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Der Fechinger Elmar Thiel hat sich der informellen Kunst verschrieben.

Saarbrücken : „Ich lasse den Farben alle Freiheiten“

Der Fechinger Optikermeister und Berufsschullehrer Elmar Thiel hat sich der informellen Kunst verschrieben.

„Meine Mutter hatte eine kreative Ader. Sie hat Orgel gespielt. Und sie hat auch gemalt“, erzählt Elmar Thiel. „Vielleicht habe ich von ihr meine Freude an der Kunst.“ Denn wer Elmar Thiel kennt, weiß, dass er leidenschaftlich gerne malt. Das sieht man auf seiner Webseite im Internet, aber auch in seinem Haus in Fechingen. Denn dort führt er ein Atelier, wo an allen Wänden und in allen Ecken seine bunten Leinwände stehen.

Elmar Thiel hat sich der informellen Kunst verschrieben. Er malt gegenstandslose Werke, in denen die Farben und der Farbverlauf das Motiv sind. Die Malerei und die Kunst sind seine Passion, aber beruflich hat er sich anders orientiert: „Ich bin noch zu Zeiten des Zweiten Weltkriegs in Schwalbach geboren“, berichtet er, „und habe 1949 eine Lehre als Optiker in Saarbrücken begonnen.“

Nach der Lehre arbeitete er in einer optischen Fabrik, legte dort die Gesellenprüfung zum Feinmechaniker ab, wurde sogar Optikermeister, „aber mein Umfeld meinte immer, ich solle unterrichten“. Daher kehrte der Optikermeister auf die Schulbank zurück, machte am Ludwigsgymnasium Abitur und studierte ab dem Jahr 1964 an der Universität in Saarbrücken Lehramt für berufsbildende Schulen.

„An der Universität hatte ich auch das Fach Kunstgeschichte. Und dort hat damals Professor Schmoll genannt Eisenwerth unterrichtet. Er hat Vorlesungen über Pablo Picasso gehalten, über die blaue und die rosa Periode. Das hat mich sehr beeindruckt“, erinnert sich Elmar Thiel.

Dieses neu geweckte Interesse an der modernen Kunst führte Elmar Thiel in viele Museen und Ausstellungen, ob in Berlin, Paris, Baden-Baden oder Frankfurt. Und er begann noch während des Studiums selbst zu malen. „Angefangen habe ich mit einem Kurs bei der Volkshochschule in Seidenmalerei. Ich war der einzige Mann im Kurs und habe meine Seidenschals auch beschriftet. Das hat viele beeindruckt, dafür habe ich sogar einen Preis gewonnen“, erzählt er lachend.

Nach seinem Studium wurde Elmar Thiel im Jahr 1968 sehr schnell in den Schuldienst übernommen. Von nun an unterrichtete er an den Berufsbildungszentren in Saarbrücken 40 Jahre lang alle Optikerklassen und war auch bei den Meisterprüfungen dabei.

Er heiratete, gründete eine Familie, bekam zwei Töchter. Seit 1975 lebt er mit seiner Frau in Fechingen. Neben seiner Lehrtätigkeit legte er in Antibes das Examen eines Sprachlaborlehrers ab, arbeitete nebenbei bei der Saarbrücker Zeitung. Aber so wie es die Zeit zuließ, widmete sich Elmar Thiel in seiner Freizeit der Kunst. „Nach der Seidenmalerei entdeckte ich die Keramik für mich. Bei der Keramik waren es vor allem die Glasuren, die mich faszinierten, die leuchtenden Farben nach dem Brand“, erklärt er.

Über die Keramik und die Vorliebe für Farben kam er dann auch zur Malerei, „zur richtigen Malerei“, wie der sagt. Eine Inspirationsquelle war da für ihn die Moderne Galerie, und dort waren es insbesondere die Werke von K. O. Götz, eines der Hauptvertreter der abstrakten Kunst und des Informel in Deutschland.

„Das hat mich sehr beeindruckt, wie er Farbe auf die auf dem Boden liegende Leinwand schüttete und dann mit dem Schrubber malte“, erzählt Elmar Thiel lachend. Und so legte er die Acrylfarben beiseite, schaffte sich Öllacke an und begann ebenfalls seine Werke zu gestalten, während sie liegen. „Meine Bilder male ich in verschiedenen Größen. Ich lege sie auf einen breiten Tisch in meinem Atelier, gebe die Farbe drauf, und dann bewege und drehe ich die Leinwand, bis mir das Ergebnis gefällt“, erklärt er seine Technik. Dabei herauskommen Gemälde, deren kräftige Farben leuchten, der Farbverlauf und der Farbfluss sind das Motiv. Die Farben gehen ineinander über, stoßen sich aber auch ab und bilden beim Trocknen auch gerne mal kleine Risse, sogenanntes Craquelée.

„Ich lasse den Farben alle Freiheiten“, sagt er dazu. Die fertigen Gemälde hat er schon in Ausstellungen gezeigt, in Saargemünd, in seinem Atelier beim Tag der Bildenden Kunst, an dem er regelmäßig teilnimmt, und auch bei einer Ausstellung in dem Saarbrücker Fitnesscenter, in dem er trainiert. Großzügig verschenkt er auch schon mal seine Werke. So gibt er jedes Jahr einige seiner Gemälde zur Kunstauktion der Aidshilfe Saar.