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Serie: Das Tor zur Welt am Ende der Reichsstraße

Serie : Das Tor zur Welt am Ende der Reichsstraße

Vom Saarbrücker Hauptbahnhof geht’s auf kleine oder große Fahrt: ins Land, zur Oma oder nach Frankfurt zum Flug nach Myanmar.

Ob Urlaub oder Sommerferien, für viele gilt jetzt: Nichts wie weg! Auch wenn die Temperaturen in Deutschland gerade rekordverdächtig in die Höhe klettern, wollen viele Saarländer im Sommer raus aus der Heimat. Ob ans Meer, in die Berge oder schlichtweg zum Freunde- und Familienbesuch – Hauptsache weg! Obwohl es bei Fernreisen oft keine sinnvolle Alternative zum Fliegen gibt, bieten sich für kürzere Strecken Zugreisen an. Diese dauern oft nicht einmal länger als die Reise mit dem Flugzeug, und sind vor allem immer weitaus umweltfreundlicher. Mit der Direktverbindung zwischen Saarbrücken und Paris durch den TGV, bietet sich für die Saarbrücker natürlich ein Städtetrip in die französische Hauptstadt an. So machte sich vergangene Woche auch ein junges Liebespaar auf den Weg, um den romantischen Charme von Paris zu entdecken.

Doch die Urlaubslust, wandelt sich schnell in Urlaubsfrust. Normalerweise dauert die Fahrt von Saarbrücken nach Paris rund zwei Stunden, durch einen Zugausfall müssen die beiden nun umsteigen, einen Umweg über Straßburg nehmen. Fahrtdauer: vier Stunden. Zum Zeitvertreib will sie reden, er lieber Musik hören.

Doch die jungen Liebenden sind nicht die Einzigen, die Probleme mit ihrer Reise haben. Im DB Reisezentrum am Saarbrücker Hauptbahnhof stehen die Menschen Schlange. Auch ein Oma-Mama-Tochter-Trio musste wegen eines Zugausfalls umdisponieren. Sie sind auf dem Weg in den Familienurlaub nach Mallorca. Da der Flughafen Düsseldorf so weit entfernt ist, fahren sie mit dem Zug. Doch langsam „werden sie wegen der vielen Verspätungen nervös“. Für die vierstündige Fahrt hatten sie eigentlich einen Tisch im Bordrestaurant reserviert. Durch den Zugausfall ist diese Reservierung allerdings ebenfalls hinfällig. „Ein toller Start in den Urlaub“, fasst das Familienoberhaupt zusammen. Wer mit der Deutschen Bahn reist, braucht starke Nerven.

Die Saarbrücker scheinen die Deutsche Bahn vor allem als bequemes Transportmittel zum Flughafen und somit zur Weiterreise zu nutzen. Gerade ab dem Flughafen Frankfurt sind die Kosten für das Zugticket in Form des „Rail and Fly“-Tickets oft im Flugticketpreis enthalten.

Teilweise haben die Reisenden in der Gesamtrechnung dann eine Strecke von mehreren tausend Kilometern vor, beziehungsweise wie im Fall eines jungen Paares, das gerade aus Dubai zurückkehrt, hinter sich. Sie befinden sich nun auf dem letzten Teilstück ihrer Heimreise – von Saarbrücken nach Bous.

Auch andere Reisende schwören darauf, den Weg zwischen Saarbrücken und Frankfurt mit der Bahn zu beschreiten. Etwa eine junge Dame, die sich auf dem Weg zu einer Tagung auf Malta befindet, oder ein junges Paar, das ab Frankfurt mit dem Auto zur Nordseeinsel Föhr weiterreisen will. Der Grund? „Die Autobahn-Strecke zwischen Saarbrücken und Frankfurt ist zurzeit übersät mit Baustellen.“

Auch die Kleinsten reisen bereits mit der Deutschen Bahn. So haben zwei neun- und elfjährige Schwestern ihre Oma in Saarbrücken besucht. Jetzt fahren sie mit großem Gepäck zurück nach Rehlingen. Minis auf Mini-Reise. Alleine fahren dürfen sie natürlich noch nicht, ihre Oma begleitet sie.

Unter den Reisenden am Saarbrücker Hauptbahnhof sind auch immer wieder junge Menschen in bunten Glitzeroutfits, vollbepackt mit riesigen Rucksäcken und Zelten. Sie sehen müde aus. Sehr, sehr müde. Rückkehrer vom Fusion-Festival im mecklenburg-vorpommerischen Lärz. Zu einem Statement sind sie nicht mehr in der Lage. Das kann ihnen nach fünf Tagen Festival-Wahnsinn allerdings auch niemand verdenken.

Fahrgäste steigen in Saarbrücken in einen ICE.   

Doch nicht jeder, der in der Ferienzeit mit großem Gepäck unterwegs ist, befindet sich auf dem Weg in den Urlaub. Da gibt es Menschen, die zu einer Operation fahren oder zum Dienst bei der Marine. Laura K. ist auf dem Weg zu einem Bewerbungsgespräch nach Aachen. Während der Zugfahrt will sie sich vorbereiten und lernen. In sechs Wochen wird sich die BWL-Studentin allerdings auf den weiten Weg nach Myanmar machen, um dort an einem Trainingsprojekt der HTW mitzuwirken. Sie fliegt dann ab Frankfurt. Auch dorthin will sie dann mit dem Zug fahren. Denn: Bisher hat sie „noch keine schlechten Erfahrungen gemacht.“