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Laufen
Der Firmenlauf rettet die Bilanz

Saarbrücken. Halbzeit in der saarländischen Volkslauf-Szene. Nach insgesamt leicht steigenden Teilnehmerzahlen im ersten Halbjahr starten die Hobbyläufer und Könner in der zweiten Saisonhälfte neu durch. Es gibt aber auch Problemkinder. Von Roland Schmidt

Saarländische Laufsportler schmunzeln, wenn sie an die Fußball-Weltmeisterschaft in Russland denken. Durchschnittlich zehn Kilometer rennen die Nationalkicker der 32 Länder bei ihren 90-minütigen WM-Auftritten über den grünen Rasen, oft locker trabend, Atempausen inklusive.


Die Topläufer in unserer Region schaffen die Distanz in einem Drittel der Zeit, und das Pensum vieler Hobby-Jogger ähnelt dem der Star-Kicker. 1:0 für die Amateure.

Jogis Jungs stehen beim Projekt Titelverteidigung noch am Anfang. Die saarländische Lauf-Gemeinde habe dagegen schon ordentlich Kilometer geschrubbt, resümiert Andreas Jahn nach der ersten Hälfte der Volkslauf-Saison. „Wir haben Halbzeit, aber es finden noch etliche Läufe statt“, sagt der neue Referent für stadionferne Laufveranstaltungen beim Saarländischen Leichtathletik-Bund (SLB).



Im April hatte der 38 Jahre alte Schatzmeister der LAG Saarbrücken das Amt des Laufwarts von Thorsten Mayer übernommen. Eine spontane Entscheidung. Er sei  neugierig, was auf ihn zukommt, meinte Jahn bei der SLB-Mitgliederversammlung und hob die Hand. „Es fehlt mir natürlich Erfahrung. Im SLB geht es schon bürokratischer zu als im Verein. Es ist ein Sprung ins kalte Wasser, aber ich bin Ansprechpartner für alle Vereine – und ich bin für alle Fragen offen“, sagt der Mann, der selbst erst vor vier Jahren mit dem Laufen begann.

„Heute laufe ich alle Strecken, von 800 Meter bis Marathon“, verrät Jahn begeistert. Ähnlich euphorisch will er sich um die Koordination der Volks-, Cross- und Freundschaftsläufe kümmern, seine Kernaufgabe im Verband. Bei der „Laufbörse“ stimmen die Klubs im September die Termine für 2019 ab. Es wird Jahns Bewährungsprobe. „Da wird es keine Reibereien geben. Das läuft immer glatt ab“, sagt er cool.

Im ersten Halbjahr 2018 fanden 28 Veranstaltungen statt. Die Bilanz ist durchwachsen: Elf Läufe verzeichneten mehr Teilnehmer. Positiv ragten der Kaltenstein-Crosslauf der LTF Theeltal (plus 57 Prozent), der Saarbrücker Firmenlauf (plus 50 Prozent) und der Stadtlauf in Wadern (plus 32 Prozent) heraus. „Bei 13 Läufen war das Interesse allerdings rückläufig, zwei waren 2017 noch nicht aufgelistet, und bei zwei fehlen noch Daten“, sagt Jahn. Bedeutet unter dem Strich: „Ohne das Plus beim Saarbrücker Firmenlauf des LAZ wäre die Starterzahl insgesamt rückläufig. So aber haben wir bislang 12 744 Laufende zu 11 604 im Vorjahr“, rechnet der Laufwart vor. Das miese Wetter und die Grippewelle hätten die Veranstalter viele Teilnehmer gekostet.

Vereine, die sich Mühe geben, würden belohnt. Vereine auf eingefahrenen Schienen hätten Probleme, stellt Jahn fest. Apropos Probleme. Bauchweh bereiten Jahn der Finanzskandal beim Landessportverband für das Saarland und die finanziellen Auswirkungen auf den SLB. Ein weiteres Sorgenkind sind auch die Bergläufe. Nach dem Wegfall der Läufe am Litermont und Schaumberg findet nur noch der Hoxberg-Lauf statt.

Insgesamt ging die Zahl der Veranstaltungen von 77 auf 74 zurück. Auch der Klassiker „Lauf in die Saarlouiser Woche“ wurde eingestellt. Erfreulich ist der Boom bei den Freundschaftsläufen. „Hier haben nicht organisierte Läufer die Möglichkeit, ohne Wettkampfdruck unter Gleichgesinnten ihrem Sport nachzugehen. Das verbindet und weckt vielleicht Interesse am Verein“, sagt Jahn.

Die von Vorgänger Mayer initiierten Lauf-Wettbewerbe will er fortsetzen. Im Kampf um den Titel „aktivster Laufverein“ liegt nach vier von sieben Wertungsläufen der LC Rehlingen vorn. In der Kategorie Läuferin und Läufer des Jahres haben Alexander Bock (LC Rehlingen) und Katharina Rausch (LA Team Saar) die Nase vorn. Beste Senioren aktuell: Martina Schumacher (LC Rehlingen) und Mathias Müller (LSG Saarbrücken-Sulzbachtal). Es läuft also in der saarländischen Volkslaufszene – und der neue SLB-Laufwart läuft vorne weg. „Ich war kürzlich beim Rennsteiglauf sieben Stunden und 30 Minuten unterwegs, auf 74 Kilometern“, schwärmt Andreas Jahn. Ungefähr das gleiche Lauf-Pensum sollten Jogis Jungs bei der WM anpeilen. Nach sieben Spielen wären sie dann zumindest Vizeweltmeister.

45 Läufe stehen im zweiten Halbjahr noch an – darunter auch der beliebte Saarbrücker Westspangenlauf.
45 Läufe stehen im zweiten Halbjahr noch an – darunter auch der beliebte Saarbrücker Westspangenlauf. FOTO: Andreas Lang
Andreas Jahn ist der neue Laufwart des Saarländischen Leichtathletik-Bundes.
Andreas Jahn ist der neue Laufwart des Saarländischen Leichtathletik-Bundes. FOTO: Jahn