesteuer. Das stinkt den Leuten. Vielleicht stinkt ihnen bald auch die Agenda 2010. Die hat ihnen den Schlamassel eingebrockt. Von Jörg Laskowski

Und die Städte haben Recht: Der soziale Frieden ist in Gefahr. Die Städte sind es, die dafür sorgen, dass Menschen sich integriert fühlen, zugehörig, akzeptiert, gewollt, willkommen. Dieses Gefühl müssen die Menschen dort entwickeln, wo sie leben, in den Städten. Dieses Gefühl muss die Menschen mit ihren Städten verbinden. Wenn das nicht geschieht, dann haben wir bald Zustände wie in Frankreich. Dieses Land hat es versäumt, die Menschen beispielsweise in den legendären, unwürdigen Hochhaussiedlungen an den Stadträndern (den HLM der Banlieues), an sich zu binden. Frankreich hat diese Menschen – darunter viele aus seiner Ex-Kolonie Algerien –  sträflich vernachlässigt, hat sie in Parallelgesellschaften vegetieren und abrutschen lassen.


Unter den Folgen leidet auch Saarbrücken bereits seit 25 Jahren. Solange schon sind Straftaten wie auf der Kölner Domplatte zu Silvester 2015 im SZ-Archiv aktenkundig. Wenn der Protest der Städte nicht gehört wird, dann werden auch wir eine solch fatale Spaltung der Gesellschaft erleben wie Frankreich. Ralf Latz hat Recht: Die Städte müssen sich um die Menschen in den Problemvierteln kümmern, sie an das Land binden. Bevor es irgendwelche Parolenschreier tun. Wenn der Bund Flüchtlinge auf die Städte verteilt, aber gleichzeitig Menschen verarmen lässt, wenn  der Bund seine Sozialleistungen abbaut und so seine Städte lähmt, dann ist solche Politik eine Gefahr für den sozialen Frieden.